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  CLAES OLDENBURG - EINE ANTHOLOGIE

Claes Oldenburg: Eine Anthologie
23. Februar 1996 - 12. Mai 1996

   

Mit Claes Oldenburg: Eine Anthologie setzt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ihre Reihe monographischer Ausstellungen fort, die bedeutende Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts vorstellt. Bonn ist die erste europäische Station dieser internationalen Tournee. Die Ausstellung wurde in der National Gallery in Washington, D.C., eröffnet und zuletzt im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, gezeigt. Sie ist die erste umfangreiche Werkschau des Künstlers Claes Oldenburg seit 1969 und umfaßt die wichtigsten Skulpturen, Zeichnungen und Collagen von 1958 bis heute. Kurator der Ausstellung ist Germano Celant, Kustos für zeitgenössische Kunst am Solomon R. Guggenheim Museum. Die Inszenierung in Bonn erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen.

Die Ausstellung dokumentiert die Laufbahn dieses vielseitigen und außergewöhnlich produktiven Künstlers, der Anfang der sechziger Jahre als eine Schlüsselfigur der Pop-Art bekannt wurde. Seit jener Zeit verwandelt Oldenburg alltägliche Gegenstände in geheimnisvolle und sinnliche Kunstwerke. Harte Formen werden weich, kleine Gegenstände riesig. Oldenburg weigert sich, die Natur der Dinge als statisch zu akzeptieren, als unveränderlich oder offensichtlich. Dadurch bringt er uns dazu, unsere Wahrnehmung von der Welt zu hinterfragen.

Besondere Höhepunkte der Installation sind das Mouse Museum / Ray Gun Wing, 1977 und Houseball, von 1996, die jüngste Monumentalskulptur, die der Künstler in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Autorin Coosje van Bruggen, geschaffen hat. Mouse Museum / Rqy Gun Wing datiert von 1977 und wurde konzipiert als Aufbewahrungsort für die umfangreiche Sammlung des Künstlers von kleinen Objekten. Es stellt eine der ersten gemeinsamen Arbeiten des Künstlers und Coosje van Bruggens dar. Eigens für diese Ausstellungsstation wurde das Werk restauriert und ist nun seit mehreren Jahren erstmals wieder zu besichtigen.

Zu sehen sind Objekte aus Oldenburg's erster Installation The Street von 1960, die aus einfachen Materialien wie Karton und Sackleinen hergestellt sind. Ebenso Objekte aus The Store, einer Installation, die er ein Jahr später verwirklicht hat. Die buntbemalten Gipsskulpturen von Nahrungsmitteln, Kleidung und Haushaltswaren sind Oldenburg's künstlerische Aneignung der Warenwelt, wie sie sich ihm in den Schaufenstern in der Nähe seines Ateliers in der Lower East Side, New York, darbot.

Gleichfalls aus den sechziger Jahren stammen die weichen und harten, großen und kleinen Versionen von Alltagsgegenständen, wie das Soft Pay-Telephone aus Vinyl von 1963 und der aus bemalter Leinwand hergestellte Giant Loaf of Raisin Bread, Sliced von 1966-67. Seine weichen Skulpturen - rundlich, schlaff, manchmal eingeknickt - erinnern an organische, häufig auch anthropomorphe Formen und wecken durchaus auch erotische Assoziationen. Modelle und Zeichnungen dokumentieren Oldenburg's Entwürfe für seine Monumentalskulpturen und späteren Großprojekte, die in Zusammenarbeit mit Coosje van Bruggen entstanden sind. Diese Skulpturen im öffentlichen Raum haben ihn weit über die Kunstwelt hinaus bekannt gemacht. Einige von ihnen sind in deutschen Städten realisiert worden: Spitzhacke, 1982 in Kassel zur documenta 7; Gartenschlauch, 1983 in Freiburg; Querschnitt einer Zahnbürste mit Zahnpasta in einem Becher, auf einem Waschbecken: Portrait von Coosjes Denken, 1983, Krefeld; Balancierende Werkzeuge, 1984, Weil am Rhein und Umgekehrter Kragen und Krawatte, 1994, Frankfurt. Die Präsentation in der Kunst- und Ausstellungshalle erstreckt sich auf den Vorplatz, das Foyer, die Große Halle, sowie die Süd- und Ostgalerie.Das wohl spektakulärste Exponat der Ausstellung ist Houseball auf dem Vorplatz. In der Form eines gigantischen Bündels von Haushaltsobjekten in leuchtend-farbige Teppiche gehüllt, ist Houseball eine im Durchmesser bis zu 9,70 m große Außenskulptur, die sich auf Il Corso del Coltello (The Course of the Knife) bezieht, eine Performance, an der Claes Oldenburg, Coosje van Bruggen und Frank O. Gehry 198S in Vendig zusammen gearbeitet haben. Das Werk wird in Bonn erstmals öffentlich ausgestellt. Sein Transport war selbst ein Unternehmen beträchtlichen Ausmaßes. Die komplett aus Fiberglas gefertigte Plastik, die 9,2 t wiegt, wurde in Petaluma, Kalifornien, hergestellt. Von Oakland aus wurde sie durch den Panamakanal zunächst nach Antwerpen verschifft, dort auf ein Binnenschiff umgeladen und schließlich am Rhein in Bonn angelandet. Den Weg von dort bis vor die Kunsthalle hat sie teils per Kran, teils per Schwertransporter zurückgelegt. Das Werk wird uns für die Zeit der Ausstellung von einem amerikanischen Privatsammler zur Verfügung gestellt, der sie anschließend als Dauerleihgabe in Jerusalem aufstellen läßt.

In der Großen Halle, die nicht durch Trennwände unterteilt wurde, sind Zonen für unterschiedliche Werkkomplexe geschaffen worden. Zu nennen sind hier die Werke aus der Coltello Performance von 1985, die Soft Sculptures, insbesondere die Serie der Musikinstrumente, und das Mouse Museum /Ray Gun Wing.

Die Werkauswahl, die in den Seitengalerien gezeigt wird, folgt einer chronologischen Ordnung. Hier befinden sich Frühwerke aus den Projekten Street und Store, die Rauminstallation Bedroom und schließlich Entwürfe für die Large Scale Projects. Von Beginn an war Oldenburg's Kunst an bestimmte Orte gebunden, die häufig für Performances geschaffen wurden. Diese Installationen und Theateraktionen sind in der Ausstellung durch Zeichnungen, Filme, Requisiten und Kostüme vertreten. Am Schnittpunkt der Seitengalerien befindet sich ein Videoraum, in dem Aufzeichnungen verschiedener Performances des Künstlers zu sehen sind.

Anläßlich der Ausstellung hat Southbank Film, London, unter der Regie von Ultan Guilfoyle ein 45-minütiges Filmportrait des Künstler gedreht, das Wibke von Bonin für den WDR in eine deutsche Fassung gebracht hat. Vorbehaltlich der Zustimmung der Rechteinhaber soll der Film während der Ausstellung regelmäßig gezeigt werden.

Claes Oldenburg wurde am 28. Januar 1929 in Stockholm geboren. 1936 siedelte seine Familie nach Chicago um, wo sein Vater eine Stelle als Generalkonsul antrat. Oldenburg studierte an der Yale University Englisch und Kunst und kehrte anschließend wieder nach Chicago zurück, wo er für City News als Reporter tätig war und gelegentlich am Art Institute of Chicago studierte.

1956 zog Oldenburg nach New York um, wo er bis heute lebt. Seine erste Einzelausstellung hatte er 1959 in der Judson Gallery. Seine weichen Skulpturen wurden erstmals in einer Ausstellung in der Green Gallery im Jahre 1962 gezeigt. 1965 arbeitete Oldenburg an seinen ersten Entwürfe für Großskulpturen. Die Zusammenarbeit mit Coosje van Bruggen begann 1976. Seither wurden 27 Großprojekte in verschiedenen Städten verwirklicht, unter anderem in Los Angeles, Paris und Barcelona.

Claes Oldenburg: Eine Anthologie entstand auf Initiative der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland und dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Sie wurde von der National Gallery of Art, Washington, D.C. und dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York organisiert und wird in Zusammenarbeit mit dem Museum of Contemporary Art, Los Angeles, der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, und der Hayward Gallery, London, präsentiert.

  Ausstellungskurator
Germano Celant
Projektleiterin
Madeline Ferretti

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