Pantheon
der Photographie im XX. Jahrhundert
19. Juni 1992 - 20. September 1992
Mit Eugene Atget beginnt die Geschichte der modernen Photographie.
Eine der vielen Paradoxien, von denen die Photographie geradezu geprägt
zu sein scheint. Obwohl Atget seiner Zeit skeptisch gegenüber
stand, bediente er sich in seiner photographischen Arbeit einer Methode,
die auch in der zeitgenössischen Kunst ihr Echospiel hatte: der
systematischen Darstellung sowie des seriellen Prinzips. Hilla und
Bernd Becher sind unbeschadet ihrer ganz anderen Einstellung angesichts
der Welt in ihrer photographischen Vorgehensweise Verwandte im Geiste
Atgets. Die Ausstellung Pantheon der Photographie im 20. Jahrhundert
versammelt - in chronologischer Hinsicht - von Atget bis Bechers -
30 Photographinnen und Photographen aus Europa und den Vereinigten
Staaten von Amerika, aus der westlichen und der östlichen Hemisphäre.
Photographen, denen eines gemeinsam ist, daß sie mit ihren Aufnahmen
dem Bild der empirischen Wirklichkeit den Stempel ihrer subjektiven
Sicht aufgedrückt haben. Die Welt ist nicht so, wie sie scheinbar
ist, sondern so, wie sie in ihren Bildern aufscheint Die meisten der
30 Photographinnen und Photographen des Pantheons auf Zeit haben darüber
hinaus die Ästhetik der Photographie entscheidend beeinflußt,
haben durch ihre Bilder die "Sprache" der Photographie erneuert und
ihre Flexibilität als zeitgenössische künstlerische
Ausdrucksform unaufhörlich erwiesen. Dabei haben sich manche
gar nicht als Künstler begriffen, waren oder sind leidenschaftliche
Photoreporter, doch die meisten hat ein künstlerisches Ethos
beflügelt, und der eine oder andere sich häufig die Frage
gestellt, weshalb die Photographie immer noch unter dem Druck steht,
sich als ernsthafte Kunst legitimieren zu müssen.
Pantheon der Photographie im 20. Jahrhundert stellt sich diesem Problem,
nicht zuletzt durch den unmittelbaren Vergleich mit der Parade der
zeitgenössischen Kunstwerke in der Ausstellung Territorium Artis.
Die Ausstellung zeigt nur Autorenphotographien und präsentiert
fast ausschließlich Bilder, deren Abzug in unmittelbarer zeitlicher
Nähe zur Aufnahme angefertigt wurde, sogenannte Vintage-Prints,
und natürlich nur photographische Bilder, deren Abzüge von
den Autoren ausdrücklich autorisiert worden sind. Von jedem Photographen
wurden vier Schwarzweiß-Aufnahmen ausgewählt.
Der zeitliche Schwerpunkt der Ausstellung Pantheon der Photographie
im 20. Jahrhundert liegt jeweils in den Jahren nach dem Ende der beiden
Weltkriege. Und dies ist kein Zufall, denn jedesmal war die Photographie
ein feinfühliger Seismograph für die nachhaltigen Erschütterungen
im kollektiven Weltverständnis.
In Deutschland und der Sowjetunion, später dann in den Vereinigten
Staaten von Amerika, waren die erfindungsreichsten photographischen
Künstler am Werke. Pantheon der Photographie im 20. Jahrhundert
ist darüber hinaus auch eine europäische Ausstellung, und
die europäische Perspektive unter besonderer Betonung der deutschen
eine bewußt programmatische Entscheidung. Von hier aus kamen
die entscheidenden Impulse. In den USA wurden sie aufgegriffen und
vollendet
Pantheon der Photographie im 20. Jahrhundert zeigt Werke von Diane
Arbus, Eugène Atget, Richard Avedon, Bernd und Hilla Becher,
Karl Bloßfeldt, Erwin Blumenfeld, Margaret Bourke-White, Brassai,
Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Jewgenij Ananjewitsch Chaldej,
Alfred Eisenstaedt Walker Evans, Robert Frank, André Kertèsz,
Dorothea Lange, Man Ray, László Moholy-Nagy, Martin
Munkacsi, Hebnut Newton, Paul Outerbridge, Irving Penn, Albert Renger-Patzsch,
Alexander Rodtschenko, Erich Salomon, August Sander, William Eugene
Smith, Paul Strand, Weegee und Edward Westen.
Klaus Honnef, geboren 1939 in Tilsit, studierte Geschichte, Theaterwissenschaften
und Soziologie in Köln. 1960-1965 freier Journalist 1965-1970
Ressortchef für Kultur bei den Aachener Nachrichten, 1968-1970
zugleich Leiter des Zentrums für aktuelle Kunst 'Gegenverkehr1
in Aachen. 1970-1974 Geschäftsführer des Westfälischen
Kunstvereins zu Münster. Seit 1974 Abteilungsleiter für
wechselnde Ausstellungen am Rheinischen Landesmuseum Bonn. Seit 1979
Professor für Theorie der Fotografie an der Gesamthochschule/Univ.
Kassel, seit 1980 Lehraufträge an der Fachhochschule Köln
und an der Universität Trier. 1988 Ernennung zum Chevalier de
l'ordre des arts et des lettres. Seit 1990 Sekretär der Deutschen
Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) und Mitglied
der Photographischen Akademie. |
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Ausstellungskurator
Klaus Honnef
Projektleiterin
Gabriele Honnef-Harling
Assistenz
Madeline Ferretti |
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