In der traditionellen chinesischen Gesellschaft gab es drei wichtige Ereignisse im Leben des Individuums, zu deren Anlass besondere festgelegte „Riten des Lebenszyklus“ durchgeführt wurden: Geburt, Heirat und Tod. Die rituellen Handlungen, die im Zusammenhang mit dem Tod standen, nahmen dabei eine besondere Stellung ein.
Trauervorschriften und Bestattungsriten sind in China bereits seit dem Altertum bekannt und wurden in verschiedenen Ritenklassikern seit der Han-Zeit (206 v. Chr.- 8 n. Chr. und 25 -220 n.Ch.) schriftlich fixiert, über Jahrhunderte bis in die Neuzeit tradiert. Die überlieferten Riten spiegeln die streng hierarchisch abgestuften höfischen Sitten, Riten und Opfer der von den Konfuzianern idealisierten Früheren Zhou-Zeit (11. Jhd.-771 v. Chr.) wider. Sie hatten für die nachfolgenden Generationen normativen Charakter. Zudem waren sie ein wichtiges Instrument, die bereits im Leben geltenden hierarchischen Beziehungen und Verpflichtungen über das irdische Leben hinaus festzulegen und reflektieren somit sehr anschaulich die (idealtypischen) familiären und gesellschaftlichen Beziehungen und Hierarchien der traditionellen chinesischen Gesellschaft. Caroline Stegmann-Rennert M.A., Sinologin
Offene Akademietagung der Thomas-Morus-Akademie Bensberg in Zusammenarbeit mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Xi’an - Kaiserliche Macht im Jenseits. Grabfunde und Tempelschätze aus Chinas alter Hauptstadt
Die chinesische Stadt Xi’an war Ausgangspunkt der Seidenstraße und bis ins Jahr 1368 Hauptstadt Chinas. 1974 stießen Landarbeiter dort auf die Grabstätte des Kaisers Qin Shi Huang Di mit der berühmten Terrakotta-Armee. Die Entdeckung ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des zwanzigsten Jahrhunderts. Rund 150 prunkvolle Kunstgegenstände stammen aus der Grabanlage und den Tempelschätzen des Kaiserhauses und adeliger Familien.
Ort:
Kunst- und Ausstellungshalle der
Bundesrepublik Deutschland, Bonn
Vortrag im Forum Vortragsreihe: China 2006 - Wirtschaftsmacht im Umbruch
Chancen und Herausforderungen des Wissenstransfers nach China
„Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken: Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen: Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“ (Konfuzius)
Die Ausstellung der „Kaiserlichen Macht im Jenseits“ zeigt eindrucksvoll Chinas einstigen großen Wissensvorsprung vor dem Westen. Doch die Glanzzeiten der chinesischen Kultur sind vorbei. Spätestens seit dem Verfall des Chinesischen Kaiserreichs Ende des 19. Jahrhunderts hat das Reich der Mitte den Anschluss an die technologischen Entwicklungen des Westens verloren.
Heute setzt die chinesische Regierung alles daran, diesen Wissensrückstand möglichst schnell auszugleichen. Der Markteintritt ausländischer Investoren wird zunehmend von deren Technologietransfer nach China abhängig gemacht. Jüngstes Beispiel ist die Forderung, den Transrapid in China weiterzuentwickeln. Plagiate sind indes auch im Reich der Mitte illegal. Durch den Beitritt zur WTO hat China internationales Recht anerkannt und geht zunehmend gegen Produktpiraterie vor. Wo liegen nun die Chancen, wo die Risiken für deutsche Unternehmen? Vielleicht lässt sich hier durch „Nachdenken“ so manche „bittere Erfahrung“ vermeiden.
Elke Spielmanns-Rome (Unternehmensberaterin, China Access) beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit China.
Themenführung: Mit Experten durch die Ausstellung Daoistische und buddhistische Symbolik an ausgewählten Objekten der Ausstellung An ausgesuchten Objekten wie Wandmalereien der Han-Dynastie oder Grabbeigaben soll die Symbolik daoistischer und bei Objekten aus der späteren Tang-Dynastie auch buddhistischer Elemente erklärt werden. Dr. Bettina Zorn, Römisch-Germanisches Zentralmuseum in Mainz
Das chinesisch-deutsche Projekt zur Zusammenarbeit in Kulturgüterschutz und Konservierung besteht seit 1988 und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auf der deutschen Seite sind das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege München und das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz, auf der chinesischen Seite ist das Museum der Terrakotta-Armee, Lintong, Technisches Zentrum Xi'an und Archäologisches Institut der Provinz Xi'an und verschiedene Institutionen der Partnerprovinz Shaanxi vertreten. Das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz hat neben vielen anderen die Metallgegenstände aus dem Schatz des Famen-Tempels, einer der bedeutendsten Entdeckungen der Nachkriegszeit aus der Tang-Dynastie (618–907), restauriert, sowie die umfassende Dokumentation der Kaisergräber aus der Tang-Dynastie begonnen und bereits für vier Gräber abgeschlossen.
Einführung und Moderation:
Prof. Dr. Wolfgang Höpken,
Vizepräsident der Südosteuropa-Gesellschaft,
Historisches Seminar der Universität Leipzig
„Dubravka Ugrešić ist eine Autorin, die man einfach verehren muss.“ Susan Sontag
„Eine Weltklasse-Autorin. Hoffen wir, dass man in Schweden im Nobelpreis-Komitee von
ihrer Existenz weiß.“ Trouw Newspaper
„Ein witziges wie nachdenkliches Buch von höchstem literarischen Rang.“ Berlin - Verlag
Die junge Literaturwissenschaftlerin Tanja Lucic muss ihre Heimatstadt Zagreb wegen des
Krieges verlassen und landet - nach einem kurzen Umweg über Berlin - als Dozentin für "serbokroatische Literatur" an der Amsterdamer Universität. Ihre Studenten sind kaum jünger
als sie und stammen aus allen Teilen des ehemaligen Jugoslawien. Sie haben sich an der
Universität immatrikuliert, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, nebenbei jobben sie
als Straßenmusiker, Servier- und Putzkräfte oder für eine Zuliefererfirma der S&M-
Ladenkette "Das Ministerium der Schmerzen". Tanja entschließt sich, in ihrem Seminar das "jugonostalgische" Experiment einer "Katalogisierung" des exjugoslawischen Alltags zu
wagen. Es scheint erfolgreich zu sein, die ehemaligen Kompatrioten werden sehr bald zu einer
verschworenen Gemeinschaft und tragen zunehmend begeistert ihre bittersüßen Erinnerungen
an Kindheit, Sprache, Elternhaus, Schule, Lektüre, Tanzunterricht, Ferienerlebnisse,
Essgewohnheiten, Einkaufs- und Schmuggelreisen nach Triest zusammen. Doch bald muss
sich jeder Einzelne von ihnen die Frage stellen, was von seinem zerbrochenen Leben noch zu
retten ist.
Dubravka Ugrešić wurde 1949 im heutigen Kroatien geboren. Sie schreibt regelmäßig für
NRC Handelsblad und Vrij Nederland, DIE ZEIT und Lettre International und wurde mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Österreichischen Staatspreis für
Europäische Literatur 1999 und dem Premio Feronio-Città di Fiano in Italien 2004. Dubravka.
Ugrešić lebt als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin in Amsterdam.
Im Sommersemester 2006 nimmt sie die Samuel Fischer-Gastprofessur an der Freien
Universität Berlin wahr.
Themenführung: Mit Experten durch die Ausstellung Die Restaurierung und farbliche Rekonstruktion der Terrakottafiguren Das chinesisch-deutsche Projekt zur Zusammenarbeit in Kulturgüterschutz und Konservierung besteht seit 1988 und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auf der deutschen Seite sind das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege München und das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz, auf der chinesischen Seite verschiedene Institutionen der Partnerprovinz Shaanxi vertreten.
Schwerpunkte der Arbeiten der Münchner Projektpartner sind die Funde aus der Grabanlage des Ersten Chinesischen Kaisers, besonders die 1974 entdeckte Terrakottaarmee. Weiterhin wird an buddhistischen Tempelanlagen gearbeitet. Catherina Blänsdorf, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München, arbeitet als Restauratorin an dem Projekt mit dem Schwerpunkt Farbe und Farbkonservierung.
Sonntag, 25. Juni | 11 bis 14 Uhr
General-Anzeiger SOMMERGARTEN auf dem Dach der Bundeskunsthalle
Im Jahr 230 v. Chr. überzieht Ying Zhen, König von Qin und später erster
Kaiser von China, die umliegenden sechs Königreiche mit blutigen Kriegen,
aus denen das vereinte Reich der Mitte erwächst. Nur seine ehemalige
Konkubine Lady Zhao (Gong Li) lehnt sich gegen diese Schreckensherrschaft auf.
Den kompromisslos gewaltsamen Weg des Königs zeichnet Chen
Kaiges (Lebewohl meine Konkubine) Historienepos in einer gelungenen
Melange aus der monumentalen Darstellung historischer Überlieferung, der
Verarbeitung chinesischer Mythen und einer Liebesgeschichte nach, anhand
derer sich die verschiedenen Erzählstränge immer wieder verknüpfen und die
historischen Beziehungsgeflechte verständlich werden. Ausgezeichnet mit dem „Großen Preis der Technik“ in Cannes.
Hongkong/Taiwan 2003, 104 Min., OmU
Regie: William Kwok, Musik: Roger Lin
Darsteller: Fang Jing, Tang Lu, Wu Jian, Gao Fei u.a.
Die Bewohner eines Dorfes an der Chinesischen Mauer glauben noch heute an die Legende, dass ihre unverheirateten Toten sich einsam fühlen und suchen in magischen Heiratsritualen nach Gefährten für ihre Verwandten in der Unterwelt. Dadurch werden Frauenleichen zur Mangelware, ausgeräumte Gräber sind an der Tagesordnung.
In dieser skurrilen Geschichte schildert der Regisseur die bis heute fest verankerte chinesische Tradition von der Würde der Jungfräulichkeit.