AUSSTELLUNGEN

Corona-Regeln

Liebe Besucherinnen und Besucher,

für einen Besuch in der Bundeskunsthalle (Ausstellungen, Führungen, Veranstaltungen und Workshops, aber auch Buchhandlung, Bibliothek, Restaurant und Café) gilt:

  • Wir empfehlen das Tragen einer FFP2-Maske.
  • Einhaltung des Mindestabstands von 1,50 Metern
  • Beachtung der Hygieneregeln
  • Ein Besuch ist ohne Terminbuchung möglich


Testzentrum vor der Bundeskunsthalle
Infos & Öffnungszeiten: testbonn.de

Aufgrund eines veränderten COVID-19-Infektionsgeschehens besteht immer das Risiko einer kurzfristigen Absage einer Ausstellung oder Veranstaltung. Die bereits im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten zu unseren Ausstellungen und Veranstaltungen, die nicht besucht werden konnten oder nicht stattgefunden haben, können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden.

Weitere Fragen richten Sie bitte an: info@bundeskunsthalle.de

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Nutzen Sie auch gern weiterhin unsere digitalen Angebote!

Wir freuen uns auf ihren Besuch.
Alles Gute und bleiben Sie gesund!

 

Die Oper ist tot – Es lebe die Oper!

30. September 2022 bis 5. Februar 2023

Wie kein anderes Genre spricht die Oper unsere Sinne an: In ihr verbinden sich Musik, Gesang, Poesie, bildende Künste,  Theater  und  Tanz  zu  einem  spektakulären  Gesamtkunstwerk. Sie lebt von dramatischen Extremen, vom Magischen und Irrationalen. Als Kunstereignis ist sie einmalig und vergänglich.

Ausgehend von ihren Anfängen in Italien, wirft unsere Ausstellung kaleidoskopartig Blicke  auf  Geschichten,  die die Oper geschrieben hat. Sie präsentiert die Vielfalt der barocken Spektakel. Und sie erzählt am Beispiel berühmter Opernhäuser wie der Mailänder Scala, der Wiener Hofoper oder der New Yorker Met vom Wachstum und Wandel der Institution im 19. und 20. Jahrhundert. Im Fokus stehen dabei die Menschen, die sich in der Oper zusammenfinden, um ihren inneren Bildern die sinnliche Gestalt zu verleihen, die das Publikum zu sehen und zu hören bekommt.

Begleitet von Einspielungen zahlreicher Opernwerke, erzählen  Gemälde  und  Kostüme,  Plakate  und  Bühnenbildmodelle,  Karikaturen  und  Programmhefte bekannte und unbekannte Geschichten über eine sich immer wieder neu erfindenden Gattung und Institution.

Mit der Unterstützung des zu Bertelsmann gehörenden Archivio Storico Ricordi, Mailand

ERNSTHAFT?!
Albernheit und Enthusiasmus in der Kunst

11. November 2022 bis 10. April 2023

„Melde gehorsamst, dass ich blöd bin“, so untertitelte George Grosz, der große Maler und Karikaturist der Weimarer Republik, seine Karikatur eines Soldaten, in der er mit beißendem Humor den Uniformdünkel seiner Zeit kritisierte.
Auf der einen Seite sehr ernst, auf der anderen Seite ausgesprochen komisch beleuchtet die gesamte Ausstellung die enthusiastische Peinlichkeit in der modernen und zeitgenössischen Kunst, die auch vor dem Albernen, dem Unvernünftig-Dummen nicht zurückschreckt. Der vergnügliche Rundgang umfasst Werke von rund 100 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt und spannt einen Bogen vom 16.Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.
In der Moderne seit dem 19. Jahrhundert, und insbesondere in der klassischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, ist eine ganz bestimmte Richtung zu erkennen: auf der einen Seite kühne Innovationen, radikale Verneinung und verblüffende ästhetische Prinzipien – auf der anderen Seite aber auch eine besondere Art des Lachens, die die Grundlage für dieses Ausstellungsprojekt bildet. Es ist ein Lachen, das Spaß macht und zugleich alle Konservativismen, Moralvorstellungen und avantgardistischen Glaubenssätze unterläuft. Dieses Lachen zeigt, wie Autorität ins Wanken gerät, wie der pompösen Geste und dem Bild des Helden die Luft ausgeht.

Ernsthaft?! kokettiert mit dem Humor der Katastrophe, dem schlechten Geschmack, dem Camp-Ansatz, der B-Movie-Kultur, Science-Fiction und Horror, aber auch mit der Unreife, der Idiotie, der Intuition und natürlich der Leidenschaft – und nicht zu vergessen mit dem Enthusiasmus.
Ein inspirierender Vergnügungspark der Albernheit und enthusiastischen Peinlichkeit mit Werken zahlreicher bedeutender Künstlerinnen und Künstler: von Pieter Bruegel dem Älteren über Alfred Jarry und James Ensor, Marcel Duchamp und Francis Picabia, George Grosz und René Magritte, Giorgio de Chirico und Sturtevant, Sigmar Polke und Martin Kippenberger bis hin zu zahlreichen zeitgenössischen Positionen der Gegenwartskunst wie zum Beispiel Paul McCarthy, Nicole Eisenman, Fischli & Weiss, Isa Genzken, Pauline Curnier-Jardin, Kiluanji Kia Henda oder Ming Wong.

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Bonn in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg und der HALLE FÜR KUNST Steiermark und der Neuen Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum.
Die Ausstellung wurde initiiert und kuratiert von Jörg Heiser und Cristina Ricupero.

Die Letzten ihrer Art
Handwerk und Berufe im Wandel

3. Dezember 2022 bis 2. April 2023

Im Laufe der Geschichte entstanden und verschwanden unzählige Berufe oder mussten sich insbesondere durch die Industrialisierung dem gesellschaftlichen und technischen Wandel anpassen. Dieser Prozess hat durch die Globalisierung und Digitalisierung noch einmal zusätzlich an Fahrt aufgenommen.
Globale Veränderungen geschehen zunächst auf lokaler Ebene. Die Ausstellung nimmt den beruflichen Wandel in Nordrhein-Westfalen in den Blick und widmet sich fünf gefährdeten Professionen. Anhand dieser Beispiele können vergangene, gegenwärtige und zukünftig zu erwartende Auswirkungen der Transformation im Arbeitsleben allgemeingültiger deutlich gemacht werden. Die fünf Berufe sind die durch die Industrialisierung und Globalisierung bedrohten Handwerke des Backens und Schneiderns, das Ende des Steinkohlenbergbaus zugunsten des ökologischen Wandels, der infolge der Digitalisierung allmählich verschwindende Dienstleistungsberuf der Kassiererinnen und das nahezu verschwundene Handwerk der Schriftsetzerei.

Die Ausstellung zeigt, dass weltweite Transformationsprozesse sich auch im Berufsalltag einzelner widerspiegeln. So werden Aspekte des sozialen, wirtschaftlichen und auch ökologischen Wandels in einzelnen Berufsgruppen und Lebensgeschichten sichtbar, wie etwa körperliche, psychische und soziale Entfremdung, persönlicher, familiärer und regionaler Identitätsverlust oder auch Zukunftsangst. Gesellschaftlicher Wandel birgt aber auch Chancen auf eine Verbesserung des beruflichen Alltags, besonders mit Blick auf die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte. Handwerkliche Kreativität und der Wissenstransfer von Kulturtechniken spielen eine wichtige Rolle für unser aller Bildung und Wohlbefinden. Einige Handwerksberufe gilt es darum als immaterielles Kulturerbe zu bewahren.

Ausstellung, Begleitbuch und Veranstaltungsprogramm entstehen in Kooperation mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Schirmherrin der Ausstellung ist Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

1920er!
Im Kaleidoskop der Moderne

1. April bis 30. Juli 2023

Die 1920er-Jahre gelten als Umbruchphase und Experimentierfeld der westlichen Moderne. Die Gleichzeitigkeit und Radikalität dieser Epoche verleiht ihr noch im 21. Jahrhundert eine bemerkenswerte Aktualität und bildet den Ausgangspunkt dieser Ausstellung. Kaleidoskopartig wird die Vielfalt der unterschiedlichen Bilder und Stimmen zu immer neuen Konstellationen zusammengefügt, die den Blick für die Einzigartigkeit der Ereignisse sowie für die Analogien zur heutigen Zeit gleichermaßen schärfen sollen.

Das Jahrzehnt wird einerseits von einer tiefen Zerrissenheit geprägt, andererseits wird es von einem ungebrochenen Fortschrittsglauben und noch nie dagewesenem Innovationsschub in allen gesellschaftlichen Bereichen (Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik) erfasst. Das Wort NEU entwickelt sich zum allgegenwärtigen Schlagwort der Epoche. Obgleich richtungsweisende Entwicklungen bereits vor 1900 einsetzten, kommen sie erst Jahrzehnte später – durch eine immense Beschleunigung und internationale Verflechtungen entfesselt – richtig zum Tragen.

Auch Kunst und Kultur erheben selbstbewusst den Anspruch, die „neue Wirklichkeit“ mitgestalten zu wollen. Weitgespannte Künstlernetzwerke entfalten ihre Wirkungsmacht über die traditionellen Kunstzentren um/nach 1900 – Paris, Wien, München, London – hinaus, die bis in die USA, nach Lateinamerika und Asien ausstrahlt. Die rasante Internationalisierung des Kunstbetriebs erweitert die etablierte Netzgeografie um weitere Kunstmetropolen wie Berlin, Moskau, Rom, Prag, New York oder Mexiko City. Gesellschaftliche Umbrüche, politische Divergenzen, Massenkommunikation und Mobilität tragen zur Ausbildung urbaner, multikultureller Avantgarden bei, deren Mitglieder sich jenseits der Generationsgrenzen durch programmatische Orientierung und multimediale Kunstpraxis definieren. Es ist eine Epoche der Kontraste und Konflikte, in der sich unterschiedliche Kunstpositionen nebeneinander behaupten.

Die Disziplinen übergreifend angelegte Ausstellung will dieses kaleidoskopartige Bild der 1920er-Jahre einer aktuellen Betrachtung unterziehen. Drei große Themenkomplexe bestimmen und strukturieren das Ausstellungsnarrativ: Das Phänomen der Großstadt als Biotop und Zerrbild der Moderne; der Diskurs über die neuen Rollenbilder von Frau und Mann sowie die Konstruktion und Wahrnehmung der neuen Lebenswelten. Dabei soll nicht nur der Topos der verrückten, wilden Jahre bemüht, sondern die ästhetischen Zirkulationsprozesse zwischen den einzelnen Kunstströmungen und Kunstzentren jenseits der gängigen (geo-kultur-politisch sanktionierten) Denkmuster von Zentrum und Peripherie offengelegt werden. In den Fokus gerückt werden die prägenden Phänomene dieser Epoche – Globalisierung, Geschwindigkeit, Experimentierlust, Hinterfragung der Geschlechterrollen, urbane Lebenswelten, die Vielfalt künstlerischer Konzepte, veränderte Sehgewohnheiten, Technisierung, Massenkommunikation – erfassen und einen differenzierten Einblick in das Kaleidoskop der Moderne gewähren. Gleichzeitig stehen mögliche Parallelen zu den Entwicklungen in den ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts bewusst im Raum.

Interactions

30. April bis Mitte Oktober 2023

Die Bundeskunsthalle veranstaltet ein Sommerprogramm der Interaktionen, des Spiels sowie visueller und akustischer Impulse rund um das Haus und ergänzt damit die vorhandenen Kunstwerke im Außenraum: Den sich allsommerlich auf dem Platz präsentierenden Wasserpavillon Circular Appearing Rooms von Jeppe Hein, die Bonner Rutschbahn von Carsten Höller, die sich um seine eigene Achse die Fassade hinauf schlängelt und The Curve von Bettina Pousttchi, die sich ebenfalls der Bewegung widmet. Alle drei werden als partizipative Angebote von einem breiten Publikum sehr dankbar genutzt und eröffnen neue Momente der eigenen Wahrnehmung.

Mit den „Interaktionen“ werden verschiedene Orte des öffentlichen Raumes der Bundeskunsthalle – teilweise auch bis zum Herbst – besetzt: Vom Dach über das Foyer und das Forum in den Innenhof und auf den Vorplatz werden ausgewählte Kunstwerke oder Aufführungen angeboten, die zum interaktiven Spiel einladen, sich aber auch mit Bildsprachen, Tanz, Musik oder Klang als grenzüberschreitende und universelle Kommunikationsform beschäftigen. Performances verschiedener Künstler*innen bilden eine gestische Ergänzung.

Interaktionen, Interventionen, auch mögliche Irritationen sollen den Besucher*innen die Möglichkeit geben, an der Kunst spielend teilzunehmen; sie wird als offenes Angebot verstanden, das sowohl dem individuellen als auch dem kollektiven Erleben dient – ein Miteinander, bei dem Rollen hinterfragt, Offenheit, Toleranz und Sensibilität gefördert werden.

Die eingeladenen Künstler*innen sind an einer gesellschaftlichen Kunstpraxis interessiert, die erweiterte Erfahrungen anbietet, auch um eine mögliche Distanz zur Kunst und innerhalb einer Gesellschaft abzubauen.

Ein kleines Festivalprogramm und eine Abendveranstaltung zur Eröffnung (Tanz in den Mai) ergänzen die Lebendigkeit des Programms.

Josephine Baker
Freiheit – Gleichheit – Menschlichkeit

18. Mai bis 24. September 2023

Am 30. November 2021 wurde Josephine Baker als sechste Frau überhaupt in die Ruhmeshalle der französischen Nation aufgenommen, ins Panthéon. Eine Ehrung mit Signalwirkung, denn Josephine Baker war viel mehr als ein Glamourgirl, auch wenn dieser Aspekt viele ihrer Lebens-leistungen überstrahlt. Sie war eine Freiheitskämpferin, die sich intensiv für gleiche Rechte für alle Menschen engagiert hat, unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion, Nationalität, Geschlecht oder sexuellen Orientierung. Ein Grund, der zu Recht Geehrten eine Ausstellung zu widmen, die in unserer Frauenreihe präsentiert wird und an die große Präsentation 1920er! Im Kaleidoskop der Moderne anknüpft.

Josephine Baker, die 1906 in St. Louis am Mississippi in einem armen Schwarzenviertel geboren wurde, hat als Kind Rassentrennung und Rassenunruhen erlebt. Nach einem Karrierestart in Amerika, ging sie nach Europa und wurde in Paris der 1920er Jahre zum ersten weiblichen Superstar mit afroamerikanischen Wurzeln und zur höchstbezahlten Revuetänzerin der Welt. Mit ihren wild-exotischen Bühnenauftritten begeisterte sie das Publikum und die Pariser Kunst- und Literatenszene. Picasso soll sie mehrfach Modell gestanden haben, Hemingway schrieb über sie, Henri Matisse machte einen Scherenschnitt und Alexander Calder mehrere Drahtskulpturen. Später inspirierte Josephine Baker Künstler wie Andy Warhol, Keith Haring und Peter Lindbergh sowie Performerinnen wie Grace Jones, Madonna, Angelina Jolie und Naomi Campbell.

Josephine Baker war zwar eine Ikone der 1920er-Jahre, doch ihre Strahlkraft hat nie nachgelassen, weil sie ihr Leben dem Kampf um Freiheit gewidmet hat. Sie adoptierte 12 Kinder unterschiedlicher Herkunft und statuierte mit ihrer Regenbogenfamilie ein Exempel gegen Rassismus und für Gleichheit und Gleichberechtigung. Für ihren Einsatz für ein freies Frankreich wurde sie nach 1945 von Charles de Gaulle ausgezeichnet. Für ihr Engagement in der amerikanischen Bürgerrechts-bewegung wird seit 1951 am 20. Mai der Josephine Baker Day gefeiert. Martin Luther King holte sie für den March on Washington 1963 nach Amerika.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit Josephine Baker als Weltstar, Freiheitskämpferin und Ikone. Sie beleuchtet, worauf ihr Erfolg als erster „schwarzer“ Superstar gründete und wie sie die vermeintlichen Stigmata ihrer Hautfarbe in ihre Stärke verwandelte: Josephine Baker eroberte als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin ein Weltpublikum. Der Ruhm wurde ihre Waffe im Kampf gegen die Rassenpolitik der Nationalsozialisten, gegen den Rassismus innerhalb der amerikanischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg und schließlich in der Bürgerrechtsbewegung. Bis heute ist sie Vorbild für Selbstermächtigung und gesellschaftliches Engagement.

Wer wir sind
Fragen an ein Einwanderungsland

26. Mai bis 8. Oktober 2023

Wie entsteht das „Wir“ in einer Gesellschaft? Gelingt dies nur über die Abgrenzung zu „den Anderen“? Ist es möglich in unserer Gesellschaft zu einem gemeinsamen und umfassenden „Wir“ zu gelangen?

Die Ausstellung WER WIR SIND stellt kritische Fragen an Deutschland als Einwanderungsland. Ein Begriff, gegen den sich die Politik lange gewehrt hat und der heute selbstverständlich erscheinen sollte. Migration ist kein Sonderfall – sie ist der Normalzustand. Auch die  Migrationsgeschichte von Deutschland ist lang, aber weitestgehend unbekannt. Die Menschen, die nach Deutschland kamen, kämpften seit jeher darum, Teil der Gesellschaft und ihrer Geschichte zu sein. Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung sind bis heute Alltag für Menschen, denen die Zugehörigkeit zum „Wir“ abgesprochen wird. Ihre Wege sind gekennzeichnet von Widerständen, aber auch von Erfolgen.

Die Ausstellung schaut auf die Strukturen unserer Gesellschaft: Wer darf mitreden und -bestimmen? Wer hat Zugang zu Räumen und Ressourcen – zu Bildung, Wohnraum und Kultur? Wer ist sichtbar in Politik und in Medien? WER WIR SIND wirft einen Blick auf die Errungenschaften wie auch die Probleme und Hürden im Ringen um ein gleichberechtigtes Miteinander.

Die Ausstellung zeigt Werke zeitgenössischer Künstler*innen und verbindet diese mit Zeitzeugnissen aus dem Kontext von Migration und Geschichte. Die Objekte und Dokumente stammen aus dem Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) in Köln.

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle und DOMiD (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland).

Die Postmoderne
1967 – 1992

29. September 2023 bis 28. Januar 2024

Das größte Exponat dieser Ausstellung ist die Bundeskunsthalle selbst. Zwar wollte ihr Architekt Gustav Peichl kein Postmoderner sein. Doch verbindet ihn schon diese Distanzierung mit den meisten Designer*innen und Architekt*innen, die unter dem Begriff der Postmoderne verbucht werden – gleich, ob damit ein Stil gemeint ist oder ein gesellschaftlich-kulturelles Phänomen. Abstandnahme ist ein Grundprinzip postmoderner Gestaltung – die Skepsis gegenüber den Universalismen und Reinlichkeitsideologien der Moderne; und die Absage ans Diktat der Funktionalität.

Die Ausstellung unterhält, indem sie all die Exzentrik in Design, Architektur, Mode und Pop präsentiert, von der bahnbrechenden Studie Learning from Las Vegas (1974) bis zu Michael Graves gigantischen Ressorthotels für die Disney World in Orlando (1990); von David Bowies Spiel mit Geschlechterrollen bis zu Michael Jacksons Musikvideo Thriller. Und sie vermittelt, indem sie daraus Kontexte baut und pointierte Fragen an die Gegenwart formuliert. Die Ausstellung führt in ein frenetisches Vierteljahrhundert, das wie ein Zerrspiegel der Gegenwart erscheint, weil sich in ihm bis heute bestimmende Brüche auftun: die Abwendung von politischen Bewegungen und die Hinwendung zum Selbst; die Digitalisierung; die Kulturalisierung der Ökonomie und die Ökonomisierung der Kultur; die Verschiebung der Realität in die Medialität, etc.

Diese strukturelle Verwandtschaft trotz historischem Abstand ist vielleicht mit ein Grund, warum über die Postmoderne in den letzten Jahren wieder gestritten wurde: Während nach 1980 geborene Intellektuelle, zumal Künstler*innen und Designer*innen, sich begeistert den eklektischen Provokationen in Kunst, Theorie, Architektur und Design zuwenden, werfen konservative Autor*innen der Postmoderne einen Nihilismus vor, der dem Rechtspopulismus und letztlich Präsident Trump und dem Brexit den Boden bereitet habe. Die Ausstellung versammelt das Material, das es erlaubt, alle Annahmen und Vorurteile über die Postmoderne zu überprüfen. Und im Abstand einer Generation zu fragen: Wenn seit der Jahrtausendwende die Postmoderne immer weniger zur Gegenwartsbeschreibung dient – ist sie dann vorbei oder stecken wir erst recht mitten drin?

Ein chronologischer Überblick der Jahre 1967 bis 1992 stellt Entwicklungen in Kunst, Design, Architektur, Mode, Medien, Darstellenden Künsten, Musik, Literatur, Theorie, Politik, Film, Technologie und Wissenschaft gleichwertig nebeneinander und zueinander in Bezug. Die Ausstellung eröffnet mit Musikvideos, die Geschmack, Atmosphäre und Themen der Zeit aufrufen. Von da ab entfaltet sich ein chronologischer Parcours, in dem Möbel, Bücher, Modeentwürfe, Architekturmodelle, Manuskripte und das erste Mobiltelefon oder der erste PC Konstellationen eingehen. Die bis heute einflussreiche Kunst insbesondere der Pictures Generation, darunter Sturtevant, Barbara Kruger, Louise Lawler, John Baldessari und Sherrie Levine, bildet präzise gesetzte konzeptuelle Fluchtpunkte.

Bundespreis für Kunststudierende

26. Bundeswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
27. Oktober 2023 bis 7.Januar 2024

Der Startschuss für den 26. Bundespreis für Kunststudierende ist gefallen. Die 24 Kunsthochschulen in Deutschland haben jeweils ihre zwei Kandidat*innen für den Wettbewerb nominiert. Bis Ende November 2022 erfolgt die Einsendung der digitalen Portfolios durch die Kunststudierenden.

Aus den eingereichten Portfolios wählt die Jury, bestehend aus drei unabhängigen Expert*innen, im Januar 2023 fünf bis acht Preisträger*innen aus. Für den 26. Bundespreis für Kunststudierende konnten Fatima Hellberg, Direktorin Bonner Kunstverein, Anna Nowak, Kuratorin, Kunsthaus Hamburg, und Christiane Mennicke-Schwarz, Künstlerische Leitung, Kunsthaus Dresden gewonnen werden.

Der Bundespreis für Kunststudierende wird alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben. Es ist ein Wettbewerb, der sich an Studierende der 24 deutschen Kunsthochschulen richtet, die in der Rektorenkonferenz der Kunsthochschulen versammelt sind. Jede Hochschule nominiert zwei Studierende, die sich um die Preise bewerben. Der Bundespreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Künstler*innen in Deutschland.

Die Gestaltung von Plakat, Katalog und Website wird jeweils von einer der beteiligten Hochschulen übernommen. Beim 26. Bundeswettbewerb ist die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart dafür verantwortlich.

Die Bundeskunsthalle präsentiert den Wettbewerb bereits seit 1994. Er wurde 1983 unter dem Titel Kunststudenten stellen aus ins Leben gerufen. Die Ausstellung bietet damit einen guten Einblick in die sehr junge Produktion zeitgenössischer bildender Kunst in Deutschland.

Kooperationspartner: Bundesministerium für Bildung und Forschung und Deutsches Studierendenwerk

Immanuel Kant
und der Geist der Aufklärung

24. November 2023 bis 10. März 2024

Am 22. April 2024 jährt sich der Geburtstag des Philosophen Immanuel Kant (1724–1804) zum 300. Mal. Kants bahnbrechende Beiträge zur Aufklärung, seine Überlegungen zur Ethik, Emanzipation, Erkenntnistheorie und Völkerrecht gelten bis heute als Referenzpunkte für richtungsweisende Debatten. Die Ausstellung soll das Werk Immanuel Kants einem philosophisch nicht vorgebildeten, explizit auch jungen Publikum mittels innovativer, leicht zugänglicher Vermittlungsformate nahebringen. Dabei sollen die vier berühmten kantischen Fragen: „Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun? Was ist der Mensch?“ die Ausstellung inhaltlich strukturieren. Im Rahmen dieser Themenkreise werden hochkarätige Exponate (Gemälde, Grafiken und Skulpturen, wissenschaftliche Instrumente, Modelle und Karten, Handschriften und Drucke u. a) die Kernthemen der Aufklärung, die den Ausgangspunkt für Kants Wirken bildeten, visualisieren.

Gleichzeitig rücken die historische Person Immanuel Kant, sein Umfeld und seine Netzwerke in den Fokus der Betrachtungen – eine Perspektive, die in der Kant-Forschung bisher relativ wenig Beachtung fand. Kants Biografie war aufs Engste mit der städtischen Umgebung von Königsberg verbunden, wo er 73 Jahre seines langen Lebens verbrachte. Die preußische Residenzstadt bildete nicht nur sein kreatives Milieu (die Lehrtätigkeit, die legendären täglichen Stadtspaziergänge und die Tischgesellschaften), sondern strahlte als geistiges Zentrum ihrer Epoche in den gesamtdeutschen und europäischen Raum hinein.

Eine nach dem neuesten Stand der Technologie entwickelte VR-Rekonstruktion des barocken, 1944/45 völlig zerstörten, Königsbergs bildet ein zentrales Vermittlungselement der Ausstellungsinhalte. Die drei VR-Stationen ermöglichen ein immersives Erlebnis, eine imaginäre Reise in Raum und Zeit. Diese virtuellen Welten sollen das Publikum, mit Kant, seinen Ideen und seiner Epoche vertraut machen. Die an signifikanten Stellen des Rundgangs eingeführten Vertiefungsebenen und direkte Vergleiche des rekonstruierten Stadtbildes mit dem heutigen Kaliningrad sowie die Illustrationen der Graphic-Novel-Autorin Antje Herzog vervollständigen das multisensorische Erlebnis.

Für das Sommersemester 2024 ist in Zusammenarbeit mit dem Digitalen Kant-Zentrum NRW und der Universität Bonn eine Ringvorlesung in der Bundeskunsthalle geplant, die sich an ein breites Publikum richtet. Sie bildet eine inhaltliche Brücke zu dem großen internationalen Kant-Kongress, der im September 2024 von der Universität Bonn ausgerichtet wird. Mit diesen beiden prominent besetzten Veranstaltungen wird Bonn im

Jubiläumsjahr des Philosophen auch über das Ausstellungsende hinaus als attraktiver Kant-Hotspot überregional wahrgenommen.

Kooperationspartner: Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg

Anna Oppermann

8. Dezember 2023 bis 7. April 2024

Anna Oppermann (1940–1993) hat ein großes Werk hinterlassen, das neu entdeckt werden kann. Nach ihrem Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg stand sie als Schlüsselfigur der deutschen Konzeptkunst ab den 1960er-Jahren im konstruktiven Austausch mit Künstler*innen ihrer Zeit; durch ihre Teilnahme unter anderem an der documenta 6 und 8 in Kassel war sie früh im internationalen Kontext bekannt.

Die Bundeskunsthalle hat es sich zur Aufgabe gemacht, erstmals eine umfassende Retrospektive des reichhaltigen und komplexen Schaffens der deutschen Konzeptkünstlerin auszurichten. Die Ausstellung wird, neben den installativen Ensembles, ihre künstlerische Praxis bis ins bildnerische Frühwerk der 1960er Jahre nachzeichnen, an welchem sich ihr schon frühes Interesse an Wahrnehmungsfragen ablesen lässt. Ergebnisse der in den letzten Jahren gewachsenen Forschung werden ebenso in die Retrospektive einfließen.

Der von Oppermann in den frühen 1970er-Jahren geprägte Begriff des „Ensembles“ für ihre prozesshafte angelegten Arrangements umfasst sowohl das installierte Werk als auch die zugrundeliegende Methode: „Ensemble nenne ich die Dokumentation einer bestimmten Methode des Vorgehens bei Wahrnehmungs- und (oder) Erkenntnisübungen.“ Die konstanten Hinterfragungen des Verständnisses von Kunst, eines Werks, aber auch einer Künstlerin, ist Teil ihrer künstlerischen Praxis. Die Ensembles aus Notizen, Zeichnungen, Fotografien, Gedrucktem und Objekten belegen ihr radikales Verständnis eines Werks: Es ist offen sowie dialogisch angelegt und der Prozess ist Teil des Werks. Sprache ist neben den bildnerischen Werkteilen ein wesentlicher Bestandteil der Ensembles. Überbordende, komplexe, aber auch kleinere Assemblagen, rhizomartige Konstellationen erlauben ein Eintauchen in ihre Spurensuchen und Sicherungen. Ihre individuellen Mythologien als Ausgangspunkt sind ein Angebot der gedanklichen Teilhabe an grundlegenden gesellschaftlichen und allgemein menschlichen Themen.

Gegensätzliches, Unfertiges, Privates, Alltägliches, Tradiertes, Fragmentarisches, aber auch Sinnliches oder Kitschiges präsentiert sich mit einer umfangreichen Vielfalt in den Ensembles, die durch ihre Titel eine Idee des Anlasses oder Werkgedankens offenlegen. Nicht die foucaultsche „Ordnung der Dinge“ steht im Fokus, sondern Reduktion, Addition und konstante Ergänzung.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Nachlass Anna Oppermann, Galerie Barbara Thumm.