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California Dreams

San Francisco – ein Porträt

12. September 2019 bis 12. Januar 2020

Kalifornien und speziell San Francisco stehen als Sehnsuchtsorte seit jeher für die Träume von einem „besseren Leben“: Träume von Wohlstand und Überfluss, von anderen (zuweilen utopischen) Gesellschaftsordnungen, innovativen Lebensentwürfen, kreativen künstlerischen Perspektiven und neuen technologischen Horizonten. Sowohl der pazifisch-asiatische Raum im Westen als auch Europa im Osten haben San Francisco nachhaltig geprägt.

«Die Bay Area bietet eine magische Umarmung an, die Generationen von Außenseitern und Ausgestoßenen das Gefühl gegeben hat, zu Hause zu sein.»Lawrence Rinder, Direktor des Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive

Immer wieder gingen von San Francisco weltweite Impulse aus: vom Goldrausch im 19. Jahrhundert bis hin zu den großen sozialen und politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Heute bildet Silicon Valley einen erneuten globalen Anziehungspunkt in der San Francisco Bay Area.

Die Ausstellung zeichnet ein vielfältiges Porträt der Stadt San Francisco über vier Jahrhunderte. Sie berührt wichtige globale Fragen unserer Gegenwart, besonders die Themen Migration und Vertreibung, und würdigt San Francisco als einen Ort, dessen pluralistische Identität bis heute stetig neu verhandelt wird. In drei Abschnitten widmet sich die Ausstellung den Träumen und Realitäten der Menschen in der San Francisco Bay Area in Vergangenheit und Gegenwart.

I. Globale Träume und individuelle Hoffnungen

Kalifornien – ein klimatisch besonders begünstigter Ort – war die Heimat von über 70 indigenen Völkern, doch seit dem 16. Jahrhundert rangen die Kolonialmächte England, Spanien und Russland um die reichen natürlichen Ressourcen des Landes. Für die indigene Bevölkerung bedeutete das erzwungene Missionierung, wirtschaftliche Ausbeutung, Verdrängung und Tod.

Die 1776 unter der Herrschaft des Vizekönigreichs Neuspanien gegründete Mission San Francisco de Asís, der zu ihrem Schutz eingerichtete militärische Stützpunkt (Presidio) sowie der kleine Hafenort Yerba Buena bildeten die Keimzelle des heutigen San Francisco. Weiter nördlich an der Pazifikküste errichteten 1812 russische Pelzhändler die Kolonie Ross. Der Mexikanische Unabhängigkeitskrieg setzte 1821 der spanischen Kolonialherrschaft ein Ende und machte Kalifornien zur mexikanischen Provinz, bis es 1848 den Vereinigten Staaten zufiel. 

Ab 1849 lockte der Goldrausch weltweite Migrationsströme an das Golden Gate. San Francisco wuchs in Rekordzeit zu einer Metropole heran. Hunderttausende Einwanderer aus Europa und Asien prägten das Bild der Stadt, deren kulturelle Vielfalt allerdings nicht über die ethnischen und sozialen Hierarchien hinwegtäuschen darf, die von Anfang an herrschten. Bereits in den 1850er Jahren befanden sich 80 Prozent des Sach- und Grundbesitzes in San Francisco in der Hand von weniger als fünf Prozent seiner weißen Bevölkerung.

II. Überlebensträume und der amerikanische Mainstream

Das verheerende Erdbeben von 1906 versetzte San Franciscos Aufschwung einen jähen Rückschlag. Bis heute stellt die geografische Lage Kaliforniens in einem der aktivsten Erdbebengebiete der Welt eine ständige Gefahr dar. Zudem war die rasante Erschließung der reichen Ressourcen Nordkaliforniens seit 1850 mit einer erheblichen Ausbeutung der Natur einhergegangen, die bis heute nachwirkt.

Um ihr reales und kulturelles Überleben hatten seit dem Vordringen der Europäer vor allem die indigenen Bewohner der Region gekämpft. Das Schicksal von Ishi (ca. 1860–1916), „dem letzten Yahi“, gemahnt an die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der Ureinwohner Kaliforniens, verdeutlicht aber auch ihre hartnäckige kulturelle Selbstbehauptung.

1915 feierte die Weltausstellung in San Francisco die Fertigstellung des Panamakanals im Jahr zuvor und den Wiederaufbau der Stadt. Das Vertrauen in den technologischen Fortschritt und in die Konsumgesellschaft auf der Grundlage religiös-konservativer Werte blieb trotz Krieg und Wirtschaftskrise Teil des amerikanischen Selbstverständnisses. 1939 zelebrierte eine zweite Weltausstellung unter anderem den Bau der Golden Gate Bridge (1937). 

Die Internierung von etwa 120.000 Japanern und japanischstämmigen Amerikanern während des Zweiten Weltkriegs zählt zu den weniger bekannten Kapiteln der amerikanischen Geschichte, illustriert aber nur allzu klar, dass das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" nicht allen gleichermaßen offenstand.

III. Gegenkulturen und virtuelle Träume 

Die politischen Bewegungen, alternativen Lebensentwürfe, künstlerischen Innovationen und technologischen Revolutionen, die im 20. und 21. Jahrhundert in der San Francisco Bay Area ihren Ausgang nahmen, hatten und haben bis heute weltweite Auswirkungen.

Der radikale Bruch der Beat-Poeten mit den gesellschaftlichen Normen der 1950er Jahre ebnete den Weg für die folgenden Jahrzehnte, in denen Studentenproteste und die Hippiebewegung globale Strahlkraft erzielten. Die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, indianische Aktivisten und die LGBTQ-Bewegung forderten erfolgreich Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe ein. Heute macht das Milliardengeschäft mit unseren virtuellen Träumen das Silicon Valley im Süden der San Francisco Bay Area zu einem neuen Einwanderungsmagneten.

San Francisco ist auch heute eine Stadt mit großer Anziehungskraft und setzt nach wie vor progressive Impulse zum Beispiel hinsichtlich emanzipatorischer oder ökologischer Gesellschaftsfragen. Sie war und bleibt ein Sehnsuchtsort – für Kreative, Andersdenkende und all diejenigen, die ihre Träume von einem besseren Leben dort zu verwirklichen hoffen. Und dennoch ist San Francisco – wie viele andere Städte weltweit – ein Ort, dessen pluralistische Identität immer wieder Fragen aufwirft. 

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Eintritt und Tickets im Vorverkauf

Zum Vorverkauf mit Fahrausweis zum selbst ausdrucken

10 €/ermäßigt 6,50 €
(Kassenpreise der Bundeskunsthalle)

Freitags freier Eintritt für Schulklassen
Happy-Hour-Ticket: 7 € für alle Ausstellungen (jeweils 2 Std. vor Schließung, nur für Individualbesucher).
Es werden auch Kombikarten zum Besuch aller zeitgleich in der Bundeskunsthalle stattfindenden Ausstellungen angeboten. Weitere Informationen zu den Eintrittspreisen

Fotografieren

Das Fotografieren (ohne Blitz, nur für private Zwecke) ist in dieser Ausstellung erlaubt.

Literatur zur Ausstellung in der Bibliothek

Quellennachweise anzeigen
Abbildungen
  1. Harold John Brothers, Russian Hill, San Francisco, Ausschnitt, 1945, Farbschablonendruck, Fine Arts Museums San Francisco© Foto: Fine Arts Museum of San FranciscoHarold John Brothers, Russian Hill, San Francisco, Ausschnitt, 1945, Farbschablonendruck, Fine Arts Museums San Francisco © Foto: Fine Arts Museum of San Francisco
  2. Charles Christian Nahl (und August Wenderoth), Goldgräber in den Sierras, Ausschnitt, 1851/1852, Öl auf Leinwand, Smithsonian American Art Museum, Washington DC© Smithsonian American Art Museum, Gift of the Fred Heilbron CollectionCharles Christian Nahl (und August Wenderoth), Goldgräber in den Sierras, Ausschnitt, 1851/1852, Öl auf Leinwand, Smithsonian American Art Museum, Washington DC © Smithsonian American Art Museum, Gift of the Fred Heilbron Collection
  3. Ricardo Duffy, Die neue Ordnung, Ausschnitt, 1996. Siebdruck, Los Angeles County Museum of Art© Ricardo Duffy, Foto: bpk / Los Angeles County Museum of Art / Art Resource, NYRicardo Duffy, Die neue Ordnung, Ausschnitt, 1996. Siebdruck, Los Angeles County Museum of Art© Ricardo Duffy, Foto: bpk / Los Angeles County Museum of Art / Art Resource, NY
  4. Robert Schwartz, Die gestaltlose Straße, Ausschnitt, 1997, Öl auf Holz, San Jose Museum of Art© San Jose Museum of Art, Foto: Douglas SandbergRobert Schwartz, Die gestaltlose Straße, Ausschnitt, 1997, Öl auf Holz, San Jose Museum of Art © San Jose Museum of Art, Foto: Douglas Sandberg
  5. Lee Mullican, Lotus Land, Ausschnitt, 1967, Öl auf Leinwand, Laguna Art Museum, Laguna Beach© Lee Mullican, Foto: Laguna Art Museum CollectionLee Mullican, Lotus Land, Ausschnitt, 1967, Öl auf Leinwand, Laguna Art Museum, Laguna Beach© Lee Mullican, Foto: Laguna Art Museum Collection
  6. Gene Anthony, LSD, Ausschnitt, um 1967, Fotografie, California Historical Society, San Francisco© Courtesy California Historical SocietyGene Anthony, LSD, um 1967, Fotografie, California Historical Society, San Francisco© Courtesy California Historical Society
  7. Komposition © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
  8. Doug Hall (*1944), Chrysopylae: Ein Videoporträt der Golden Gate-Brücke und der riesigen Containerschiffe, 2012, Zweikanal-Videoinstallation © Doug Hall, San Jose Museum of Art, San JoseDoug Hall (*1944), Chrysopylae: Ein Videoporträt der Golden Gate-Brücke und der riesigen Containerschiffe, 2012, Zweikanal-Videoinstallation © Doug Hall, San Jose Museum of Art, San Jose

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