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Michael Petry
The Chemistry of Love (Die Chemie der Liebe)
21. Januar bist 20. Februar 1994



Chemistry of Love erforscht die Gemeinsamkeiten und Widersprüche zwischen der chemischen Zusammensetzung des menschlichen Körpers und der „Chemie" der zwischen­menschlichen Beziehungen.

In Chemistry of Love kommen eine Reihe von Fachleuten zu Wort, die den Unterschied zwischen den physischen und emotionalen Eigenschaften einer idealen Beziehung be­schreiben. Diese Erklärungen werden durch wissenschaft­liche Ausführungen Michael Petrys über die Chemie des Kör­pers unterbrochen. Die in deutsch und englisch gehaltenen Interviews sind auf elf Video-Monitoren zu sehen, die in eine größere Rauminstallation integriert sind. Michael Petry versteht diese Installation als Metapher des menschlichen Körpers. Sie besteht aus 121 Laborglas­behältern unterschiedlicher Größe, die in elf Reihen zu je elf Gefäßen von der Decke hängen. Jeder Tubus enthält eines der elf wichtigsten chemischen Elemente, aus denen sich der menschliche Körper zusammensetzt.

Der Versuch einer totalen Analyse des menschlichen Seins konkurriert mit der sinnlichen Erfahrung, die sich stets verän­dert und nicht zu definieren ist. Aus dieser Spannung ent­steht eine Instabilität der Welt, die immer neuer Kombina­tionen und deren Auflösung bedarf. Nichts bleibt, wie es ist.


Über die Chemie des Körpers

Die meisten Menschen sind sich bewußt, daß der größte Teil des menschlichen Körpers aus Wasser besteht. Alles in allem jedoch bildet eine Summe von zehn Elementen 99,99% des Körpergewichts.

Sauerstoff (0) bildet 65% des Körpers, und die erste Reihe der Installation stellt Laborkolben zur Schau, dessen Volumen mit 65% Sauerstoff gefüllt ist.

Kohlenstoff (C) macht 18% des Körpergewicht aus, und in der zweiten Reihe sind 18% des Volumens der Kolben damit gefüllt. Die Atome des Kohlenstoffs binden sich aneinander, um einen Zusammenhalt zu formen, der allgemein bei lebenden Organismen vorzufinden ist. Kohlenstoff bindet sich bevorzugt mit vier anderen Elementen: Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und mit sich selbst.

Wasserstoff (H) ist ein Gas, das 10% des Körpergewichts ausmacht, und die dritte Reihe beinhaltet Wasserstoff, das 10% des Behältervolumens füllt. Wasserstoff ist das leichteste aller Elemente, und deshalb wurde ihm die atomare und periodische Tabellennummer 1 gegeben, um dieses anzuzeigen.

Stickstoff (N) ist ein Gas, das 3% des Körpergewichts bildet und 4/5 der Luft, die wir atmen. Die vierte Reihe Glastuben faßt 3% Stickstoff pro Behältervolumen. Kalzium (Ca) wird hauptsächlich in den Knochen des Skeletts gefunden und macht 2% des Körpergewichts aus. 2% der schwebenden Kolben der fünften Reihe sind damit gefüllt.

Phosphor (P) hat 1,1% Anteil am Körpergewicht und als Isoliertes Element ist es eine wachsige, giftige und brennbare Substanz, die in der Dunkelheit leuchtet und in der sechsten Reihe 1,1% des Volumens der Behälter füllt. Kalium (K) ist ein alkalisches metallisches Element, das 0,35% des Körpergewichts und den Inhalt der siebten Reihe ausmacht.

Schwefel (S) formt 0,25% des Körpergewichts und ist in der Natur ein gelbes, nichtmetallisches und unbrennbares Mate­rial. Die achte Reihe beinhaltet 0,25% Schwefel pro Behältervolumen.

Natrium (Na) ist ein bläuliches alkalisches Metall, das eines der Grundelemente des Speisesalzes ist. Natrium füllt 0,15% des Volumens der Kolben der neunten Reihe und den gleichen Prozentsatz des Körpers. Chlor (CI) bildet ebenfalls 0,15% des Körpers und kann zu dem gleichen Prozentsatz in der zehnten Reihe in den versiegelten und reflektierenden Kolben wiedergefunden werden.

Eine schnelle Addition der oben genannten Elemente ergibt 100% des Körpergewichts. Es werden jedoch Spurenelemente in so kleinem Prozentsatz gefunden, daß sie statistisch nicht von Belang sind, aber hätten wir sie nicht im Körper, könnten wir nicht nur nicht funktionieren, sondern würden sterben. Einige der wichtigsten Spurenelemente sind Magnesium, Eisen, Jod, Kupfer und Zink. Die elfte Reihe beinhaltet entsprechend geringe Mengen der Spurenelemente, wie sie in einem menschlichen Körper mit durchschnitt­lichem Gewicht gefunden werden kann.

Michael Petry
Michael Petry wurde 1960 in EI Paso, Texas, geboren.
Er studierte Mathematik und Bildende Kunst an der Rice University in Houston und zog 1981 nach London, wo er lebt und arbeitet. Seitdem hat Michael Petry eine Reihe von grossen Installationsprojekten, Ausstellungen und Performances realisiert. 1982 gründete er in London die Media Arts Group, einen losen Zusammenschluß von Künst­lern aus den Bereichen Performance und Bildende Kunst. Zusammen mit Nicolas de Oliveira und Nicola Oxley gründete er 1990 das Museum of Installation in London. 1994 er­scheint als gemeinsame Veröffentlichung Installation Art.



  Ausstellungskurator
Axel Wirths
Video und deutsche Übersetzung von Juliane Jung Musik von Gavin Greenaway und John Powell Glastuben von Pyrex


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