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Mit Claes Oldenburg: Eine Anthologie setzt die Kunst- und
Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ihre Reihe monographischer
Ausstellungen fort, die bedeutende Künstlerpersönlichkeiten des
20. Jahrhunderts vorstellt. Bonn ist die erste europäische Station
dieser internationalen Tournee. Die Ausstellung wurde in der National
Gallery in Washington, D.C., eröffnet und zuletzt im Solomon R.
Guggenheim Museum, New York, gezeigt. Sie ist die erste umfangreiche
Werkschau des Künstlers Claes Oldenburg seit 1969 und umfaßt die
wichtigsten Skulpturen, Zeichnungen und Collagen von 1958 bis heute.
Kurator der Ausstellung ist Germano Celant, Kustos für zeitgenössische
Kunst am Solomon R. Guggenheim Museum. Die Inszenierung in Bonn
erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Claes Oldenburg und Coosje
van Bruggen.
Die Ausstellung dokumentiert die Laufbahn dieses vielseitigen und
außergewöhnlich produktiven Künstlers, der Anfang der sechziger
Jahre als eine Schlüsselfigur der Pop-Art bekannt wurde. Seit jener
Zeit verwandelt Oldenburg alltägliche Gegenstände in geheimnisvolle
und sinnliche Kunstwerke. Harte Formen werden weich, kleine Gegenstände
riesig. Oldenburg weigert sich, die Natur der Dinge als statisch
zu akzeptieren, als unveränderlich oder offensichtlich. Dadurch
bringt er uns dazu, unsere Wahrnehmung von der Welt zu hinterfragen.
Besondere Höhepunkte der Installation sind das Mouse Museum /
Ray Gun Wing, 1977 und Houseball, von 1996, die jüngste
Monumentalskulptur, die der Künstler in Zusammenarbeit mit seiner
Frau, der Autorin Coosje van Bruggen, geschaffen hat. Mouse Museum
/ Rqy Gun Wing datiert von 1977 und wurde konzipiert als Aufbewahrungsort
für die umfangreiche Sammlung des Künstlers von kleinen Objekten.
Es stellt eine der ersten gemeinsamen Arbeiten des Künstlers und
Coosje van Bruggens dar. Eigens für diese Ausstellungsstation wurde
das Werk restauriert und ist nun seit mehreren Jahren erstmals wieder
zu besichtigen.
Zu sehen sind Objekte aus Oldenburg's erster Installation The
Street von 1960, die aus einfachen Materialien wie Karton und
Sackleinen hergestellt sind. Ebenso Objekte aus The Store, einer
Installation, die er ein Jahr später verwirklicht hat. Die buntbemalten
Gipsskulpturen von Nahrungsmitteln, Kleidung und Haushaltswaren
sind Oldenburg's künstlerische Aneignung der Warenwelt, wie sie
sich ihm in den Schaufenstern in der Nähe seines Ateliers in der
Lower East Side, New York, darbot.
Gleichfalls aus den sechziger Jahren stammen die weichen und harten,
großen und kleinen Versionen von Alltagsgegenständen, wie das Soft
Pay-Telephone aus Vinyl von 1963 und der aus bemalter Leinwand
hergestellte Giant Loaf of Raisin Bread, Sliced von 1966-67.
Seine weichen Skulpturen - rundlich, schlaff, manchmal eingeknickt
- erinnern an organische, häufig auch anthropomorphe Formen und
wecken durchaus auch erotische Assoziationen. Modelle und Zeichnungen
dokumentieren Oldenburg's Entwürfe für seine Monumentalskulpturen
und späteren Großprojekte, die in Zusammenarbeit mit Coosje van
Bruggen entstanden sind. Diese Skulpturen im öffentlichen Raum haben
ihn weit über die Kunstwelt hinaus bekannt gemacht. Einige von ihnen
sind in deutschen Städten realisiert worden: Spitzhacke, 1982
in Kassel zur documenta 7; Gartenschlauch, 1983 in Freiburg;
Querschnitt einer Zahnbürste mit Zahnpasta in einem Becher, auf
einem Waschbecken: Portrait von Coosjes Denken, 1983, Krefeld;
Balancierende Werkzeuge, 1984, Weil am Rhein und Umgekehrter
Kragen und Krawatte, 1994, Frankfurt. Die Präsentation in der
Kunst- und Ausstellungshalle erstreckt sich auf den Vorplatz, das
Foyer, die Große Halle, sowie die Süd- und Ostgalerie.Das wohl spektakulärste
Exponat der Ausstellung ist Houseball auf dem Vorplatz. In
der Form eines gigantischen Bündels von Haushaltsobjekten in leuchtend-farbige
Teppiche gehüllt, ist Houseball eine im Durchmesser bis zu
9,70 m große Außenskulptur, die sich auf Il Corso del Coltello
(The Course of the Knife) bezieht, eine Performance, an der
Claes Oldenburg, Coosje van Bruggen und Frank O. Gehry 198S in Vendig
zusammen gearbeitet haben. Das Werk wird in Bonn erstmals öffentlich
ausgestellt. Sein Transport war selbst ein Unternehmen beträchtlichen
Ausmaßes. Die komplett aus Fiberglas gefertigte Plastik, die 9,2
t wiegt, wurde in Petaluma, Kalifornien, hergestellt. Von Oakland
aus wurde sie durch den Panamakanal zunächst nach Antwerpen verschifft,
dort auf ein Binnenschiff umgeladen und schließlich am Rhein in
Bonn angelandet. Den Weg von dort bis vor die Kunsthalle hat sie
teils per Kran, teils per Schwertransporter zurückgelegt. Das Werk
wird uns für die Zeit der Ausstellung von einem amerikanischen Privatsammler
zur Verfügung gestellt, der sie anschließend als Dauerleihgabe in
Jerusalem aufstellen läßt.
In der Großen Halle, die nicht durch Trennwände unterteilt wurde,
sind Zonen für unterschiedliche Werkkomplexe geschaffen worden.
Zu nennen sind hier die Werke aus der Coltello Performance von 1985,
die Soft Sculptures, insbesondere die Serie der Musikinstrumente,
und das Mouse Museum /Ray Gun Wing.
Die Werkauswahl, die in den Seitengalerien gezeigt wird, folgt einer
chronologischen Ordnung. Hier befinden sich Frühwerke aus den Projekten
Street und Store, die Rauminstallation Bedroom
und schließlich Entwürfe für die Large Scale Projects. Von
Beginn an war Oldenburg's Kunst an bestimmte Orte gebunden, die
häufig für Performances geschaffen wurden. Diese Installationen
und Theateraktionen sind in der Ausstellung durch Zeichnungen, Filme,
Requisiten und Kostüme vertreten. Am Schnittpunkt der Seitengalerien
befindet sich ein Videoraum, in dem Aufzeichnungen verschiedener
Performances des Künstlers zu sehen sind.
Anläßlich der Ausstellung hat Southbank Film, London, unter
der Regie von Ultan Guilfoyle ein 45-minütiges Filmportrait des
Künstler gedreht, das Wibke von Bonin für den WDR in eine deutsche
Fassung gebracht hat. Vorbehaltlich der Zustimmung der Rechteinhaber
soll der Film während der Ausstellung regelmäßig gezeigt werden.
Claes Oldenburg wurde am 28. Januar 1929 in Stockholm geboren. 1936
siedelte seine Familie nach Chicago um, wo sein Vater eine Stelle
als Generalkonsul antrat. Oldenburg studierte an der Yale University
Englisch und Kunst und kehrte anschließend wieder nach Chicago zurück,
wo er für City News als Reporter tätig war und gelegentlich
am Art Institute of Chicago studierte.
1956 zog Oldenburg nach New York um, wo er bis heute lebt. Seine
erste Einzelausstellung hatte er 1959 in der Judson Gallery. Seine
weichen Skulpturen wurden erstmals in einer Ausstellung in der Green
Gallery im Jahre 1962 gezeigt. 1965 arbeitete Oldenburg an seinen
ersten Entwürfe für Großskulpturen. Die Zusammenarbeit mit Coosje
van Bruggen begann 1976. Seither wurden 27 Großprojekte in verschiedenen
Städten verwirklicht, unter anderem in Los Angeles, Paris und Barcelona.
Claes Oldenburg: Eine Anthologie entstand auf Initiative
der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
und dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Sie wurde von der
National Gallery of Art, Washington, D.C. und dem Solomon R. Guggenheim
Museum, New York organisiert und wird in Zusammenarbeit mit dem
Museum of Contemporary Art, Los Angeles, der Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, und der Hayward Gallery, London,
präsentiert. |
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Ausstellungskurator
Germano Celant
Projektleiterin
Madeline Ferretti |
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