Die deutsche Konzeptkünstlerin Anna Oppermann (1940–1993) hat ein bedeutendes Œuvre hinterlassen, das neu entdeckt werden will. Die Ausstellung präsentiert ihr reichhaltiges Schaffen – von frühen Bleistiftzeichnungen über starkfarbige Arbeiten in Mischtechniken bis hin zu einem ihrer letzten großen Werke.

Nach ihrem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg nahm sie ab Ende der 1960er-Jahre eine wichtige und singuläre Position in der deutschen Kunstszene ein. Allein durch ihre Teilnahme an der documenta 6 und 8 in Kassel war sie schon früh im internationalen Kontext bekannt.

An ihrem bildnerischen Frühwerk der 1960er-Jahre lässt sich ihre Beschäftigung mit dem Surrealismus, Dadaismus oder der Pop-Art und ihr intensives Interesse an Wahrnehmungsfragen ablesen. Das Wachsen und sich Ausbreiten eines Themas als Collage auf dem Bild oder über den Bildrand hinaus und in den Raum hinein mündet ab 1968 in ihre ersten Bild-Raum-Collagen, etwa Hausfrau sein.

„Vom Einfachen zum Komplizierten, vom Privaten zum Allgemeinen.“ – Anna Oppermann, 1984

Charakteristisch für ihr Hauptwerk sind die mit ihrer Arbeit einhergehende Offenlegung des künstlerischen Prozesses und ihre Reflexionen, die in Arrangements aus Notizen, Zeichnungen, Fotografien, Gedrucktem und Objekten einfließen; Sprache ist neben dem Bildnerischen ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil ihres Werkes. Hierfür prägte sie den Begriff des „Ensembles“ – prozesshafte angelegte Raumcollagen, die sowohl das installierte Werk umfassen als auch die zugrundeliegende Methode verdeutlichen: „Das, was ich Ensemble nenne, entsteht in Anwendung einer bestimmten Methode, ist Dokumentation dieser Methode und immer auch Reflexionshilfe bei weiterführenden Untersuchungen im Sinne der Methode.“

Diese komplexen Formulierungen belegen Oppermanns radikales Verständnis eines Werkes: Es ist offen und dialogisch angelegt, der Prozess ist immanent. Statt klar geformter Ergebnisse zeigt sie den Weg der Bildproduktion mit seinen Fehlern, Umwegen, Reduktionen, Adaptionen, Wiederholungen und Überschüssen. Überbordende, komplexe, aber auch kleinere Assemblagen, rhizomartige Konstellationen erlauben ein Eintauchen in ihre Spurensuchen und -sicherungen, „endgültige, sich absolut gebärdende Formulierungen“ schließt sie aus.

Oppermann bewegt sich mit ihren Arbeiten zwischen Alltag und Kunstwelt, zwischen Massenmedien und diversen wissenschaftlichen Disziplinen, um die wechselseitigen Bedingungen und Wirkungen zwischen Privatem und Allgemeinem, von Einfachheit und Komplexität nachzuzeichnen. Gegensätzliches, Unfertiges, Privates, Alltägliches, Tradiertes, Fragmentarisches, aber auch Sinnliches oder Kitschiges präsentieren sich in einer überwältigenden Vielfalt in den Ensembles, die durch ihre Titel die Idee für den Anlass oder den Werkgedanken offenlegen. Zentrale Themen sind Fragen der Wahrnehmung, gesellschaftliche oder Machtgefüge, Zwischenmenschliches, die Vereinbarkeit von Künstler sein und Familie, Mechanismen des Kunstmarktes, Fragen der Ökonomie und vieles mehr.

Anna Oppermanns Werke sind sowohl Ausdruck eines Prozesses der Selbstbefragung als auch ein „Angebot zur Kommunikation“ über grundlegende gesellschaftliche und allgemein menschliche Themen.

Posthum werden ihre Ensembles in einer sogenannten Interpretierenden Neuinstallation in die Gegenwart übertragen. Diese Praxis orientiert sich sowohl an bisherigen Installationen als auch der künstlerischen Methode selbst, wissend um Oppermanns Offenheit und Großzügigkeit im Umgang mit ihrem Werk.

#AnnaOppermann

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Anna Oppermann. Eine Retroperspektive

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Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Nachlass Anna Oppermann. Die Nachlassverwaltung obliegt Barbara Thumm.

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