Grahame
Weinbren
Sonata
1.3. - 12.5.1996
Grahame Weinbrens Sonata ist interaktives Kino, inszeniert in einer
Rauminstallation. Der Besucher kann den Filmablauf beeinflussen, indem
er in einen frei im Raum hängenden Rahmen greift, der ein Infrarotfeld
erzeugt und wie ein Touchscreen funktioniert.
Es gibt nur sehr wenige Künstler, welche die Technik dieser hybriden
Kunstform, die sowohl Video als auch Film einbezieht, beherrschen.
Grahame Weinbren hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre als ihr
hervorragendster Vertreter profiliert, der nicht nur virtuos mit den
obengenannten Kunstformen umzugehen versteht, sondern vor allem auch
in der Lage ist, das künstlerische Potential der neuesten Computertechnologien
einzusetzen.
Sonata ist, nach The Erl King aus dem Jahre 1986, der zweite interaktive
Film Grahame Weinbrens. Basierend auf Tolstois Kurzgeschichte "Die
Kreutzer Sonate" verbindet er in dieser Arbeit Szenen mit Elementen
der biblischen Geschichte von "Judith" zu einer labyrinthartigen,
assoziativen Verkettung von Bildfolgen und hebt dadurch die Logik
einer linearen filmischen Erzählstruktur auf. Vielmehr versucht
er, sich der Komplexität von Gedankenfolgen und Träumen
zu nähern: Der Zuschauer hat die Möglichkeit, dieselbe Szene
aus dem Blickwinkel verschiedener Charaktere zu beobachten und sich
in unterschiedliche Erzählstränge hineinzubegeben.
So entsteht eine jeweils individuelle Version des Kunstwerks ("fictional
mind"), eine individuelle "Meditation" über die
(tolstoische) Behauptung, daß Kunst und besonders Musik potentiell
Gewalt erzeugen. Diese wird durch die Geschichte von Judith, die Holofernes
zuerst verführt, um ihn dann zu enthaupten, noch um die Frage
nach der immanenten Gewalt in Beziehungen zwischen Männern und
Frauen erweitert.
Grahame Weinbren Biographie :
Grahame Weinbren wurde 1947 in Südafrika geboren. Er wuchs in
England auf, wurde dort auch ausgebildet und lebt heute in New York.
Zwischen 1970 und 1983 entstanden ca. 12 Avantgarde-Filme und -Videobänder,
einige davon in Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Roberta Friedman
und dem Komponisten und Posaunisten James Fulkerson. Seit 1981 arbeitet
er an der Entwicklung des interaktiven Kinos und seit 1986 ist er
Herausgeber des "Millenium Film Journal". Er hielt zahlreiche
Vorträge zum Thema "Interaktives Kino", war u.a. Berater
von "Microsoft Corporation" und arbeitet nach wie vor als
Filmemacher.
Sein interaktiven Filme The Erl King und Sonata wurden unter anderem
im Los Angeles Museum of Contemporary Art, auf der Whitney Biennale
und im Centre Pompidou bei den "Passages de l'image" gezeigt.
|