Mein Rhein – Kindheitserinnerungen einer „modernen Nomadin“

Ich wurde 1957 in der Kölner Altstadt geboren, aufgewachsen bin ich in Köln-Niehl am Niehler Damm in einem alten „Fischerhäuschen“, und in dem altehrwürdigen Gemäuer der Schule in der Halfengasse habe ich meine Grundschuljahre absolviert.

1977 zog ich von Köln-Niehl direkt nach Paris, und ab diesem Zeitpunkt wurde ich zur „modernen Nomadin“.

War der Rhein in der Nähe, begab man sich immer ans Wasser, so auch bei einem Familienbesuch in Mannheim. Von den Rheinterrassen, heute „Gasthaus am Fluss“, führte eine Treppe an den Rhein. (Auf dem Foto: Mutter, Bruder und Ich) © Name, Nachname

War der Rhein in der Nähe, begab man sich immer ans Wasser, so auch bei einem Familienbesuch in Mannheim. Von den Rheinterrassen, heute „Gasthaus am Fluss“, führte eine Treppe an den Rhein. (Auf dem Foto: Mutter, Bruder und ich) © Gabriele Pagels

Die Rheinwiese am Niehler Damm – auf Höhe der Lachsgasse – war unsere Spielwiese. Noch klein an der Hand von Vater, feingemacht zum sonntäglichen Spaziergang am Rhein, und stets beeindruckt von der erhabenen Kaimauer – bloß nicht zu nah heran und reinfallen! An sommerlichen Tagen trauten wir uns die schmale Treppe runter bis ans Wasser und waren auch schon mal mit den Füßen darin, haben Kähne beobachtet und gelernt, Steine übers Wasser flitschen zu lassen.

Zum Schützenfest dann die ganze Familie – Vater, Mutter, Bruder und ich – mit einem Besuch der Geisterbahn. Die zugeteilten Vergnügungsgroschen gut eingeteilt…

Unvergessen bleibt das Jahr 1964, als Hochwasser drohte und ganz Niehl nachts an den Rhein pilgerte um nachzusehen, ob er nun aus dem Bett springt oder nicht. Das Wasser stand eine Handbreit unter der Kaimauer, die sonst ich weiß nicht wie viele Meter hoch ist. Der Rhein schwappte nicht über, wir sind nicht abgesoffen. Ich sprach vor ein paar Tagen noch mit meinem Vater (86 Jahre) darüber – die Sorgen der Eltern waren für uns Kinder damals zu keinem Zeitpunkt greifbar. Für mich bis heute nicht, aber Gott sei Dank habe ich noch nie ein Hochwasser miterlebt.

Gabriele Pagels

Im Winter Schneeballschlacht mit dem Bruder, und Vater musste uns mit dem Schlitten von unserem Häuschen bis dorthin ziehen. © Name, Nachname

Im Winter Schneeballschlacht mit dem Bruder, und Vater musste uns mit dem Schlitten von unserem Häuschen bis dorthin ziehen. © Gabriele Pagels

Auch du kennst eine Geschichte zum Rhein, die besonders lustig ist oder vielleicht besonders traurig? Eine, die unbedingt erzählt werden sollte? Oder du hast tolle Aufnahmen vom Rhein? Sende sie uns!

Alle Informationen zu #meinRhein

WAND VOR WAND – Parcours des Schreckens?

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Wand vor Wand ist der Titel einer irritierenden Ausstellung in der Bundeskunsthalle, wobei das Wort Ausstellung wohl besser durch den Begriff Parcours  zu ersetzen wäre, also ein mit Hindernissen unterschiedlichster Art durchsetzter Weg.

Als ich diesen Parcours mit Raumkonstruktionen von Gregor Schneider erstmals absolvierte, hat er bei mir ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst, körperlich wie psychisch. Denn als Person begebe ich mich in reale dreidimensionale Räume, die bei aller Künstlichkeit sofort durch ein persönliches Raumerleben besetzt werden. Und schon der erste begehbare Raum hat es in sich: Ein schmaler Gang, steril, neonhell erleuchtet, mit schallgedämmter Decke und beidseitig roten Schiebetüren – allesamt geschlossen. Irgendwie gespenstisch vertraut. Guantánamo? Erster Impuls: Schnell weiter.

Gregor Schneider, Passageway No. 1, Deurle, 2006 © Gregor Schneider / VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Gregor Schneider, Passageway No. 1, Deurle, 2006 © Gregor Schneider / VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Doch es wird nicht besser. Erst durcheile ich einen grell ausgeleuchteten, mit Blech verkleideten Raum, dessen unangenehm feucht-warme Atmospäre mich vertreibt, dann ein zugig-kaltes Minikühlhaus inklusive Plastikstreifenvorhang. Zweiter Impuls: Schnell weiter.

Doch was wäre, wenn ich diesem Impuls widerstünde? Wenn ich mir die nötige Zeit nähme, um dem eigenen Unbehagen auf den Grund zu gehen? Aber schon fällt hinter mir die Tür ins Schloss. Aprupt umfängt mich eine Finsternis, die geradezu zum Innehalten zwingt, will ich nicht irgendwo gegenrennen.

Während sich die Augen noch an die Dunkelheit gewöhnen, wirken die zurückliegenden Raumeindrücke nach. Was macht die durcheilten Räume eigentlich so bedrohlich? Wodurch entstehen die vielfältigen Irritationen? Wie erlebe ich Orientierungsverlust, der ja immer auch ein Kontrollverlust ist?

Und schon taucht die nächste Frage vor mir aus der Dunkelheit auf. Ich blicke in einen spärlich beleuchteten Raum, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Dann das Wiedererkennen: Es ist ein von Gregor Schneider nachgebauter Raum aus Mies van der Rohes Villa Haus Lange in Krefeld.

Ich erinnere mich an den Aufruhr, den der Künstler 2008 auslöste, als er in diesem Raum – stimmig in den Proportionen und schön gestaltet – einen Menschen sterben lassen wollte. Seine Frage lautete: „Warum können wir den Tod nicht aus der Tabuzone herausreißen und wie eine Geburt feiern und ein Kunstwerk schaffen, in dem Sterbende bis zum Tod begleitet werden?“

Gregor Schneider, Sterberaum, 2011 © Gregor Schneider / Ausstellungsansicht, Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Gregor Schneider, Sterberaum, 2011 © Gregor Schneider / Ausstellungsansicht, Foto: David Ertl © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Das war für viele too much. Für seinen Sterberaum bekam Gregor Schneider sogar Todesdrohungen. Apropos Tod: Ich sehe mich hier also einer weiteren  Grenzüberschreitung ausgesetzt. Präzise gesagt: Der letzten, nämlich der zwischen Leben und Tod.

Natürlich kann ich abermals weitereilen. Ich könnte dann vielleicht zwei Räume weiter am Cryo-Tank Phoenix verweilen. Dort wird der Nachbau eines Edelstahltanks aus dem Jahr 2006 gezeigt, in dem ein Mensch sich einfrieren lassen kann, um bei entsprechendem Fortschritt der Wissenschaft wieder zum Leben erweckt zu werden. Grenzüberschreitung oder Hybris?

Ich entscheide mich anders. Ich werde mich den kommenden Raumerlebnissen beobachtend nähern, werde Assoziationen kritisch zulassen, mich vielleicht sogar im vertrauten (Freundes-)Kreis im Verlauf der Ausstellung austauschen. Dazu werde ich natürlich wiederkommen, werde versuchen, den Parcours des Schreckens, wie er im Bonner Generalanzeiger bezeichnet wurde, zum Parcours der (Selbst-)Erkenntnis umzudeuten.

Vielleicht sieht man sich in der Ausstellung und/oder zu einer Führung? Bis später also!

Olaf Mextorf
der-entschleunigte-blick.de

GREGOR SCHNEIDER. WAND VOR WAND
bis 19. Februar 2017

Olaf Mextorf

Olaf Mextorf (Kunsthistoriker M.A.) wurde 1961 in Kiel geboren. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik und Klassischen Archäologie in Kiel, Siena und Köln ist er inzwischen als Kunstvermittler tätig (u.a. in der Bundeskunsthalle Bonn und dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck), arbeit zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter und freier Autor.
Seit 2002 leitet Mextorf das Projekt Der entschleunigte Blick, ab 2009 gemeinsam mit Dr. Nicole Birnfeld.

Olaf Mextorf

Olaf Mextorf

SUBLIME! – Schirme für den „Wetterbericht“

Es gab Zeiten, in denen es lebenswichtig war, nicht nass zu werden. Schwere Kleidung saugte sich mit Wasser voll, die Folgen waren Erkältung oder Schwindsucht – noch fast ohne wirksame Gegenmittel. Es waren dieselben Zeiten, in denen vornehme Blässe ein Zeichen der Aristokratie war. Man hatte es nicht nötig, sich den ganzen Tag im Freien aufzuhalten, Bräune war eher ein Makel des Plebs, der Straßenarbeiter oder Bauern. Aber wenn schon im Freien – schließlich wollte der Hund ja gelüftet oder die neue Garderobe exponiert werden –, dann wenigstens in feinstem Gewand, wozu auch der Regen- und Sonnenschutz gehörte. Und dieser von nicht minder feiner Qualität.

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Michel Heurtault und sein Reich der Schirme, Foto: Stephan Andreae , 2016 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn

Davon erzählt Michel Heurtault in seiner Pariser Parasolerie. Bereits seit seiner Kindheit beschäftigt sich dieser Schirmfreak und Wetter-Nerd mit Schirmen, was ihm sogar den französischen Handwerks-Oscar „Maître d’Art“ einbrachte. Michel baut und repariert Schirme und besitzt eine Sammlung von über 3000 Stück.

Wir besuchten ihn Anfang November auf der Suche nach Schirmen für die Ausstellung Wetterbericht. Über Wetterkultur und Klimawissenschaft, die ab 7. Oktober 2017 in der Bundeskunsthalle zu sehen sein wird. Mehr als 50 Exemplare führte er uns vor, die er stets mit „C’est sublime!“ bewertete (sublime = umwerfend). Er hat keinesfalls übertrieben, und nun ist es an uns, eine exquisite Auswahl zu treffen. Die Qual der Wahl, wie es so schön heißt. Dieser „Qual“ stellen wir uns jedoch mit Vergnügen!

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Von Schirmen umgeben, Foto: Stephan Andreae , 2016 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn

WETTERBERICHT
ÜBER WETTERKULTUR UND KLIMAWISSENSCHAFT
7. Oktober 2017 bis 4. März 2018
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112 Tage in der Bibliothek

Wie lassen sich 16 Wochen in ein paar Sätzen zusammenfassen? Diese Frage stellt sich mir, während ich diese Zeilen tippe. Nun, ich werde es versuchen…

Seit Mitte August bin ich Teil eines herzlichen und begeisterungsfähigen Bibliotheksteams, das alles dafür gibt, seine Arbeit gut zu machen und den Nutzern der Bibliothek bei ihren Recherchen und anderweitigen Anfragen unter die Arme zu greifen. Ein Team, bestehend aus offenen und warmherzigen Menschen, mit denen man zunächst verrückt klingende Ideen umsetzen kann (eine Flaschenpost mit einem Peilsender in den Rhein werfen), die aber auch die Arbeit nicht scheuen – selbst wenn diese manchmal viel Energie kostet (das Ausrichten des Eröffnungsfestes vom Käpt‘n Book-Lesefest).

Ich hatte einen etwas holprigen Start, da zunächst noch nicht feststand, welches Projekt ich machen würde, aber meine Betreuerinnen waren für alle Ideen und Vorschläge offen und haben mir die unterschiedlichen Möglichkeiten aufgezeigt. Auch die anderen Mitarbeiter der Bundeskunsthalle, mit denen ich über Projektideen gesprochen habe, hatten dafür offene Ohren und zeigten sich gesprächsbereit.

Apropos Projekt: Ich habe in den letzten Wochen und Monaten den Versuch gestartet, die Bibliothek extern bekannter und intern beliebter zu machen, da ich sie selbst unendlich lieb gewonnen habe. Sie verdient die Aufmerksamkeit, denn dort ist es gemütlich, man bekommt gute Bücher und findet einen ruhigen Arbeitsplatz in einer freundlichen Atmosphäre.

Ideen für ein Marketingkonzept zusammengefasst auf einem Plakat

Ideen für ein Marketingkonzept zusammengefasst auf einem Plakat

Diese 4 Monate vergingen wie im Flug, weil ich Zeit hatte, meine eigenen Grenzen auszutesten und Dinge, die mir schwer fallen, zu üben (vor einer Gruppe stehen und meine Ideen präsentieren).
Auch in den bibliothekarischen Tätigkeiten konnte ich dazulernen, auf längst vergessen geglaubte (theoretische) Studieninhalte zurückgreifen und diese auf praktische Aufgaben anwenden. Aber was noch viel wichtiger ist: Ich wurde bestärkt in meinem Wunsch, in diesem Berufsfeld zu arbeiten.

Höhepunkte meines Praktikums waren natürlich die Konzeption und Eröffnung der Rhein- Künstlerbücher-Ausstellung (noch bis Ende Januar zu sehen), Wednesday_Late_Art und das Käpt’n Book-Lesefest.
Aber in Erinnerung werden mir vor allem die vielen kleinen und schönen Momente mit den netten Kollegen bleiben: Als wir feststellten, dass der Peilsender funktioniert (ein Glücksgefühl von kurzer Dauer J), der Rhein-Kuchen, den Alena für die Ausstellungseröffnung kreiert hat, und die Gruppenmeetings am Mittwochmorgen.

Ich werde die letzten Wochen in guter Erinnerung behalten, oft davon erzählen und das eine oder andere Mal erneut bei den Kollegen vorbeischauen.

Danke für eine schöne Zeit und bis bald!

Das Porträt der Familie Sam

Ein geheimnisvolles Bild von Aelbert Gerritsz. Cuyp (Teil 1)

Aelbert Gerritsz. Cuyp, Das Porträt der Familie Sam, ca. 1653, Szépmüvészeti Múzeum / Museum of Fine Arts, Budapest

Aelbert Gerritsz. Cuyp, Das Porträt der Familie Sam, ca. 1653, Szépmüvészeti Múzeum / Museum of Fine Arts, Budapest

Im Ausstellungskapitel „Residenzen und Festungen“ zieht das großformatige Bild Das Porträt der Familie Sam die Aufmerksamkeit auf sich. Gemalt hat es der holländische Künstler Aelbert Gerritsz. Cuyp (1620–1691), der in seiner Geburtsstadt Dordrecht Karriere gemacht hat. Seine Spezialität war die niederländische Landschaft, die er in goldenes, mediterranes Licht tauchte. Interessanterweise hatte er dieses Licht selbst nie gesehen, sondern von anderen Malerkollegen abgeschaut.

Auf unserem Bild ist zwar eine (Fluss-)Landschaft im Hintergrund zu sehen, aber im Vordergrund sind zahlreiche Personen dargestellt, die der Maler etwas steif und förmlich porträtierte, die Familie Sam. Ein Familienporträt also, das auf den ersten Blick nur wenig mit unserer Rhein-Ausstellung zu tun hat. Aber das Bild steckt voller versteckter Inhalte.

Im 17. Jahrhundert dienten solche Porträts der Selbstdarstellung. Die nördlichen Niederlande wurden damals unabhängig. Die Bürger ließen sich sehr gerne porträtieren, um so ihren gesellschaftlichen Status und politisches Selbstbewusstsein zur Schau zu stellen. So auch die Familie Sam. Vieles deutet auf ihren Wohlstand hin, z. B. die Jäger auf der rechten Seite oder die Weintrauben, die das Mädchen im blauen Kleid in der Hand hält. Üblicherweise ließ man sich vor einer niederländisch anmutenden Landschaft porträtieren, um auch dem Stolz auf sein Land Ausdruck zu verleihen. Doch ist die Flusslandschaft im Hintergrund keine niederrheinische, die Cuyp kannte, sondern eine mittelrheinische. Der Maler hat hier die Stadt Bacharach wiedergegeben, das belegt ein Vergleich mit einem Stich von Matthäus Merian aus dem 16. Jahrhundert.

Bacharach, aus: Matthäus Merian d. Ä. und Martin Zeiller,Topographia Palatinatus Rheni et Vicinarum Regionum, Frankfurt am Main 1645

Bacharach, aus: Matthäus Merian d. Ä. und Martin Zeiller,Topographia Palatinatus Rheni et Vicinarum Regionum, Frankfurt am Main 1645

Ob dies mit dem Beruf des Auftraggebers zusammenhängt? Abraham Sam war Weinhändler in Dordrecht und hatte sicherlich Kontakte zu den rheinischen Weinregionen. Oder hat der Maler hier eine Landschaft eingebaut, um etwas Abwechslung in seine Werke zu bringen? So wie er es mit der Kleidung gemacht hat, die von traditioneller bürgerlicher Tracht des 17. Jahrhunderts zu fantasievollen, exotisch anmutenden Kleidungsstücken, wie z.B. den Turbanen, reichen?

Und warum hat eigentlich der Junge mit dem Turban ein Eichhörnchen an der Leine?
Lesen Sie mehr dazu im zweiten Teil…

DER RHEIN. EINE EUROPÄISCHE FLUSSBIOGRAFIE
bis 22. Januar 2017

Katharina Chrubasik

Katharina Chrubasik hat Kunstgeschichte, Archäologie und Italienische Philologie in Münster und Bonn studiert. Seit über 12 Jahren ist sie als Ausstellungsleiterin und Kuratorin an der Bundeskunsthalle tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche kulturhistorische Ausstellungen realisiert.

Katharina Chrubasik

Katharina Chrubasik

Mein Rhein – Sende uns deine Geschichte!

Du kennst eine Geschichte zum Rhein, die besonders lustig ist oder vielleicht besonders traurig? Eine, die unbedingt erzählt werden sollte? Oder du hast tolle Aufnahmen vom Rhein?

WIR SUCHEN DEINE GANZ PERSÖNLICHE RHEIN-GESCHICHTE!

Blick auf den Mäuseturm von Bingen, Foto: Mirjam Stegherr

Blick auf den Mäuseturm von Bingen, Foto: Mirjam Stegherr

Mitmachen lohnt sich: Alle Autoren der veröffentlichten Beiträge erhalten zwei Freikarten für die  Ausstellung Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie und eine Flasche Rheinwein.

Kreativität kennt keine Grenzen, daher darf deine Story beliebig lang – oder auch kurz – sein. Wie wäre es z.B. mit einem Ausflugserlebnis am/im Rhein?

…mein schönster Tag in den Sommerferien dieses Jahr war ein Picknick mit meinen Freundinnen am Rhein. Es war so ziemlich der einzige heiße Tag in den gesamten 6 Wochen, deshalb…

…Ich erinnere mich noch gut an den Tag, es war meine erste große Fahrradtour. Opa hatte es mir schon so lange versprochen, aber Oma war der Meinung, dass ich noch zu klein für so etwas sei. In den Sommerferien war ich gerade 7 geworden. Opa beschloss, dass ich alt genug sei, und so fuhren wir heimlich einfach mit den Rädern los…

…als ich 3 Jahre alt war, lernte ich schwimmen. Nicht freiwillig, denn ich hatte keine andere Wahl, als ich…

Ganz egal, was dir oder jemandem, den du kennst, passiert ist, schreib es uns!
Sende deine Geschichte an meinRhein@bundeskunsthalle.de – ganz gleich, ob Text oder Video. Wenn du dich für einen Text entscheidest, freuen wir uns auch über dazu passende Fotos! Einsendeschluss ist der 12. Dezember.

Eine Auswahl der Geschichten findest du dann künftig hier in diesem Blog und auf der Facebook-Seite der Bundeskunsthalle. Die ausgewählten Teilnehmer werden im Vorfeld kontaktiert. Nur zu, vielleicht ist auch deine Geschichte dabei!

Ein Porträt voller Aussagen

Bei der heutigen WEDNESDAY_LATE_ART (9. November) wird der Streetart-Künstler Gigo Propaganda die Arbeiten an seinem Werk zur TOUCHDOWN-Ausstellung im Foyer der Bundeskunsthalle abschließen. Die Murals des Essener Künstlers, seine großflächigen Wandgestaltungen, zählen zu den provokantesten und stilistisch originellsten des Ruhrgebiets. Seine Werke zeichnen sich durch ihre besondere Verbindung von Schrift und Bild aus. Die Wand in unserem Foyer veränderte sich täglich und alle Besucher konnten den Wandlungsprozess in Echtzeit mit verfolgen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Gigo einige Fragen gestellt.

Du arbeitest für dieses Porträt eng zusammen mit der TOUCHDOWN-Crew. Wie genau kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Zusammen mit meinem Filmemacher Robby haben wir bei der Eröffnung der TOUCHDOWN-Ausstellung sehr viel gefilmt, viele Gespräche geführt und eben auch versucht herauszufinden, was „Touchdown“ in diesem Fall bedeutet, welche Themen besonders wichtig sind. Ab diesem Zeitpunkt fing die Zusammenarbeit eigentlich schon an, weil die Leute uns die Inhalte für das Porträt bereits dort geliefert und wir diese dann an der Wand verschriftlicht haben.

Die Gespräche waren also der Ursprung. Gab es weitere Inspirationsquellen?

Da war zum Beispiel eine Dichterin mit Down-Syndrom aus Serbien, von der wir drei Gedichte an die Wand gemalt haben. Wir versuchen, die Themen der Ausstellung, wie Inklusion, Freiheit oder Liebe, auf diese Weise noch einmal in den Vordergrund zu rücken.

Gigo Propagandas Portraitwand im Foyer, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Gigo Propagandas Porträtwand im Foyer, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Gab es auch Sprüche oder Statements, die schon im Vorfeld eingeplant waren?

Nein, das geht gar nicht, weil alle Leute eingeladen sind, mit zu machen. Auch Besucher sprechen mich immer wieder an. Jedes Gespräch kann den Weg ändern. Wenn eine Person oder Gruppe irgendetwas zu einem Zitat oder Spruch an der Wand sagt, also ein Statement dazu abgibt, kann es sein, dass ich das dort Stehende mit dem Gesagten übermale. Das Ganze funktioniert ein bisschen wie in sozialen Netzwerken, ein Post folgt auf den nächsten.

Wenn du im Foyer malst, kann also jede Person etwas zu deiner Arbeit sagen und jeden deiner Schritte beobachten. Worin liegt der Reiz, live an deinen Werken zu arbeiten? Gibt es auch Momente, in denen es dich stört, nicht allein zu sein?

Ich mache das jetzt schon seit Jahren, bin es also gewohnt. Ich finde es schön, wenn ich immer wieder ins Gespräch mit anderen Leuten kommen kann, weil man direkt ein Feedback von ihnen bekommt. Kommunikation ist wichtig. Und wenn es mir einmal zu viel sein sollte, setze ich mir Kopfhörer auf.

Gigo Propagandas Portraitwand im Foyer, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Gigo Propagandas Portraitwand im Foyer, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

„Frei von primären Bezugspersonen“ war der erste Satz deines Porträts. Was hat es damit auf sich?

Der Satz kommt aus der ersten Begegnung mit der Redaktion vom „Ohrenkuss“. In diesem Gespräch wurde Robby und mir ziemlich schnell klar, dass das der ideale Ausgangspunkt sein könnte. Auf Nachfrage hat die Redaktion die Wichtigkeit dieser Aussage bestätigt. Somit stand sie dann direkt zur Eröffnung der Ausstellung an der Wand.

Aber auch dieser Spruch wurde inzwischen übermalt. Warum?

Ich habe neue Erfahrungen gesammelt. Als Aufmacher funktionierte der Satz super, aber letztlich brauchen wir alle Bezugspersonen – ob nun mit oder ohne Down-Syndrom.

Welche Erfahrungen ziehst du noch aus dieser Ausstellung?

Die Ausstellung ist ja keine reine Kunstaustellung, sondern eine Mischung aus Kunst, Wissenschaft und Geschichte. Obwohl ich selbst einen Cousin mit Down-Syndrom habe, konnte ich viel Neues lernen. Während dieser Zusammenarbeit und der Auseinandersetzung mit der Ausstellung sind verschiedene Fragen aufgetaucht, wie zum Beispiel „Können Menschen mit Down-Syndrom Kinder haben?“ oder „Können sie auch Kinder ohne Down-Syndrom bekommen?“. Also Fragen, die, warum auch immer, im Alltag vorher nie aufgetaucht sind.

Gigo Propagandas Portraitwand im Foyer, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Künstler bei der Arbeit, Foto: Karla Stretz, 2016, © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

WEDNESDAY_LATE_ART
BundeskunstHALL OF FAME revisited am 9. November
Das Graffiti- und Street-Art-Festival schleicht sich noch einmal in die Bundeskunsthalle und präsentiert die druckfrische Publikation zur BundeskunstHALL OF FAME mit Künstlern des Festivals und der TOUCHDOWN-Crew – inkl. Live Painting & Printing, Musik und Drinks. Das Buch ist für 12,80 bei der Buchhandlung Walther Koenig erhältlich.