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AUSSTELLUNGEN
   

Marcel Odenbach
Tabakkollegium oder mir brennt es unter den Füßen

2.12.1994 bis 19.2.1995

Bereits in den 70er Jahren hat Marcel Odenbach das Rauchen als Aussageform der Langeweile thematisiert und sich mit reinem Zeitvertreib und Nervosität auseinandergesetzt. In dieser Zeit entstanden verschiedene Zeichnungen und Videos über den Blauen Dunst der Zigarette. Die an diese Arbeiten anknüpfende Installation ist zu gleich Auseinandersetzung mit seiner eigenen Jugend und ironische Anspielung auf das Revival der 70er Jahre in Mode, Musik und junger Kunst.

Für Odenbach ist das Zigarettenrauchen bestimmend für den gesamten Tagesablauf. "Wann kann ich wieder rauchen ? Habe ich genug Zigaretten für den Morgen?" sind Standortbestimmungen und Selbstdefinitionen, die in ständigem Widerspruch zu der Überlegung : "Eigentlich sollte ich aufhören zu rauchen." stehen.

Als reine Männersache gepflegt, war das Rauchen zu Beginn etwas Kommunikatives und Entspannendes, ein Genußmittel, das man in gepflegter Atmosphäre, im Herren- bzw. Raucherzimmer konsumierte. Galt das Rauchen in den 60er und 70er Jahren noch als Symbol der Intellektuellen, steht dem das heutige Raucherverhalten, gekennzeichnet durch Nervosität, Hektik oder Langeweile und Verlegenheit gegenüber.

Rauchen hat das Image von etwas Neurotischem erlangt. Vor wichtigen Entscheidungen raucht man und danach raucht man erst recht. Rauchen überbrückt Unentschiedenheiten und vieles löst sich in Rauch auf.

Die beiden sich gegenüberliegenden Doppelprojektionen der Installation beziehen sich aufeinander, stellen aber zugleich Gegensätze dar. So ensteht eine Konfrontation zweier Kulturen, ein Gegensatz von Establishment und Underground, jung und alt, politisch und unpolitisch, sich abwechselnde Generationen mit einem anderen Bewußtsein.

Der rauchende Mund des Künstlers und ein seitlich darunter projeziertes zweites Bild eines Tisches mit Rauchutensilien und vollem Aschenbecher bildet die eine Seite, überdimensionale Augen und Aufnahmen aus Vergnügungstempeln in Berlin und New York die andere Seite. Der Gegensatz setzt sich in verschiedenen Einblendungen auf der jeweiligen Seite fort. Bilder der Bücherverbrennung des 3. Reiches, gewalttätige Demonstrationen der 60er Jahre, ausländerfeindliche Ausschreitungen in Rostock und Hoyerswerda oder Selbstverbrennungen von Kurden bilden einen makabren Kontrapunkt zu Sprachlosigkeit, Langeweile und Verharmlosung politischer Tendenzen.

Marcel Odenbach setzt die Erfahrungen seiner eigenen Jugend der heutigen entgegen und sucht nach Möglichkeiten der Kommunikation und Solidarität. Auch wenn diese Kommunikation nur im nonverbalen Vergnügen zu liegen scheint, so ist sie doch der gemeinsame Nenner gegen diskriminierende faschistoide Tendenzen unserer Gesellschaft.

"Mit meiner verbrannten Hand schreibe ich von der Natur des Feuers." Ingeborg Bachmann.

"Auch Gedanken könnnen Verbrennungen hervorrufen." Marcel Odenbach, 1975.


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