Nan
Hoover
Movement from either direction
9.6. - 20.8.1995
In ihrer Videoinstallation movement front either direction hat Nan
Hoover innerhalb des Ausstellungsraums einen neuen Raum geschaffen.
Die geometrischen Konturen scheinen verschoben, die Wände verrückt
worden zu sein. Bereits vom Eingang aus fällt der Blick auf
die gegenüberliegende Ecke der Installation, in der sich der
Schatten einer übergroßen Gestalt von rechts nach links
bewegt. Nach dem Eintreten stellt man jedoch fest, daß der
Raum leer und kein Grund für diesen Schatten erkennbar ist.
Diese Fiktion, von der Künstlerin mit Hilfe einer Videoprojektion
in Szene gesetzt, überrascht. Und diesen Moment der Desorientierung
benutzt Nan Hoover, um uns in eine Schattenwelt zu entfuhren, in
der der Besucher durch weiße und blaue Lichtprojektionen selbst
zum Schatten und so zum Teil der Installation wird, mit ihr zu interagieren
beginnt.
Die ausgebildete Malerin und Zeichnerin Nan Hoover bearbeitet auch
in dieser Arbeit ihr zentrales Thema, den menschlichen Körper,
den sie sowohl real im Raum agieren läßt, als auch durch
Licht und Schatten transzendiert darstellt. Sie thematisiert die
Phantasien des Übermächtigen, des Fremden und des Übergroßen,
vor denen wir uns furchten und die wir zugleich instinktiv beim
Eintreten in einen dunklen Raum erwarten.
Movement from either direction knüpft an die Aktionen, Performances
und Installationen mit Licht- und Videoprojektionen an, die Nan
Hoover seit den 70er Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat.
Fast alle Video-Arbeiten der Künstlerin sind abstrakt und fordern
unsere Auseinandersetzung mit Geschwindigkeit, Zeit und Bewegung.
Sie erforschen die Furcht vor dem Imaginären und spielen mit
Fiktion und Realität. Nan Hoover beschreibt ihre Arbeit als
interaktiv, denn erst durch die Präsenz der sich bewegenden
Betrachter und ihre wandernden Schatten wird die Installation zu
dem, was sie sein soll. Durch das Agieren der Besucher wird der
Raum in immer neue Varianten aus Licht und Schatten getaucht.
Diese kontinuierliche Veränderung der Installation ist im klassischen
Sinne interaktiv, ganz im Gegensatz zu vielen computergesteuerten
Installationen, die letztlich nichts anderes als Multiple-choice-Programme
darstellen. In der entstehenden Lichtlandschaft treffen realer und
virtueller Schatten aufeinander, so wie das Imaginäre auf die
körperliche Präsenz des Besuchers trifft. Während
der eine Schattenwurf aus dem Fehlen des Lichts erwächst, so
geht er im anderen Fall auf das projizierte Licht eines Videoprojektors
zurück.
"Ich bin ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar."
Mephistopheles in Goethes Faust
Nan Hoover Biographie :
Nan Hoover wurde 1931 in New York geboren und studierte von 1950
bis 1955 Malerei an der Corcoran Gallery Art School in Washington.
1969 übersiedelte sie nach Amsterdam. Ihre Aktionen, Performances,
Zeichnungen, Gemälde und Videoarbeiten wurden in vielen Museen
oder Ausstellungen und auf Festivals in Europa und in den USA präsentiert.
Darunter waren Einzelausstellungen im Stedelijk Museum Amsterdam,
in der Neuen Pinakothek München, im Kunsthaus Zürich,
im Long Beach Museum of Art Los Angeles, im Museum of Modern Art
New York und The Tate Gallery London. Sie war Teilnehmerin der documenta
7 und der documenta 8 und hat derzeit eine Professur für Video
und Film an der Kunstakademie in Düsseldorf.
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Kurator
Axel Wirths |
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