Hinter den Spiegeln
Zur Kultur des Spiels und der Schönheit des tiefen Denkens
25. November bis 5. Dezember 2006 Marcel Duchamp gewidmet
Vorträge, Filme, Diskussionsforen, Spiele und Musik werden der Frage nachgehen, inwieweit das Spiel, selbst wenn es in professionell ausgeübten Sport mündet, unser kulturelles Verhalten prägt, bestimmt und beeinflusst. Zu behandelnde Themen werden u.a. sein: das Genie am Spieltisch, Robotik – Mensch gegen Maschine, Schach und Musik, Paranoia und Verschwörungstheorien, der Schachspieler als Künstler, Duchamp der Spieler, Spieltheorie.
Herausragender Teil des Programms wird die Untersuchung und Begleitung einer Veranstaltung sein, die zum gleichen Zeitpunkt von der Universal Event Promotion (UEP) im Forum der Kunst- und Ausstellungshalle durchgeführt wird:
Unter dem Titel World Chess Challenge (WCC) wird ein großer schachlicher Zweikampf zwischen Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland) und dem weltweit führenden Schach-Computerprogramms „Deep Fritz“ (Deutschland/Hamburg) veranstaltet. Dieses Aufeinandertreffen von Mensch und Maschine hat experimentellen Charakter und wird für die Besucher permanent sachkundig kommentiert.
Seit der 2,5:3,5 Niederlage von Garri Kasparow (Ex-Weltmeister und Vorgänger von Kramnik) im Jahre 1997 in New York gegen Deep Blue, fasziniert das Thema „Mensch gegen Maschine“ die internationale Öffentlichkeit. Besonders die damit verbundene wissenschaftliche sowie philosophische Frage, ob die künstliche Intelligenz dem Menschen überlegen sei, bewegt die Gemüter. Nach Kasparow’s Matchverlust gab es noch zwei weitere große Duelle zwischen Mensch und Maschine: 2002: Kramnik Vs Deep Fritz 7 (Bahrain 2002 – Ergebnis: 4:4) und 2003: Kasparov Vs. Deep Junior (New York 2003 – Ergebnis: 3:3)
Offensichtlich hat der Mensch gegen die gewaltigen kalkulatorischen Leistungen des Schachcomputers trotz ständiger Verbesserungen in diesem Bereich aufgrund seiner spezifischen Fähigkeit wie Kreativität, Intuition oder strategischem Denken immer noch eine Chance. Nach den Ergebnissen der vergangenen Jahre wird der Story „Mensch gegen Maschine“ nun ein weiteres, entscheidendes Kapitel hinzufügt: Kann der russische Weltmeister – anerkanntermaßen auch gegen die Maschine der stärkste menschliche Spieler – nach weiteren drei Jahren der technischen Entwicklung noch mithalten oder gar den Computer besiegen? Diese Frage soll in der Bundeskunsthalle im Dezember 2006 im Rahmen des Forumsprogramms entschieden werden.
Nach jedem Spieltag (Spielplan), beginnend am 25. November , organisiert und verantwortet von der UEP, folgt ein Tag der Untersuchung, organisiert und verantwortet von der Bundeskunsthalle.
Panel der Allianz-Kulturstiftung im Forum Ästhetik des Spiels, Ästhetik der Wissenschaft Es diskutieren: Ugo Dossi (Künstler), Robert von Weizsäcker (Volkswirt), Christian Hesse (Mathematiker), Hans Holländer (Kunsthistoriker), Ernst Strouhal (Kulturwissenschaftler).
Moderation: Karsten Schwanke (ZDF).
Ende offen.
Eintritt: Tageskarte 14,20 EUR / ermäßigt 9,45 EUR
(im Vorverkauf und an der Tageskasse inkl. Gebühren)
Doppel-Vortrag und Musik im Forum Schach und Musik – Die parallelen Welten des François-André Danican Philidor Dr. Susanna Poldauf (Vortrag) und Juan María Solare (Klavier)
Der Franzose Philidor war nicht nur der beste Schachspieler des 18. Jahrhunderts, sondern auch ein bedeutender Opernkomponist. Er verkörpert somit auf einzigartige Weise die Verbindung von Schach und Musik in einer Person. Inwieweit sich beide Begabungen gegenseitig beeinflussten und worin die Verwandtschaft zwischen Schach und Musik besteht, erörtert der Vortrag mit Musikbeispielen. Am Klavier: Juan María Solare.
Die Theaterwissenschaftlerin Susanna Poldauf war Regieassistentin für Musiktheater in Stralsund, Berlin und Basel. Juan María Solare, argentinischer Komponist und Pianist, studierte bei Johannes Fritsch, Mauricio Kagel, Hans Ulrich Humpert und Helmut Lachenmann.
Speaking without lips – thinking without brain – Die Schach- und Sprechmaschine des Wolfgang von Kempelen (1734 – 1804) Brigitte Felderer, Jakob Scheid, Ernst Strouhal.
Die Grenzen zwischen dem rational entertainment des Gelehrten und der crafty science der Zauberkünstler waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch fließend. Das Publikum begeisterte sich für mechanische Experimente ebenso wie für Okkultismus und physikalische Wunder. Mit seiner sprechenden Maschine und dem schachspielenden Androiden bot Wolfgang von Kempelen eine solche unterhaltsame Inszenierung.
Die Vortragenden lehren an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und werden ihren raffinierten Nachbau des Automaten präsentieren.
Eintritt: Tageskarte 14,20 EUR / ermäßigt 9,45 EUR
(im Vorverkauf und an der Tageskasse inkl. Gebühren)
Doppel-Vortrag und Musik im Forum Paranoia und Verschwörungstheorien bei Spielergenies Mathias Bröckers
Mathias Bröckers war lange Jahre Leiter des Kulturteils der taz und ist spätestens seit seinem legendären Buch „11.9.“ Deutschlands führender Verschwörungstheoretiker.
Computer errechnet Popsong: Nutzen von Schachprogrammierung am Beispiel der komponierenden Software Ludwig
Matthias Wüllenweber (Vortrag und Querflöte)
Der Softwareentwickler der Fa. Chessbase in Hamburg ist der maßgebliche Entwickler von Deep Fritz. Heute gibt er darüber Auskunft, wie die Parameter eines Schachautomaten auch für „nützliche“ Software angewendet werden können.
Eintritt: Tageskarte 14,20 EUR / ermäßigt 9,45 EUR
(im Vorverkauf und an der Tageskasse inkl. Gebühren)
Vortrag und Theater im Forum Schachspiel als Modell in Literatur und Wissenschaft Prof. Hans Holländer
Das Schachspiel ist ein vielseitig interpretierbares System von Zeichen. Daher ist es schon seit seinen Anfängen als Bild, als Gleichnis, als Metapher und Modell für nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens betrachtet worden. Wegen seiner Nähe zu den Künsten und Wissenschaften konnte es sowohl zu Kunstformen wie zu philosophischen Begriffen und Naturgesetzen in Beziehung gesetzt werden. Einige Varianten dieses Spiels mit Analogien und Strukturen sollen im Vortrag diskutiert werden.
Der 1932 in Hamburg geborene Kunsthistoriker Hans Holländer bezeichnet sich selbst als vom Schachteufel und der Kunst Besessenen. Er interessiert sich für Schachgeschichte, Schachmathematik und alles, was mit Wissenschaften, Künsten und Schach zu tun hat.
Unter Taucher König Ass: Unter den Wasserspiegeln oder die Schönheit des tiefen Tauchens Ein Stück von Wolfgang Krause Zwieback
mit Wolfgang Krause Zwieback und Gundolf Nandico (Alphorn)
Der Leipziger und Dadas Enkel Wolfgang Krause Zwieback unternimmt einen erneuten, vermutlich fehlschlagenden Versuch, Struktur in die Welt zu bringen. Er ist Regisseur, Autor, Schauspieler, Bühnen-/Kostümbildner, Grafiker, Wort- und Bildakrobat. Zum zweiten mal nach seiner Einstein-Performance im Forum begibt sich der Pionier im Bedeutungsdschungel in den Schlingpflanzensumpf des Ornamentalen, um einige Wahrheitsnuggets herauszuwaschen. Dazu wünschen wir Ihnen viel Vergnügen! Selbst schreibt er dazu: „Eine rauschende Expedition auf die andere Seite des Meeresspiegels –
und Gründung der Stadt SAN SWIEDICO i.B.
TAUCHTONTHEATER
STARTS & STOPS haben ihr Büro in einem Ballsaal eingerichtet. 200 Stufen unter dem Wasserspiegel in der ruhiggestellten Bucht. Von dort aus verfolgen sie ihre Mission. Die Gartenarbeit leisten sie im Marianengraben. Und abends sitzen sie auf der nahegelegenen Algenbank – in der blauen Abendsonne.
Es gibt nichts Schöneres, als einen Sonnenuntergang.
Aber auch nichts Schöneres, als etwas zu retten.
Ziel ist ihre 6000 Fuß entfernte Stadt SAN SWIEDICO i.B.
Dort wird alles wiederaufgebaut, was anderswo verfällt oder vernichtet wird.
Die Westheimkirche wurde bei einem Brand hier gelöscht und wiederhergestellt.
Am Ende ist das Projekt aber sehr aufwändig.
Dann werden neue Ideen interessant.“
Eintritt: Tageskarte 14,20 EUR / ermäßigt 9,45 EUR
(im Vorverkauf und an der Tageskasse inkl. Gebühren)
Vortrag und Musik im Forum Duchamp, der Spieler Professor Herbert Molderings
Der wahrscheinlich interessanteste Analytiker des Werkes von Marcel Duchamp ist Herbert Molderings. Der Künstler Duchamp, der die Kunst anscheinend für sein Schachspiel aufgab, sah beide als enge Geschwister, ja Zwillinge.
Schachwalzer Dr. Helmut Pfleger analysiert die fünf Partien Kramniks gegen Deep Fritz. Juan María Solare spielt diese Partien auf dem Klavier nach der Partitur des Schachwalzers von Wilhelm Zobl (1982).
Eintritt: Tageskarte 14,20 EUR / ermäßigt 9,45 EUR
(im Vorverkauf und an der Tageskasse inkl. Gebühren)
„Der Mensch spielt nur, wo er in voller
Bedeutung
des Worts Mensch ist,
und er ist nur da ganz
Mensch,
wo er spielt“ (Friedrich Schiller)
Permanenz-Kino im Forum (ausgenommen andere Belegung)
EIntritt frei.
Schachmatnaja gorjatschka (Schachfieber) Ein Film von Wsewolod Pudowkin und Nikolai Shpikowsky (Buch)
Moskau 1925, 20 Min.
mit Wladimir Fogel, Anna Semzowa und José Raúl Capablanca
Schachfieber (russisch: Шахматная горячка, Schachmatnaja gorjatschka) ist der Name eines russischen Stummfilms der 20er Jahre, in dem einige Schachmeister der damaligen Zeit - wie Carlos Torre Repetto, Rudolf Spielmann, Frank Marshall, Richard Réti, Ernst Grünfeld, Frederick Yates, Solomon Gotthilf und Alexander Iljin-Schenewski – als Statisten vorkommen. Die Aufnahmen der Spieler an ihren Schachbrettern sind während des Moskauer Turniers von 1925 entstanden. Der damalige Weltmeister José Raúl Capablanca spielt sich selbst in einer Nebenrolle.
Im Mittelpunkt des Kurzfilms steht ein junger, schachbesessener Mann zur Zeit des Schachturniers in Moskau. Seine ganze Aufmerksamkeit widmet er dem Schach, er trägt Socken im Schachbrettmuster, benutzt karierte Taschentücher und hat unzählige Taschenschachbretter bei sich. Seine vernachlässigte Gefährtin wendet sich deshalb von ihm ab und trifft auf ihrem Weg durch Moskau an allen Ecken auf schachspielende Menschen. Ihre Abneigung gegen Schach kehrt sich allerdings um, als sie zufällig dem gutaussehenden José Raúl Capablanca begegnet und ihm zum Spielort des internationalen Turniers folgt. Dort trifft sie ihren Gefährten wieder, und mit ihrer neuentdeckten Schachbegeisterung wendet sich alles zum Guten.
Ugo Dossi
Frozen Dance Videoinstallation 2003.
Schach und Schönheit sind das Thema einer ungewöhnlichen Werkgruppe von Ugo Dossi, die er 2005 mit dem Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik ausgearbeitet und vor genau einem Jahr im Tretjakow-Museum in Moskau vorgestellt hat. Aus diesem Zyklus zeigen wir anlässlich der Begegnung Wladimir Kramnik gegen den Computer Deep Fritz – World Chess Challenge - das Video „Frozen Dance“ von Ugo Dossi, mit dem der Künstler die Züge der berühmten Blindpartie Kramnik / Topalov (Monte Carlo 2003) in spektralfarbige Strukturen übersetzt und in ihrer, auch visuellen, Schönheit sichtbar macht.
Die Veranstaltungsreihe ist in
diesem Jahr
Programmteil des
vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung
ausgerufenen „Jahr der
Informatik“.
Die Veranstaltung steht unter
der
Schirmherrschaft
von
Bundes-
finanzminister Peer Steinbrück.