Jochen Gerz
Anthologie der Kunst
27. Januar - 26. Februar 2006
Im September 2001 lud der Künstler Jochen Gerz sechs
Künstler
und sechs Autoren ein, mit einem Bild oder Text auf die Frage zu
antworten: „Was
könnte, angesichts Ihres Bildes der Kunst heute, eine noch unbekannte
Kunst sein?“ Jeder Teilnehmer schlug zugleich einen Nachfolger
vor, dessen Beitrag nach 14 Tagen den vorherigen ablöste. Ein Jahr
lang, d.h. 52 Wochen, wurde jeweils eine 'Generation' mit zwölf
Beiträgen ins Internet (www.anthology-of-art.net)
gestellt, so kamen mit 26 'Generationen' insgesamt 312 Beiträge
(aus 37 Ländern) zusammen: 156 Bilder und 156 Texte = 1 Anthologie
der Kunst.
Selten wurden die Beiträge speziell für dieses Kompendium
geschaffen, und noch seltener lagen die Beiträge ursprünglich
digital vor. Und gerade dieser Prozess der Verfremdung durch Fotografieren,
scannen oder digitalisieren, publizieren und drucken – für
Ausstellungszwecke wurde jeder Beitrag auf eine 1 x 1 m große Stoffbahn
gedruckt – kreist um die Frage der Verortung von Kunst.
Die Frage
nach der Zukunft und nach der Kunst als Zeichen einer noch unbekannten
Welt haben sich Künstler, Theoretiker und Institutionen
nicht erst seit Beginn der Moderne gestellt. Die Ausstellung „Anthologie
der Kunst“ macht deutlich, wie radikal sich die Antworten auf diese
Fragen im ausklingenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert verändert
haben: Sie zeigt Kunst und Kunstdiskurs, die Verknüpfung von Bild
und Text, nicht als Sammlung individueller Antworten, sondern als plurales
Werk, als konstituiertes Netzwerk, und sie fordert dazu heraus, ästhetische
Prozesse sowie Theorie und Praxis in unserer globalen Gesellschaft neu
zu überdenken.
Die Ausstellung wurde zuvor in der Akademie der Künste, Berlin,
und im Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe, gezeigt.
Es
liegt eine gleichnamige Publikation im DuMont Literatur und Kunst Verlag,
Köln vor. |
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