Sehsucht
Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts
28. Mai - 10. Oktober 1993
Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland zeigt
vom 28. Mai bis zum 10. Oktober 1993 die Ausstellung "Sehsucht.
Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts".
Die Konzeption unseres Hauses sieht eine thematische Vielfalt im Ausstellungs-
und Veranstaltungsprogramm vor. Es umfaßt die Bereiche der Kunst-
und Kulturgeschichte, aber auch Themen aus Wissenschaft und Technik.
Der Schwerpunkt der bisherigen Ausstellungstätigkeit lag auf
der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. In diesem Sommerhalbjahr,
ein Jahr nach der Eröffnung, widmen wir uns erstmals einem Thema
aus dem 19. mit Perspektiven ins 20. Jahrhundert. Kulturgeschichte
als "Reise mit den Augen" wird hier dargestellt.
Die Kuratorin Marie-Louise von Plessen hat sich in den letzten Jahren
durch Ausstellungen über Bismarck, Mozart und die Elbe einen
Namen gemacht hat. Sie greift mit dieser Ausstellung über die
Panoramen ein Phänomen der Popularkultur auf, das in unseren
Tagen schon beinahe in Vergessenheit geraten ist, nachdem es von anderen
Medien der Massenunterhaltung wie dem Kino und dem Fernsehen abgelöst
worden ist.
Die Ausstellung "Sehsucht" basiert auf einer gründlichen
wissenschaftlichen Erarbeitung der Geschichte des Panoramas, die im
Katalog ihren Niederschlag findet Zahlreiche internationale Fachleute
und Panoramaforscher haben an dieser Publikation und an der Ausstellung
mitgewirkt so vor allem der Medienforscher und Ausstellungsmacher
Ulrich Giersch, Berlin, der Kulturforscher Stephan Oettermann, Marburg,
Ralph Hyde, London, Frangois Robichon, Paris, Bruno Weber, Zürich
und Isabelle Leroy, Brüssel. Das Thema wurde in der Form bislang
noch nicht behandelt Nicht zuletzt deshalb weckte das Projekt bei
vielen Leihgebern starkes Interesse. Für die großzügige
Unterstützung und Leihbereitschaft möchten wir uns besonders
bei der Staatlichen Eremitage, Sankt Petersburg, und bei den Graphiksammlungen
der bedeutenden europäischen Museen bedanken. Zahlreiche Werke
wurden für diese Ausstellung mit Hilfe der Kunst- und Ausstellungshalle
restauriert. So konnten beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.
Die Panoramen als Perspektivtechnik mit geschlossenem Horizont in
Monumentalformaten zu präsentieren, erfordert dem Thema entsprechend
Augenmaß und Maßstabstreue. Diese Proportionen in den
Ausstellungsräumen eingerichtet zu haben, sowohl nach der Höhe
wie nach der Länge, ist dem Architekten und Perspektivkünstler
Yadegar Asisi, Berlin, zu danken, dessen Entwürfe das Berliner
Architekturbüro Christian Axt umgesetzt hat. Der Multivisionsfachmann
Jürgen Krebs, Berlin, hat nach originalen Bildvorlagen verschiedenster
Provenienz Projektionen und Animationen geschaffen, die uns vor Augen
fuhren, wie stark der Eindruck von bewegten Bildern auf die Menschen
des 19. Jahrhunderts gewirkt haben muß. Das Grundprinzip der
Architektur und des Lichtdesigns, das von Michael Flegel, Berlin,
besorgt wurde, entspricht der Eigenheit der Panoramen: Es schafft
Räume für eigene Erlebniswelten und Illusionserfahrungen.
Ein Großteil der Einbauten ist wiederverwendbar und wird nach
Ende der Ausstellung bei anderen Projekten erneut eingesetzt.
Der Pariser Sammler und Photograph Joachim Bonnemaison hat die Sektion
"Die Sehsucht der Photographen - Perspektivische Wahrnehmung
in Raum und Zeit" in eigener Auswahl aus seinen reichen Beständen
zur Geschichte der Panoramaphotographie eingerichtet.
Ursprünglich war geplant, den historischen Bogen der Ausstellung
bis in das 20. Jahrhundert zu spannen, um die Entwicklung zu verdeutlichen,
die von den Panoramen über die Erfindung der bewegten Bilder
bis hin zu Kino, Fernsehen und Cyberspace geführt hat. Wie sich
aber bald herausstellte, hätte dieser Plan unsere Möglichkeiten
bei weitem gesprengt. Die Brücke wird nun geschlagen durch den
Kongreß "Sehsucht -Eräugras und Ent-Täuschung.
Über die Veränderung der visuellen Wahrnehmung im 20. Jahrhundert".
Er findet vom 23.9.-26.9.1993 im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle
statt und ist die zweite Veranstaltung in der Forumsreihe "Die
Zukunft der Sinne" - ein zentrales Thema, das auch unsere Ausstellungstätigkeit
durchzieht.
Zusätzlich zu dem umfangreichen Katalog gibt es einen 40seitigen
Kurzführer mit Installationsaufnahmen der Ausstellung, der von
der pädagogischen Abteilung erarbeitet wird. Von exemplarischen
Betrachterstandpunkten aus, sollen damit die neun Themengebiete der
Ausstellung dargestellt werden. Die Publikation wird etwa 14 Tage
nach Eröffnung erscheinen. Zur didaktischen Vor- und Nachbereitung
des Unterrichts an Schulen und Volkshochschulen wurde erstmals eine
Materialsammlung mit Dias, Kurzführer und Literaturliste zusammengestellt,
die auf Anfrage zugeschickt wird. |
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Kuratorin
Marie-Louise von Plessen |
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