Das ganze Leben ist ein Spiel

Ein unverrückbarer Baustein des Mythos Bauhaus ist die Vorstellung, es habe dort eine Stimmung von tiefer, ernster Intellektualität vorgeherrscht. Die am häufigsten gezeigten Bilder vom Gebäude, von den Akteuren und ihren Entwürfen vermitteln einen monumentalen Grundton. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die dargestellten Objekte heute meist aus ihrem Kontext gerissen und als gereinigte, strahlend ausgeleuchtete und perfekt freigestellte Ikonen präsentiert werden, der Alltäglichkeit entrückt. Distanz befördert Respekt – mit der Tendenz zur Anbetung.

Im Angesicht des Erhabenen wird gefälligst nicht gelacht. Das haben wir schon von Umberto Ecos düsterem Bibliothekar Jorge von Burgos gelernt: Von der Freude über das Lächerliche bis zur Blasphemie ist es nur ein schmaler Grat. Deshalb sein Gebot: Klappe halten und Blick senken, sonst gibt’s was auf die Finger (und zwar Gift).

Doch dem Menschen ist das Spielerische zu eigen. Johan Huizinga erklärt den homo ludens als den vollständigen Menschen, der im Spiel mit anderen zu sich selbst gelangt. Das Spiel ist ein wunderbarer Teil der menschlichen Kultur, also kann und soll auch das Spielerische kultiviert werden. Solange nur die Kultur das Spiel nicht überformt und aus Spiel trauriger Ernst wird, darin liegt die Kunst.

Dieses Humane und Ganzheitliche des Spielerischen wurde auch am Bauhaus in den Blick genommen und bearbeitet. Ganz offensichtlich auf der Bühne, einem zentralen Bestandteil der pädagogischen Konzeption, um ein umfassendes ästhetisches Erlebnis für alle Sinne zu erzeugen. Das Mechanische Ballett von Kurt Schmidt sollte uns erheitern (aber dieser Humor kann oft nicht zünden, weil wir es nicht gewohnt sind, im Museum zu lachen).

Kurt Schmidt, Entwurf für das Mechanische Ballett, 1923, Deckfarben, Bleistift auf Papier, 21 × 29,7 cm, Nachlass Eckhard Neumann, Sammlung Freese

Kurt Schmidt, Entwurf für das Mechanische Ballett, 1923, Deckfarben, Bleistift auf Papier, 21 × 29,7 cm, Nachlass Eckhard Neumann, Sammlung Freese

Neues Spielen braucht auch neues Spielzeug. An Josef Hartwigs Schachspiel lässt sich ein schönes Phänomen beobachten: Die Zuweisung der Objekte zu ihren Rollen (Turm, Springer, Läufer etc.) gelingt den Spielern beim ersten Mal rasch wie bei einem kleinen gemeinsamen Rätsel, und dann sind diese Formen nicht mehr wichtig. Die Kinder und Erwachsenen versenken sich augenblicklich in ihr Spiel. Ob das Design sie zu klügeren, rationaleren Zügen befähigt? Wohl kaum. Aber das kann auch nicht der Anspruch sein: Angestrengtes Optimierungsstreben verdirbt meist die Freude am Spiel.

Josef Hartwig, Joost Schmidt (Pappschachtel): Das Bauhaus Schachspiel Modell XVI, 5,3 x 12,3 x 12,3 cm, Privatsammlung, Courtesy of Galerie Ulrich Fiedler

Josef Hartwig, Joost Schmidt (Pappschachtel): Das Bauhaus Schachspiel Modell XVI, 5,3 x 12,3 x 12,3 cm, Privatsammlung, Courtesy of Galerie Ulrich Fiedler

Alma Buscher, Entwurf für ein Schiffsbauspiel, kleine Version, 1923, Aquarell, Bleistift auf Papier, 16 × 42 cm, Klassik Stiftung Weimar, Direktion Museen, Graphische Sammlungen L 2860 a

Alma Buscher, Entwurf für ein Schiffsbauspiel, kleine Version, 1923, Aquarell, Bleistift auf Papier, 16 × 42 cm, Klassik Stiftung Weimar, Direktion Museen, Graphische Sammlungen L 2860 a

Über den Bauhaus-Meister Lyonel Feininger ergibt sich übrigens aktuell eine Querverbindung zu einer Ausstellung in der Frankfurter Schirn. Feininger entwarf nicht nur Holzspielzeug für seine Kinder. Vor seiner Bauhaus-Zeit hatte er sich in Deutschland einen Ruf als Karikaturist erarbeitet, wodurch er 1906 einen lukrativen Vertrag als Comiczeichner für die Chicago Sunday Tribune erhielt. Die beiden Serien »The Kin-der-Kids« und »Wee Willie Winkie’s World« trafen zwar nicht den Geschmack des amerikanischen Publikums und wurden nach einigen Monaten wieder eingestellt. Aber seine phantasiereichen Zeichnungen sind ein weiterer Beweis dafür, das herausragende Gestaltung keine Genregrenzen kennt. Es darf gelacht werden!

Fragen Sie mal eine Wolke!

Grauer Himmel mit schweren Regenwolken

Regenwolken ziehen heran. Foto: Stephan Andreae

Im Oktober 2017 eröffnet unsere Ausstellung Wetterbericht. Über Wetterkultur und Klimawissenschaft.  Eigentlich ist die Idee zu dieser Ausstellung schon recht alt – sie entstand bereits nach unserer Ausstellung Arktis/Antarktis im Jahr 1997/98. Anschließend drängte sich das Thema „Klima und Wetter“ förmlich auf, aber viele Hürden mussten genommen werden, so  dass wir erst jetzt an der Umsetzung einer Ausstellung arbeiten.

Das Thema “Klima und Wetter” ist eine Herausforderung für Ausstellungsmacher, denn: Ausstellungen sind ein fixes durchstrukturiertes Gebilde, aber das Objekt unserer Betrachtung, das Wetter, ist es leider nicht: Es wirbelt ständig verändernd herum, es ist im besten Sinne unfassbar! Dagegen bemüht sich die Klimawissenschaft um dessen statistische Erfassung – beispielsweise,  um Katastrophen vorbeugen zu können. Das Wetter beschäftigt uns täglich, und man redet unendlich viel darüber; das Klima berührt uns nur indirekt – davon liest und hört man mehr oder minder interessiert in den Medien. Fakt ist, dass das Klima durch menschengemachte Einflüsse verändert wird und damit unsere Kultur beeinflusst, und das Wetter sendet uns dazu seine Zeichen und Signale.

Wir werden in unserer Ausstellung etwas zu Kunst und Wissenschaft erzählen, wie es ja auch eine Tradition der Bundeskunsthalle ist. Es geht uns neben der künstlerischen Sicht aber auch darum, Sensibilität für die fragile Hülle der Atmosphäre mit ihren Wechselwirkungen vom All bis in die Erdkruste unseres Planeten zu erzeugen.

Wir stecken tief in den Vorbereitungen und sammeln mögliche Exponate und Kooperationspartner. Das Deutsche Museum München/Bonn ist mit dabei, auch der Deutsche Wetterdienst, das UN-Klimasekretariat – aber natürlich stehen auch Louvre, Prado und Tate auf unserer Wunschliste. Denn auch Künstlerinnen und Künstler haben sich immer und unmittelbar im Wetter bewegt, oft künstlerisch damit befasst und die ungeheure Energie der Atmosphäre in ihren Werken eingefangen.

Wir halten Euch ab sofort auf diesem Blog auf dem Laufenden. Wir sind stürmisch und mit Freude unterwegs. Und Eure Beiträge und Ideen sind natürlich willkommen.

Der ewige Trend: »Bauhaus« macht was draus

Das Bauhaus nimmt heute weltweit einen unbestrittenen, auch dominierenden Platz in der Wahrnehmung der modernen Gestaltung ein. Diese Situation ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit.

Noch vor rund 30 Jahren repräsentierte das Bauhaus nur eine von mehreren legitimen Perspektiven darauf, was Architektur und Design für die Entwicklung der Menschheit zu leisten hätten. Vermutlich hat ausgerechnet die Postmoderne den entscheidenden Impuls dafür geliefert, dass das Bauhaus seine Position auf dem Sockel der allgemeinen Verehrung erlangte. Denn die postmoderne Bewegung hat explizit ein scharf gezeichnetes Gegenbild projiziert, von dem sie sich erkennbar unterscheiden wollte.

Als jedoch die Freude der Konsumenten über die postmoderne Flut bunt gemusterter Tassen und rosa Säulen rasch wieder verebbte, wurde das Bauhaus wieder sichtbar. Der Witz der ironisch gemeinten Zitate war verflogen, und der Standard, den das Bauhaus repräsentierte, war durch die Auseinandersetzung zum Klassiker avanciert.

Gerda Breuer hat dieses Phänomen treffend als »Erfindung der Modernen Klassiker« durch das Marketing der 1980er Jahre beschrieben. Der Beliebigkeit und dem »anything goes« zeitgenössischer Gestaltung, die es manchmal von der Werkbank unmittelbar ins Museum schaffte, setzten gewiefte Manager den Wert des Etablierten entgegen. So adelten sie ihre Produkte, auch wenn sich die Neuauflagen bisweilen von den historischen Entwürfen signifikant unterschieden. Diese Pointe spielte aber (bis heute) keine Rolle, weil der postmoderne Diskurs auch den Begriff des Originals fürs Design relativiert hatte.

Besonders unterhaltsam ist in diesem Zusammenhang die Konstruktion der Zeitlosigkeit. Eigentlich ist es den Vertretern der Moderne zu eigen, dass jede ihrer Äußerungen in Übereinstimmung mit ihrem Zeitgefühl, mit ihrer Zeitgenossenschaft im Einklang stehen soll. Dieses Gefühl für die neue Zeit ist von steigender Geschwindigkeit, der wachsenden Bedeutung technischer und wissenschaftlicher Errungenschaften, vom Abbau der Hierarchien, zunehmender Gleichberechtigung und immer vielfältigeren Möglichkeiten für alle Bereiche des alltäglichen Lebens geprägt. Modern sein heisst, ganz im hier und jetzt präsent sein und die Chancen der Gegenwart für die Gestaltung der Zukunft zuversichtlich ergreifen. Die Antworten von gestern bilden den Modernen keine Lösung für die Aufgaben von morgen, denn für sie schreitet die Zeit voran.

Zeitlosigkeit jedoch bedeutet, dass die Zeit stehen bleibt – wenigstens für dieses eine Objekt, für diesen Sessel oder diese Leuchte. Ein zeitloser Gegenstand ist einer, der aus seiner Zeit herausgefallen ist, dekontextualisiert, bezugslos – und damit aus Sicht der Moderne: bedeutungslos. Ein zeitloser Tisch ist für die Modernen nur Nostalgie und deshalb einem vormodernen Gesellschaftsbild verhaftet.

Dass diese symbolische Bedeutungsschicht über der Wahrnehmung des Bauhaus liegt, sagt mehr über unsere Zeit aus als über das historische Bauhaus. Deshalb erfreue ich mich an Beispielen aus aller Welt, die vom Image des Bauhauses als ewiger Klassiker schamlos profitieren wollen: Denn sie befördern mit ihrem Pseudo-Prestige das aufgeblasene Marketinggeschwafel unabsichtlich ins Lächerliche.

Zweifellos: Mit Bauhaus-Buntstiften ist dem Menschen das Künstlerische in die Hand gelegt (Produktverpackung eines koreanischen Herstellers).

Zweifellos: Mit Bauhaus-Buntstiften ist dem Menschen das Künstlerische in die Hand gelegt (Produktverpackung eines koreanischen Herstellers).

Man weiß nicht recht, ob man sich darüber freuen soll, dass es die Stifte nicht nur in den drei Farben Rot, Gelb und Blau gibt. (Website des koreanischen Herstellers Monami mit Farbstiften, die unter dem Label »BAUHAUS« beworben werden.)

Man weiß nicht recht, ob man sich darüber freuen soll, dass es die Stifte nicht nur in den drei Farben Rot, Gelb und Blau gibt. (Website des koreanischen Herstellers Monami mit Farbstiften, die unter dem Label »BAUHAUS« beworben werden.)

Bauhaus allzeit im Trend: Shop der Jeansmarke aus Hongkong in Taipeh.

Bauhaus allzeit im Trend: Shop der Jeansmarke aus Hongkong in Taipeh.

 

Zu den Waffen: Militante »Mitglieder des Bauhauses« zeigt diese aktuelle (Frühsommer 2016) Kollektion einer asiatischen Jeansmarke namens »bauhaus«.

Zu den Waffen: Militante »Mitglieder des Bauhauses« zeigt diese aktuelle (Frühsommer 2016) Kollektion einer asiatischen Jeansmarke namens »bauhaus«.

Blindlings die Lichtburg erstürmen!

Der Tänzer Mark Sieczkarek mit einer Gruppe spät erblindeter Menschen im Workshop.

Der Tänzer Mark Sieczkarek mit einer Gruppe spät erblindeter Menschen im Workshop.

Ein Projekt mit dem Verein Blinde und Kunst e.V.

Der Verein Blinde und Kunst e.V. arbeitet seit August 2015 an einem Projekt zusammen mit der Bundeskunsthalle. Hierin geht es darum, verschiedene Ausstellungen für eine große Zahl von Museumsbesucherinnen und Museumsbesuchern schrittweise durch einzelne modulare Angebote zugänglich zu machen. Wir hatten bereits im vergangenen Jahr einige Module zur Ausstellung „Japans Liebe zum Impressionismus“ erarbeitet, die in der Ausstellung präsentiert wurden: zwei Tastschirme mit ausgewählten, zentralen Einzel-Motiven verschiedener impressionistischer Maler, die betastet werden konnten, und vier Hörstationen, die Besuchern in der Ausstellung Rast-Orte boten und an denen sich Blinde und Sehbehinderte eine Beschreibung der Ausstellung und einiger ihrer Exponate anhören konnten.

Siegfried Saerberg ertastet die Stellschirme in der Ausstellung "Japans Liebe zum Impressionismus".

Siegfried Saerberg ertastet die Stellschirme in der Ausstellung “Japans Liebe zum Impressionismus”.

Mittlerweile ist schon die zweite Ausstellung im Gange, für die wir uns einige Angebote zur Senkung von Barrieren ausgedacht haben. Es handelt sich um die Ausstellung „Pina Bausch und das Tanztheater“. Bereits am 21. April hatten wir zusammen mit dem Berufsförderungswerk Düren, das Rehabilitationsausbildungen für spät-erblindete Menschen anbietet, einen ersten Workshop mit dem Tänzer Mark Sieczkarek veranstaltet. Dieses kam bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besonders gut an.


Am Samstag, den 21. Mai, war eine weitere Gruppe von blinden, sehbehinderten und sehenden Museumsbesucherinnen und -besuchern fünf Stunden in der Bundeskunsthalle und nahm an verschiedenen inklusiven Angeboten teil. Es begann mit einem Workshop, den die Tänzerin Regina Advento gab. Regina Advento wuchs in Brasilien auf und ist seit 1993 festes Ensemblemitglied des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Darüber hinaus ist sie Heiltanzpädagogin und Tanztherapeutin. Der Workshop ging in besonderer Weise auf die Wünsche und Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Zunächst stellten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor und berichteten über ihre eigenen Weisen, Dinge zu sehen bzw. wahrzunehmen. Dann bewegten sich alle durch den Raum, um diesen zu erkunden. Es folgten verschiedene Bewegungsübungen. Eine Methode von Pina Bausch ist es, Fragen an ihr Ensemble zu stellen. In diesem Sinne sollte jetzt jede/-r eine vertraute Bewegung seines Alltags vollführen. Die anderen machten diese Bewegung auf ihre Weise nach.

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Pina Bausch hat auch in ihren Stücken einfache Alltagsgegenstände eingebaut: So folgten dann einige Paarübungen, bei denen man zusammen mittels verschiedener solcher Gegenstände, etwa einem Seil oder einem kleinen Stock zusammen verschiedene Bewegungen ausführte, die jedes Paar frei wählen konnte. Dabei gab immer abwechselnd eine der beiden Partnerinnen oder einer der Partner die entsprechende Bewegung vor:
„Ich merke, wie sich meine seilhaltenden Hände nach oben bewegen, dann auf einander zu und aneinander vorbei. Ich folge vorsichtig der Bewegung, die Günther vorgibt. Dann pflüge ich mich langsam, Rücken voraus, Günther am Seil hinter mir her lotsend durch den Raum, an den anderen Pärchen vorbei, Koordinieren und Lauschen abwechselnd, dann pariert mich Günther wie ein Pferdchen. Wir hören, wie sich Ina und Katharina lauthals kichernd über ihre Bewegungskoordination austauschen. Bei manchen Pärchen funktioniert das abwechselnde Spiel von Führen und Geführt-Werden eben harmonisch und einfach, bei anderen gibt es ein gelegentlich wildes, gelegentlich heiteres Gewusel und Geringe um die jeweiligen Rollen!“ Insgesamt eine sehr lebendige und ansprechende Erfahrung für alle. Wir hätten locker noch eine Stunde länger machen können.
Saerberg-Tanz-Stock

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Danach ein kurzes Mittagessen in der Gastronomie der Bundeskunsthalle und dann mitten hinein in die Ausstellung zu einer beschreibenden Führung mit Uschi Baetz. Sie erzählt anhand von Fotos, Videos und Exponaten über Pinas Werdegang, ihre eigene Art zu proben, Stücke zu entwerfen und über ihre besonderen Bühnenbilder.
Zum Abschluss stürmen wir blindlings noch die Lichtburg, der in der Ausstellung nachgebaute Probenort des Tanztheater Wuppertal, ein ehemaliges Kino. Es findet ein so genanntes „Warm-Up“ statt. Hier werden wir zusammen mit anderen, sehenden Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung von Domenique gecoacht, die ebenfalls ein Mitglied des TTW ist. Erneut einige Bewegungsabläufe, dann Gesten und Bewegungen aus der so genannten Reihe „Nelken“. Ich treibe leicht orientierungslos und munter gestikulierend durch den Raum und stelle Domenique vor einige koordinatorische Herausforderungen, die sie aber charmant zu lösen versteht. Beim nächsten Mal könnten wir das bestimmt schon besser, Inklusion braucht eben Übung.
Gestern schrieb mir eine Teilnehmerin: „war ein schönes Programm heute für mich, fast wie ein Urlaubstag. … Schön, dass du für Blinde / Sehbehinderte und Nichtbehinderte diese Angebote organisierst! Ist doch eine Bereicherung für alle!
Freue mich schon auf das nächste inklusive KAH-Angebot!“

Hier finden Sie Angebote zu Inklusion in der Ausstellung “Pina Bausch und das Tanztheater”.

Mehr zu Siegfried Saerberg auf seiner Homepage.

 

Der Zauber der Halbkugel: Die Bauhausleuchte

»Quality never goes out of style« lautete jahrzehntelang der Slogan einer Jeansmarke aus den USA. Ein Spruch, der beim Publikum hypnotisches Nicken hervorruft: Ja, klar, klingt doch selbstverständlich, und gleichzeitig versprüht die Formel die überwältigend überzeugende Kraft eines Glaubensbekenntnisses. Das Credo des modernen Verkäufers.

Eine vergleichbare Wirkung geht von Wilhelm Wagenfelds Tischleuchte aus. Sie verströmt die Anziehungskraft einer Glaskugel. Allein ihr Anblick genügt, um zu signalisieren: Hier geht es um etwas Besonderes, um höhere Energie. Es wäre sogar zulässig, an Magie zu denken, denn Walter Gropius selbst hat davon gesprochen, dass in der Moderne das Magische durch das Rationale nicht verdrängt werden dürfe.

Wilhelm Wagenfeld, Tischlampe ME1/MT9, 1923/1924, Messing, Glas, 39,3 x 20 cm, Privatsammlung, Courtesy of Galerie Ulrich Fiedler  © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Wilhelm Wagenfeld, Tischlampe ME1/MT9, 1923/1924, Messing, Glas, 39,3 x 20 cm, Privatsammlung, Courtesy of Galerie Ulrich Fiedler © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Herbert Bayer, Einlegeblatt für den Katalog der Muster: ME1, 1925, Buchdruck auf Kunstdruckpapier, 29,5 x 21 cm, Stiftung Bauhaus Dessau

Herbert Bayer, Einlegeblatt für den Katalog der Muster: ME1, 1925, Buchdruck auf Kunstdruckpapier, 29,5 x 21 cm, Stiftung Bauhaus Dessau

Wenn nur ein einziges Objekt die Idee, die mit dem Bauhaus verknüpft wird, verkörpern dürfte, so wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Leuchte. Darin besteht das oberflächlich Besondere: Ihre Funktion eines Symbols, das wie eine Reliquie an der Stelle des Heiligen und der Glaubenslehre angebetet wird. Die Bauhausleuchte ist unantastbar. Sie repräsentiert sowohl die Idee als auch den Mythos, der in der Folge der Rezeption des Bauhauses entstanden ist, deutlicher als jeder andere Gegenstand. Diese merkwürdig verschobene Verschränkung der Bedeutungsebenen haben Julia Meer und Philipp Oswalt in ihren Beiträgen zur Ausstellung (Video) und im Katalog  offen gelegt.

Da ist der gläserne Leuchtkörper. Er sorgt dafür, dass das Licht der innen angebrachten elektrischen Lampe zerstreut wird. Das Ergebnis ist eine schöne Lichtstimmung – aber fürs Arbeiten am Schreibtisch oder fürs Lesen am Nachttisch taugt das nicht. Doch genau dort wurde die Lampe stets präsentiert, bis heute.

Dann die runde Fußplatte aus Glas (alternativ: Metall). Diese Materialwahl ist nur den Zeitgenossen verständlich, denn es handelt sich um ein Zitat: Bei älteren Öl- und Petroleumlampen war dadurch ersichtlich, wieviel Brennstoff noch vorhanden war – bei elektrischem Strom ist das jedoch sinnlos.

Und zuletzt der hohe Verkaufspreis. Es handelt sich bei der Lampe um kein industrielles Serienprodukt, sondern sie muss bis heute weitgehend handwerklich hergestellt werden. Das kostet.

Das Ergebnis heute: Eine teure dekorative Skulptur, die eine Ideologie symbolisiert und ihre Besitzer als Kenner einer ehemals avantgardistischen Bewegung ausweisen, die sich ihren Geschmack auch leisten können. Meer und Oswalt bezeichnen die Leuchte schlicht als »Bekenntnis«. Diese Symbolfunktion verbindet die Bauhausleuchte mit vielen anderen sogenannten Ikonen der Designgeschichte – ein treffender Begriff, denn in der Kulturgeschichte bezeichnet »Ikone« ein Heiligenbild.

Aus Pücklers Obstgarten

Vitrine in der Ausstellung mit verschiedenen Büchern zum Thema Pomologie

Unsere kleine Ausstellung zur Pomologie mit vielen Fachbüchern und Stichen

Im Juni haben wir im Vorraum der Bibliothek eine neue Ausstellung eröffnet. Wir nutzen den Raum dort gern als Schaufenster für Themen aus der Bibliothek oder dem Archiv. Bis vor kurzem hatten wir dort beispielsweise „Exoten der Lexikographie“ ausgestellt – Lexika, die sich ungewöhnlichen Themen widmen (wie z.B. das Lexikon der Verschwörungstheorien).

Manchmal lehnen wir uns thematisch aber auch an die aktuellen Ausstellungen an – in diesem Falle an die Ausstellung Parkomanie. Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler. Aber natürlich wäre es absurd, in zwei Vitrinen im Kleinen zu wiederholen, was in der Ausstellung und auf dem Dachgarten üppig ausgebreitet wird. Deshalb sind wir bei unseren Überlegungen – gedanklichen Streifzügen durch Pücklers Parks – sozusagen von den Hauptwegen abgebogen und fanden uns plötzlich im Nutzgarten, genauer im Obstgarten, wieder und stießen dort auf eine ungeheure Vielfalt an Apfelsorten – unser Interesse war geweckt!

Bei unserer Ausstellung dreht sich also alles um den Apfel – und der ist unglaublich beliebt: Wenn man den Statistiken glauben darf, ist er mit Abstand das beliebteste Obst in Deutschland, mit über 20 kg pro Kopf. Damit  hängt der Apfel die zweitplatzierte Banane (rund 12 kg) Jahr für Jahr locker ab.

Darüber hinaus ist er ein verbreitetes Symbol in Märchen, Mythen und Religionen: In der abendländisch-christlichen Ikonographie ist der Apfel die Frucht am Baum der Erkenntnis, den Adam und Eva essen, obwohl es ihnen verboten ist – mit der bekannten Folge, aus dem Paradies vertrieben zu werden.

Aus der griechischen Sagenwelt stammt die Geschichte von Paris, der unter den drei Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite die schönste bestimmen soll, indem er ihr einen goldenen Apfel überreicht. Bekanntlich erwählt er Aphrodite – die ihn mit dem Versprechen besticht, ihm die schönste Frau zur Gemahlin zu geben: Helena, die aber leider schon mit Menelaos verheiratet ist und deren Entführung durch Paris dann zum Trojanischen Krieg führt. Unter den vielen Märchen, in denen der Apfel eine Rolle spielt, ist bei uns wohl Schneewittchen das bekannteste: Die böse Stiefmutter versucht, Schneewittchen mit einem vergifteten Apfel zu töten.

Wissenschaftlern verhilft er angeblich zuweilen zur Erkenntnis: Sir Isaac Newton soll das Gravitationsgesetz entdeckt haben, als er unter einem Apfelbaum sitzend oder liegend beobachtete, wie ein Apfel zu Boden fiel – oder während er von einem fallenden Apfel getroffen wurde – darüber gibt es verschiedene Versionen. Bei besagtem Apfel soll es sich übrigens um die Sorte “Flower of Kent“ gehandelt haben, wobei wir wieder bei der schier unüberschaubaren Zahl der Apfelsorten wären, die es früher und vor allem zur Zeit Pücklers gab.

Das 19. Jahrhundert war wohl die Blütezeit der Pomologie – darunter versteht man die Lehre der Arten und Sorten von Obst sowie deren Bestimmung und systematischer Einteilung. Der Begriff war 1758 von Johann Hermann Knoop in seinem Werk Pomologia geprägt worden, das die erste Veröffentlichung war, in der Obstsorten in kolorierten Abbildungen in naturgetreuer Größe dargestellt wurden. Diese alten pomologischen Handbücher, also Bücher, die sich mit der Lehre des Obstbaus beschäftigen, benennen und beschreiben hunderte verschiedener Sorten an Äpfeln und sind oft üppig mit farbigen Illustrationen ausgestattet. Das illustrirte Handbuch der Obstkunde, herausgegeben von Friedrich Jahn, Eduard Lucas und Johann Georg Conrad Oberdieck, umfasst 9 Bänden und einige Zusatzbände, erschienen zwischen 1859 und 1883, stellt wohl das pomologische Standardwerk des 19. Jahrhunderts dar. Da die Illustrationen in diesen Handbüchern ja der Bestimmung und Identifizierung von Sorten dienen sollen, sind die Abbildungen gewissermaßen standardisiert, um die Unterscheidung zwischen den einzelnen Sorten zu erleichtern. Heute erinnert uns das häufig an Konzept- oder serielle Kunst.

Diese Kunst ist durch den „Apfelpfarrer“ bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt worden. Korbinian Aigner (1885–1966), ein katholischer Pfarrer aus Bayern, war dem Obstbau sehr verbunden. Schon früh bezog er in seinen Predigten Stellung gegen den Nationalsozialismus, was ihm 1940 schließlich eine siebenmonatige Gefängnisstrafe und 1941 die anschließende Deportation ins KZ Dachau einbrachte. Selbst dort setzte er die Züchtung und Kultivierung von Apfelbäumen fort, vier Sorten, KZ-1 bis KZ-4, sind dort entstanden, von denen aber nur eine – KZ-3 – erhalten blieb. Diese wurde zu seinem 100. Geburtstag offiziell in „Korbiniansapfel“ umbenannt. Nach Kriegsende kehrte Aigner in seine Pfarrei zurück und widmete sich erneut seiner Apfel-Leidenschaft. Er trug alle Apfelsorten, derer er habhaft werden konnte, zusammen und fertigte Aquarelle in Postkartengröße von ihnen an. Es kamen rund 800 Bilder zusammen.

2012 während der dOCUMENTA 13 wurden sie ausgestellt – und in der Kasseler Karlsaue wurde ein Korbiniansapfelbaum gepflanzt.

Schade nur, dass der Platz mit zwei Vitrinen und wenigen Quadratmetern Wandfläche eng begrenzt ist – es gäbe noch so viel Interessantes zu sagen und zu zeigen! Und wir sind selbst immer wieder überrascht, was wir für Schätze in der Bibliothek haben!

Schale mit Äpfeln in der Ausstellung

Jeden Tag gibt es hier eine andere Sorte Äpfel zum Mitnehmen!

Frau B. tanzt

Abb. 1: Es wird getanzt in der Ausstellung - trotz Rollstuhl und Einschränkungen.

Abb. 1: Es wird getanzt in der Ausstellung.

„Getanzt habe ich immer gerne! Alles. Walzer. Und Tango ….“ Freude, aufgrund dieser Erinnerung an vergangene Zeiten, strahlt aus dem Gesicht der älteren Dame. Die Augen funkeln, der Körper schwingt zur nicht hörbaren Musik und die hochgestreckten Arme ziehen Kreise in die Luft (Abb. 1).

Sie ist umringt von weiteren Bewohnerinnen eines Seniorenhauses aus dem Umland, die ein besonderes Angebot der Bundeskunsthalle wahrnehmen: Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz. 2011 wurde dieses Format entwickelt. Der demografische Wandel, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Teilhabe sind wesentliche Aspekte, die zur Entstehung beigetragen haben. Seitdem bin ich mit Seniorengruppen im Langhaus der Irokesen gewesen, um das Leben der Ureinwohner Nordamerikas kennenzulernen. Wir haben uns über die Schönheit von Kleopatra ausgetauscht und über Elisabeth Taylor in ihrer Paraderolle. Den großformatigen Bildern von Anselm Kiefer haben wir uns mit Musik angenähert und fasziniert immer wieder den beeindruckenden Start der Sojus-Rakete in der Weltraum-Ausstellung verfolgt.

So vielfältig die Themen der Ausstellungen sind, das Grundgerüst des Formats bleibt immer gleich: Wir treffen uns zum Kaffeetrinken im Workshop-Raum, lernen uns in einem geschützten Raum kennen und ich erzähle über unser Haus und das, was wir heute machen werden. Im Alltag der Senioreneinrichtungen ist das Kaffeetrinken häufig ein Einstimmungsritual für anschließende Aktivitäten. Somit setzen wir Bekanntes an den Anfang, um dann in eine unbekannte Welt, die Ausstellung, einzutauchen. Zuvor habe ich einige Werke ausgewählt, die ich gerne vorstellen möchte. Sie beschäftigen sich mit einem Thema, das sich wie ein roter Faden durch unseren Nachmittag ziehen wird. Gemeinsam betrachten wir die Werke und geraten so meist in intensive Gespräche, an denen ich versuche, alle, mehr oder weniger stark, zu beteiligen (Abb. 2) .

Abb. 2: Noch beim Verlassen der Ausstellung wird kräftig diskutiert.

Abb. 2: Noch beim Verlassen der Ausstellung wird kräftig diskutiert.

Doch manchmal verläuft der Rundgang auch ganz anders als geplant. Da tauchen dann auf dem Weg spannende Fragen auf, begeistertes Interesse an völlig anderen Dingen – und ich habe kurzerhand alle Pläne über Bord geworfen und bin den Neigungen der Gruppe gefolgt. Somit ist der Ausstellungsbesuch immer auch ein kleines Abenteuer – für alle Beteiligten. Zum Abschluss geht es zurück in den Workshop-Raum. Manchmal folgt eine kreative Arbeit – es wird gemalt, gedruckt, geklebt. Manchmal ist es ein Tee zum Abschluss in geselliger Runde, in der man sich noch einmal kurz austauschen kann, über das Gesehene und Erlebte.

„Hat die nicht so verrückte Sachen gemacht?“

Frau B. kennt die berühmte Tänzerin und Choreografin, Pina Bausch, nicht. Aber eine ihrer Mitstreiterinnen erinnert sich an den Besuch einer Vorstellung in Wuppertal, gemeinsam mit ihrer Freundin, „als wir noch jung waren“. Und daran, dass bei Pina alles irgendwie anders war, als normalerweise im Ballett. „Wir haben nicht alles verstanden. Aber wir mussten da hin. Das war doch modern damals!“

Wir schauen uns das Solo von Pina Bausch im Eingangsbereich der Ausstellung an (Abb. 3).

Abb. 3: Die Seniorinnen vor dem Video „Pina und die Fische“.

Abb. 3: Die Seniorinnen vor „Pina und die Fische“

Langsam bewegt sich die schlanke Gestalt vor den Fischen im Hintergrund. Die Musik klingt melancholisch, fast traurig. Den Damen fällt auf, dass sich Pina kaum von der Stelle bewegt und es so ausschaut, als ob sie Gymnastik mache. Langsame Gymnastik. Wie die Fische. „Ich denke, Pina macht die Fische nach“, stellt Frau W. fest und die anderen pflichten ihr bei. Tanz ist nicht gleich Tanz. Auch das wird deutlich. Und dass heute eh die jungen Leute nur rumzappeln. „Früher, mit meinem Mann, war das anders. Da haben wir uns schick gemacht und sind zusammen tanzen gegangen. So richtig, wissen Sie…“.

„Das mag ich aber gar nicht!“

Auf der Leinwand in der Lichtburg, dem nachgebauten Probenraum im Zentrum der Ausstellung, ist gerade ein Tänzer in Frauenkleidern zu sehen. Merkwürdige Dinge liegen um ihn herum, Tänzerinnen zeigen eigenartige Bewegungen. Die Probe eines Stücks, die hier filmisch präsentiert wird, lässt chaotische Zustände vermuten. Nicht alles gefällt den Damen. Und sie bringen es lautstark zum Ausdruck. Es gibt für sie keinen Grund mit der eigenen Meinung hinterm Berg zu halten. Aber man ist auch voll der Bewunderung, wie hart doch alle arbeiten. Gerade auch weil das Tanzen nicht immer leicht fällt, bei den Bühnenbildern.

Wir stehen vor den Fotos, die aus dem Stück „Sacre – Frühlingserwachen“ stammen. Die Bühne ist voller Torf. Er klebt auch auf den verschwitzten Tänzern und hat sie weißen Kleider der Tänzerinnen völlig verschmutzt. „Da kann man doch gar nicht drauf tanzen!“ und „Da muss man ja ständig waschen. Und duschen!“ (Abb. 4)

Abb. 4: Intensiver Austausch der Zuhörerinnen vor „Sacre – Frühlingserwachen“.

Abb. 4: Intensiver Austausch vor „Sacre – Frühlingserwachen“

Ich erzähle den Inhalt des Stücks, der von der Huldigung an Mutter Erde und von der Vertreibung des Winters durch den Frühlingsgott handelt, erzähle, warum der Torf auf die Bühne musste und das die Musik von Strawinsky nicht die einfachste ist.

„Ich kann nicht malen!“

Im Workshop-Raum greifen wir diese letzte Station noch einmal auf. Die Damen sitzen vor einem Bogen Papier, Kreide liegt bereit. Die Idee ist, das Tanzen, das vielen von ihnen wegen des Alters oder der angeschlagenen Gesundheit nicht mehr möglich ist, von den Beinen auf die Hände zu übertragen. Musik erklingt und es kann losgehen: Die Kreide in beiden Händen bewegt sich rhythmisch über das Papier (Abb. 5).

 

Abb. 5: Die Seniorinnen malen im Workshop-Raum beidhändig nach Musik.

Abb. 5: Beidhändiges Malen nach Musik

Frau W. ist ganz versunken, Frau J. kann sich nur schwer darauf einlassen, da das „doch nichts ist“, was sich auf dem Papier zeigt. Und Frau K. stellt fest, dass sie nicht malen kann und lieber zuschaut. Die Reaktionen und die Ergebnisse sind völlig unterschiedlich – so individuell wie die einzelnen Damen.

Am Ende gibt es noch einmal Raum für Erinnerungen, an den ersten Tanz, den Bruder, der die jüngere Schwester immer belgeiten musste, und daran, wie schön doch ein Twist sein kann … (Abb. 6).

Abb. 6: Humorvoller Ausklang im Workshop-Raum

Die Damen sitzen am Tisch im Workshop-Raum und unterhalten sich, während einige noch malen.

„Tanzende Körper – tanzende Farben“ ist noch bis zum Ende der Pina-Bausch-Ausstellung (24. Juli) buchbar. Auch die Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ bietet Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz: http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/parkomanie-die-ausstellung/inklusion.html

Mehr zu unseren Angeboten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen unter: http://www.bundeskunsthalle.de/vermittlung/inklusion.html.

Siegfried Saerberg

Dr. Siegfried Saerberg ist Soziologe, Kurator und Künstler: Als Ethnograph vom „Stern der Blinden“ erforscht er seit Jahren die erstaunlichen Lebensbedingungen „sehender“, normaler Menschen auf der Erde; zuletzt hat er eine Studie über ein kulturelles Inklusionsprojekt vorgelegt. Für den Verein Blinde und Kunst kuratierte er die Ausstellung  „Art blind“ und gab ein Buch über Sexualität und Behinderung heraus. Zurzeit arbeitet er für ein Inklusionsprojekt, in dem es um die Entwicklung inklusiver Angebote in Museen geht.

Dr. Siegfried Saerberg, sitzt auf einer Bank mit Ausblick in die grüne Landschaft

365 Tage, 2 Freiwillige und 1 Projekt

In der Bundeskunsthalle haben wir, Larissa und Annika, schon viele neue Erfahrungen gesammelt, konnten unsere Fähigkeiten weiterentwickeln und haben sogar einen eigenen Fotowettbewerb auf die Beine gestellt! Wir stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen, können kreativ sein und uns ausprobieren. Das alles wird durch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) Kultur ermöglicht: Nach dem Schulabschluss etwa haben junge Leute die Chance, ein Jahr hinter die Kulissen einer kulturellen Einrichtung zu blicken und den Arbeitsalltag kennen zu lernen .

Larissa und Annika vor dem Eingang zur Ausstellung Juergen Teller. Enjoy Your Life! Foto: Ralf Klodt, 2016 ©Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Larissa und Annika vor dem Eingang zur Ausstellung Juergen Teller. Enjoy Your Life!
Foto: Ralf Klodt, 2016 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Larissa Ich bin im Bereich der Unternehmenskommunikation tätig, mit Schwerpunkt auf Pressearbeit. Meine Hauptaufgaben sind die Pflege des Pressespiegelarchivs und die tägliche Medienbeobachtung und -auswertung sowie die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Medienkonferenzen zu den Ausstellungen in unserem Hause – bei einer Ausstellungseröffnung ist hier immer am meisten los. Außerdem betreue ich Journalisten bei Ausstellungsgesprächen und deren Anfragen bezüglich Bild-, Ton- und Textmaterial und helfe beim Verfassen von Pressemitteilungen zu Veranstaltungen und Ausstellungsprojekten und ausstellungsbezogenen Medienmappen.

Annika Im Projektmanagement erlebe ich alle Projektphasen, von der anfänglichen Planung bis zur Ausstellungseröffnung. Ich unterstütze die Ausstellungsleiterinnen in ihren täglichen Abläufen, mache wissenschaftliche Recherchen und pflege die Objektdatenbank. Wenn dann der Aufbau beginnt, bin ich ständig in der Ausstellung unterwegs und sehe mit Begeisterung zu, wie die Ausstellung Gestalt annimmt. Der schönste Moment ist, die Objekte, nach denen man recherchiert hat, deren Daten und Fotos man in die Datenbank eingepflegt hat, endlich als Original vor sich zu sehen!

Hier findet ihr alle Informationen zum FSJ Kultur in NRW. Die Bundeskunsthalle ist übrigens mit FSJ Kultur-Stellen in sechs verschiedenen Abteilungen vertreten: www.fsjkultur-nrw.de

Annika an ihrem Arbeitsplatz © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Annika an ihrem Arbeitsplatz
© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Wir als FSJKler haben außerdem die Chance, ein eigenständiges Projekt durchzuführen. Unsere Idee für ein Projekt ließ zuerst etwas auf sich warten… doch als die Ausstellung Juergen Teller. Enjoy Your Life! immer näher rückte, war für uns irgendwann klar: Bei einem (Mode-)Fotografen liegt ein Fotowettbewerb doch auf der Hand!
Wir fingen also an, Ideen zu sammeln: Aufgabenstellung, Jury-Mitglieder, Preise, Plattform für den Wettbewerb, optimaler Zeitraum. Nach vielen Recherchen, Besprechungen, verworfenen und neu entwickelten Ideen nahm der ganze Wettbewerb allmählich Gestalt an.
Durch gute Arbeitsteilung und liebe Unterstützung unserer Mentor(inn)en und vieler anderer Kolleg(inn)en haben wir es geschafft, ein tolles Projekt auf die Beine zu stellen, das hoffentlich auch viele von euch begeistern wird:

Einen Fotowettbewerb anlässlich der Ausstellung Juergen Teller. Enjoy Your Life!

Flyer zum Fotowettbewerb

„Der deutsche Fotograf Juergen Teller ist vor allem durch seine ungewöhnlichen Modeshootings bekannt geworden. Seine Porträts bewegen, beunruhigen, offenbaren Neugier und stellen den gängigen Schönheitsbegriff in Frage.“
Susanne Kleine, Ausstellungsleiterin

Bei unserem Wettbewerb geht’s zwar um Mode, aber das nur nebenbei. Es zählt aber vor allem eins: Selbstinszenierung. Wir wollen auch von euch aufregende und interessante Inszenierungen sehen, deswegen lautet die Aufgabe bei unserem Fotowettbewerb: 

Setze dein Lieblings-Fashion-Teil, egal ob dein schönstes Kleid oder deine Lieblingsschuhe, fotografisch in Szene!

Sobald ihr das gemacht habt, müsst ihr es anschließend nur noch hier auf unserer Teilnahmeseite hochladen und habt dann die Chance auf tolle Preise! Und natürlich dürft ihr auch das Abstimmen für die Einsendungen der anderen Teilnehmer nicht vergessen!

Wir hoffen, dass der Wettbewerb viele von euch begeistern kann und freuen uns auf zahlreiche interessante Einsendungen und einen spannenden Wettbewerb!

Uschi Baetz

Uschi BaetzUschi Baetz ist Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin und arbeitet seit 1988 freiberuflich in diversen Kunst- und Kultureinrichtungen des Köln-Bonner Raums. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Entwicklung und Umsetzung museumspädagogischer Angebote für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Seit 2011 entwickelte sie in Zusammenarbeit mit der Bundeskunsthalle das Format „Kunst und Kultur für Menschen mit Demenz“.