Mit Bildsprache Barrieren überwinden

Perfekter_Rhein_Moment, Foto: Katja Schöpe

Perfekter_Rhein_Moment, Foto: Katja Schöpe

Die Ausstellung Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie ist zu Ende gegangen und mit ihr auch das begleitende Rahmenprogramm. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Projekt, in dem nicht nur Kurzfilme entstanden, sondern sich auch neue Möglichkeiten entwickelten.

Der interkulturelle Workshop Perfekter_Rhein_Moment wurde parallel zur Ausstellung für junge Erwachsene angeboten. Geflüchtete und Locals trafen sich, um ihre persönliche Geschichte zum Rhein in einem Film festzuhalten.  In kleinen Gruppen planten die Teilnehmer die Umsetzung ihrer Ideen, und die entstandenen Aufnahmen fügten sich am Ende des Workshops zu mehreren Kurzfilmen zusammen, die nun im Blog zu sehen sind.

Verantwortlich für Idee und Umsetzung des Workshops waren Katja Schöpe (Inklusion/Integration) und Jens Bohnsack (Bildung, Workshops), beide in der Kunstvermittlung der Bundeskunsthalle tätig.
In einem gemeinsamen Gespräch berichten sie von den Erfahrungen, die sie mit den Teilnehmern des Workshops sammeln konnten.

In eurem Workshop ging es um den persönlichen Bezug zum Rhein, der sich bei allen Teilnehmern unterscheidet …

Katja Schöpe: Ja genau, ich denke das war das Besondere an dieser Idee – die Bandbreite von Rheinmomenten. Für Menschen, die hier gerade neu angekommen sind, ist das Thema zunächst vielleicht befremdlich. Wer im Gegensatz dazu hier aufgewachsen ist, empfindet es vielleicht eher als ärgerlich, jeden Morgen über die Rheinbrücke fahren zu müssen. In den einzelnen Gruppen musste man sich also erst einmal einigen und darüber verhandeln, was man als perfekten Rheinmoment empfindet.

Wie genau funktionierte die Zusammenarbeit der Teilnehmer?

Jens Bohnsack: Als Einstieg in den Workshop hatten wir uns ein assoziatives Spiel mit Bildern überlegt. Die Workshop-Mitarbeiter legten viele verschiedene Kataloge aus, und dann wurde sich erst einmal darüber ausgetauscht, wer welches Bild ansprechend findet und aus welchem Grund. So entstand ein wenig Vertrauen untereinander und auch ein erstes Gespräch. Erst nach diesem kurzen Warm-Up ging es gemeinsam zunächst einmal in die Rhein-Ausstellung.

Waren unterschiedliche Sprachkenntnisse dabei ein Hindernis?

Jens Bohnsack: Das war von Mal zu Mal unterschiedlich. In so einem Workshop kann ein Mix aus ganz verschieden Sprachen entstehen. Manchmal geben aber auch Initiativen vor, dass nur Deutsch gesprochen wird beziehungsweise so viel Deutsch wie möglich.

Katja Schöpe: In diesem Workshop wurde auch oft mit einem Online-Übersetzer gearbeitet. Aber wenn dann doch einmal untereinander in der Heimatsprache gesprochen wurde, so war das auch in Ordnung.

Daher das Medium Film? Um die Sprache auszuklammern?

Jens Bohnsack: Genau! Die verbale Sprache ist nicht mehr so wichtig, wenn man in Bildern miteinander sprechen kann. Je nachdem, wie die Deutschkenntnisse sind – und diese waren sehr unterschiedlich in den Kursen –, ist es schwierig, sich über komplexe Dinge zu unterhalten. Deswegen funktioniert die Bildsprache besonders gut, weil ein Film auch ohne gesprochene Sprache eine Aussagekraft haben kann. Außerdem sind Smartphones, mit denen die Filme gedreht wurden, ständige Begleiter für jeden von uns. Die Teilnehmer waren im Umgang schon geübt und konnten sich daher voll und ganz auf die Aufnahmen konzentrieren, und auf das, was sie mitteilen möchten.

Der Workshop als Sprachforum?

Katja Schöpe: Durchaus, aber nicht ausschließlich. Wir sprechen immer vom Kennenlernen, von „sich begegnen“, und dieser Workshop sollte eine Plattform dafür sein. Viele Geflüchtete oder Neuankömmlinge haben den Wunsch, Kontakte zu knüpfen. Nun ist es aber leider so, dass wenige Bonner in eine Flüchtlingsunterkunft laufen, sich einfach mal vorstellen und fragen, wie es denn so gehe. Daher die Überlegung: Was könnte eine Möglichkeit sein, sich zu begegnen, sich kennenzulernen?  Der Rhein ist ein schönes und verbindendes Element, das gut funktioniert hat. Ich glaube, die fertigen Videos als Endergebnis sind etwas sehr Verbindendes für Geflüchtete, aber auch für Locals. Schön war festzustellen, dass es gar nicht so viele Unterschiede gibt, wie wir uns immer einbilden; dass Gemeinsamkeiten überwiegen.

Jens Bohnsack: Geflüchtete und Locals befinden sich sogar häufig an denselben Orten – zum Beispiel am Rhein. Trotzdem entstehen selten Gespräche, und jeder ist für sich. Es ist, als sei eine unsichtbare Wand zwischen uns. Diese konnten wir mit dem Workshop ansatzweise durchbrechen. Der Rhein ist das, was uns alle verbindet, ist Teil unseres alltäglichen Lebens und gleichzeitig ein Charakteristikum der Stadt Bonn. Dieses Thema bietet also auch eine gute Möglichkeit, um über Heimat und Identität zu reden: „Wer bin ich? Wo komme ich her? Und wo bin ich hier eigentlich angekommen?“

 

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