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Forum

500 Plätze und kein bißchen Langeweile. Neujahrskonzerte und Elvis Presley-Revival , "Flokati, Mao und Moderne", als Blick zurück auf die Siebziger, Gespräche mit Stefan Heym, Rolf Hochhuth und Ignaz Bubis, Lieder der Bürgerrechtsbewegung Amerikas, Rapunzel und Lohengrin, die Video-Oper "Weather", Tanz und Theater um die "Verzweiflung der Kornblume", Kongresse zum Riechen und Tasten, zum Sinn der Sinne, zu Wasser, Feuer und Virus - natürlich auch zur Sehsucht. Die Rede ist vom Forum, dem ansteigenden Auditorium, umgeben von einer Galerie, von der man auf ein Studio, ein Theater, Kino, eine Tanz- oder Rednerbühne blickt. Und gelegentlich diniert man hier sogar zum Auftakt der großen Ausstellungen - bisweilen sogar "Kanzlertisch" inbegriffen ... .

Aufführungen von Het Nationale Ballet
unter der Leitung von Hans van Manen
© Peter Oszvald
Die knapp 1.000 Quadratmeter sind relativ unsichtbar vollgestopft mit Regiezentrale, Simultanübersetzungs- und Kinotonanlage, jeglicher Form von Projektionseinrichtungen. Wo man hinblickt, bevor es bisweilen dunkel wird, modernste Technik. Doch dienen soll all dies einem uralten Phänomen: der Kommunikation, dem Dialog, der Vermittlung im weitesten Sinne. Logischerweise herrscht auch hier Vielfalt, denn das Forum ist ebenso regelmäßig Ort ausstellungsbegleitender Aktivitäten, was aber nur einen Teil des heterogenen Forum-Geschehens darstellt. Ein Ort der Kultur, als Zentrum der Debatte, des Kommentars. Eigenständige, ausstellungsunabhängige Veranstaltungen aus dem Spektrum der Kultur und Wissenschaft füllen vor allem den Jahreskalender; Zusätzlich schafft der Veranstalter mit der Durchführung von Fremdveranstaltungen auch ein Umfeld für Aktivitäten von außen.

Aufführungen von Het Nationale Ballet
unter der Leitung von Hans van Manen
© Peter Oszvald
Richtig spannend wurde und wird es im Forum, wenn internationale Kongresse und Symposien auf dem Programm stehen. Zwischen 1993 - noch unter der Leitung von Uta Brandes, gefolgt von Bernd Busch- und 1997 setzte zunächst die Kongreßreihe "Die Zukunft der Sinne" diskursive Glanzlichter. Künstler und Wissenschaftler trafen aufeinander, vor Ort inspiriert von neuen Erkenntnissen der Sinnesphysiologie, von philosophischen und soziologischen Überlegungen. Reflektierende Beschäftigung mit dem Wesen der Sinne bekommt geradezu einen physisch greifbaren Charakter von Grundlagenforschung, dies vor allem im sinnlichen Rahmen der Bundeskunsthalle. Ob es nun um "Welt auf tönernen Füßen. Die Töne und das Hören" (Mai 1993), um "Sehsucht. Eräugnis und Ent-Täuschung" (September 1993) und "Das Riechen" (Juni 1994) oder "Tasten" (Oktober 1995) ging. Manches blieb vermutlich auch "Geschmackssache", woraus daher ebenso ein Kongreß wurde. Außerhalb der beiden großen Reihen, zu denen auch "Die Elemente" zählten, darunter bislang "Wasser" (Oktober 1998), "Feuer" (Oktober 2000) und "Erde" (Oktober 2001), standen die Medienkunst, "Das Böse", "Die Revision des Gebrauchs" oder etwa "Proust und die Philosophie" - als einzelne Kongreßveranstaltungen - im Fokus des Bundeskunsthallen-Forums. Ganz aktuell der Kongreß "Virus" (Januar 2002), als Phänomen und politisch-medizinische Epochenmetapher zwischen Geschichte, Computerwelt, Politik und Kunst. Die "Schriftenreihe Forum" konserviert manche Kongreß-Sternstunde zumindest für eine kleine Ewigkeit.

"Komödia" von Achim Freyer
© Peter Oszvaldl"

Konzert von
Robyn Schulkowsky
© Peter Oszvald


Effi Briest
Iris ter Shiphorst,
Helmut Oehring und
Ulrike Ottinger (bonn chance!)
© Thilo Beu
Ganz neue Dimensionen dessen, was alles im Veranstaltungspanorama des Forums Platz findet, offenbaren die bislang drei Filmmusikbiennalen (1995, 1997, 1999), denen im Juni 2002 die vierte folgen wird. Die Veranstaltung bescherte der Kunst- und Ausstellungshalle nicht nur Festivalflair und Starglamour durch die Verleihung des "Internationalen Preises für Film- und Medienmusik", sondern es werden hier von den Fachleuten - Wissenschaftlern, Vordenkern und Branchenprofis - Trends der Tongestaltung und der Entwicklung des Filmtons diskutiert.
Töne eher klassischen Zuschnitts und doch oftmals ganz anders und selten so wie hier gehört, erklingen im Bereich der Opern-Veranstaltungen "bonn chance!" (ab 1997). Stets in Kooperation mit der Oper Bonn, ging "bonn chance!" zunächst 1993 unter dem Motto "Neues Theater für Musik" an den Start. Als Opernperformance wurde etwa 1995 "An Englishman, an Irishman and a Frenchman" vom Media Arts Trio aus London welturaufgeführt. Als Sopran, Bariton und Tenor verkörperten, bei allem zeitgenössischen Gestus, klassisch griechische Chöre die drei unterschiedlichen Rollen. Das "Neue Theater für Musik" und anschließend auch "bonn chance!" versuchen einen Mangel auszugleichen, der vor 100 Jahren völlig unbekannt war: Mehr als die Hälfte der Opern auf den Spielplänen waren damals nicht älter als zehn Jahre. Was sich heute dramatisch umgekehrt hat - daher nun die im Forum intensive Pflege des neuen experimentellen Musiktheaters. Nicht selten kamen und kommen hier Uraufführungen, wie etwa "Giacometti", "FlügelSchläge", "Mottke der Dieb" oder "DisTanzen" zum Zug, oder sie hießen "Narcissus" , "Vanitas" und "Die Rosen der Einöde" - ein Frühwerk Thomas Bernhards. In vielen Fällen war es sicher nicht nur die "Stimme allein" (Hörtheater, 1999), die ins Forum lockte.

Was man sich, angesichts der hier nur angedeuteten Forums-Fülle, vielleicht gar nicht vorstellen kann: Es gibt immer noch Raum für Begleitprogramme zu den Ausstellungen.


Brian Eno
"Future Light-Lounge Proposal"
im Medienkunstraum
© Peter Oszvald


Feuer-Performance
"Funkstille. Can Internet burn?"
von Kain Karawahn
© Peter Oszvald
Insgesamt haben sich mehrere hundert Veranstaltungen - darunter Symposien, Podiumsdiskussionen, Theater, Film, Musik und Tanz - direkt auf das Ausstellungsprogramm seit 1992 bezogen. So zum Beispiel 1997 das Symposium zur "Deutschen Fotografie - Macht eines Mediums 1870-1970", bei dem Klaus Honnef feststellte: "Die Fotografie erobert die Kunst und verliert ihren Charakter". Lesungen, in denen es um den Briefwechsel zwischen Katharina II. und Voltaire ging oder die "Petersburger Episode" Casanovas, bereicherten auf Forumsebene das Gastspiel der Eremitage. Nicht unbrisant zu ging es im Umfeld von "Weisheit und Liebe. 1000 Jahre Kunst des tibetischen Buddhismus", als 1996 über den "Mythos Tibet" debattiert wurde. Ausdrücklich kontrovers sollte es zugehen, und hinter das Diskussionsforum "Die Tibeter - ein Volk voller Friedfertigkeit und Toleranz?" wurde ausdrücklich ein argumentatives Fragezeichen gesetzt. In jedem Fall sollte und soll indes mit Sicherheit gelten: "Kommt, laßt uns reden, wer redet ist nicht tot." Diese Zeilen aus einem Gedicht von Gottfried Benn könnten auch über dem Forum stehen.


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