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AUSSTELLUNGEN
  SARKIS "26.9.19380"

Sarkis »26.9.19380«
29. September 1995 bis 7. Januar 1996

Sarkis wurde am 26. September 1938 in Istanbul geboren und arbeitet seit 1964 in Paris. Der Titel, den er der Ausstellung gab, umspannt sein Geburtsdatum mit dem 20. Jahrtausend und spricht damit einen der wesentlichen Punkte seines Werkes an: der Bildung von Wissen und Gedächtnis nicht nur innerhalb der Lebenszeit, sondern in der Geschichte, der Bildung eines Reservoirs, eines Schatzes, den jeder Neugeborene in sich weiterträgt und weiterbildet.

Er selbst schätzt nicht die "Erklärungen" seiner Einrichtungen - vielmehr wünscht er sich beim Besucher ein Erlebnis, das mit dem Hören einer Musik vergleichbar wäre. Trotzdem seien hier vorsichtig einige Hinweise erlaubt, die das "Hören" der Ausstellung vereinfachen mögen.

Diese Ausstellung ist speziell für die Kunst- und Ausstellungshalle konzipiert und stellt damit erstmalig einem einzelnen Künstler die Haupträume des Hauses (Große Halle, Südgalerie und Ostgalerie = ca. 2000 qm) zur eigenen Gestaltung zur Verfugung. Sie besteht, und dies ist ein "Markenzeichen" von Sarkis, aus Konstellationen früherer Einrichtungen in Kombination mit ganz neuen, auf den Ausstellungsort in Bonn bezogenen Entwürfen. Sarkis sprach bei der Vorbereitung viel davon, daß die Ausstellung als "Stadt" zu verstehen sei: Wohnen und Erleben, Historie und Gegenwart, Licht und Farbe, Liebe und Gewalt, Aufbau und Zerstörung sind die widersprüchlichen Elemente dieses Ortes. Gegensätzliche Kulturen aus verschiedenen Zeiten treffen sich auf der Bühne dieser Stadt, die nicht als passiver Moloch aufzufassen ist, sondern als lebendiger Organismus permanent neue Sinnzusammenhänge schafft. Raum, Zeit und Verwandlung sind die zentralen Säulen, auf denen Sarkis sein Schauspiel inszeniert:

Raum, der sich wesentlich durch Bühne, Skulptur und Lichtführung definiert, Zeit, die durch Antiquitäten, bespielte Tonbänder oder Bewegungen präsent ist, Verwandlung, die sich durch Schauspiel und Feuer manifestiert.

Eine wichtige Linie der Dramaturgie folgt der des Erscheinens und Versteckens. Sie zeigt sich anschaulich im Motiv des Teppichs oder der Decke (Deckung), der sich Sarkis' Gedächtnis nicht nur als heimatlicher Kulturträger, sondern auch als Verdunkelungsmittel der Istanbuler Bevölkerung in Krisenzeiten eingeprägt hat. Dem Spiel von Erscheinen und Verstecken entspricht das Spiel von Innen und Außen, Hell und Dunkel. Man versetze sich ins Innere einer Kamera während der sekundenschnellen Blendenöffnung: Der Aktionsablauf des gebündelten Blitzes einer Außenwelt in eine schwarze Kammer wird für den Leica-Sammler Sarkis bereits zum ästhetischen Prozeß. Sarkis versucht uns in dieses Geheimnis des blitzartigen Moments einzuführen, indem er ihn aus verschiedenen Blickrichtungen und in verschiedenen Maßstäben zeigt. Aus diesem Spiel und Gegenspiel erwächst die Spannung der Ausstellung und ihres begleitenden Programms.
  Projektleiter
Elvan Zabunyan
Stephan Andreae


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