Franz Erhard Walther formuliert Anfang der 1960er-Jahre – im Umfeld des Minimalismus und jenseits des klassischen Verständnisses von Skulptur und Malerei – einen neuen Werkbegriff, der die Betrachter*innen als Akteur*innen mit einbezieht: Sein Erster Werksatz (1963–1969) aus 58 aktivierbaren Elementen ist legendär. Damit konkretisiert der Künstler sein Verständnis von Skulptur, er versteht die ausgeführte Handlung als „Werkform“: Gesten und Aktionen werden zum essenziellen Bestandteil seiner Arbeiten. Durch sein Wirken als Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg wurde er zu einem einflussreichen Lehrer, und die kunsthistorische Bedeutung seines Werkes ist unumstritten.

Schon im Frühwerk bezieht der Künstler das Prozesshafte und Ungesicherte als Gestaltungsprinzip mit ein; während seiner Zeit in Düsseldorf spielen Experiment und Innovation eine große Rolle. Das Rheinland wird zu einer wichtigen Studien- und Wirkungsstätte, was in der Ausstellung und im begleitenden Katalog mit teilweise unveröffentlichten Dokumenten deutlich wird.

Seit Anfang 1963 verwendet er Stoff – ein bis dahin kaum gebräuchliches künstlerisches Material – für die Herstellung fast aller Aktivierungsobjekte. Die schon 1962 erprobte „Lagerform“ wendet er ab 1966 auch für die in Stoff verpackten Werke als eigenständigen Werkstatus an. In den Wandformationen ab Ende der 1970er-Jahren erzielt er eine unvergleichbare Verschränkung von Malerei, Skulptur und Architektur, die sich bis heute fortsetzt.

Gesten und Handlungen werden zum essentiellen Bestandteil der Arbeit.

Die Ausstellung präsentiert eine konzentrierte, repräsentative Auswahl von handlungsbasierten Arbeiten sowie Zeichnungen aus verschiedenen Perioden als „Innenblick“. Sie ist offen und dialogisch angelegt und zeigt Walthers Kunst als nicht abgeschlossen und mit den Imaginationen und Handlungen der Besucher*innen korrespondierend – es entstehen die „Bilder im Kopf“ und nachfolgend „Körper im Raum“.

Frühe Werke wie die Handstücke führen zum Ersten Werksatz, dem Schreitbahnen, Raumelemente, Wandformationen, das Neue Alphabet oder die Handlungsbahnen folgen. Eine weitere Besonderheit sind die Rekonstruktionen der Sieben Werkgesänge – eines Raumes von 1964 in der Galerie Junge Kunst in Fulda – und die korrespondierende Raumabnahme ZIEGELTON (Fuldaer Raum) von 1997/98.

Eigens angefertigte Exhibition Copies können von den Besucher*innen auf der zentralen Aktivierungsfläche im Zentrum der Ausstellung genutzt werden – zwei Einbauten im Ausstellungsraum erlauben eine ungewöhnliche Aufsicht und Perspektive auf diese Handlungsfläche. Sie führt vor Augen, dass Walthers Kunst lebendig, zugänglich, im Heute und Jetzt verankert und vor allem demokratisch und ohne hierarchischen Gedanken ist. Es sind keine speziellen Vorkenntnisse notwendig, um die einfachen Handlungen auszuführen – seine Bildsprache ist grenzüberschreitend und universell verständlich.

Über die Ausstellung hinaus

#FEWbundeskunsthalle

Behind the Art

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„Bilder im Kopf, Körper im Raum“

Franz Erhard Walther
Making of

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Franz Erhard Walther

Werkaktivierungen in der Rhön 2023

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Kurator*innen

📧 Susanne Kleine
📧 Eva Kraus
Susanne Walther

Inszenierung

Michael Kleine

Pressesprecher

📧 Sven Bergmann

Kooperationspartner

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Bundeskunsthalle mit der Franz Erhard Walther Foundation und wird für weitere internationale Stationen konzipiert.

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