AUSSTELLUNGEN

Alles auf einmal: Die Postmoderne, 1967-1992

29. September 2023 bis 28. Januar 2024

1967 begann unsere Gegenwart: Die Moderne, die glaubte, alles sortieren zu können mit gleichen Häusern, Möbeln und Rechten für alle, wurde verabschiedet, und aus ihren Ruinen entstand eine bizarre, exzentrische Welt. Architekt*innen erklärten den Vergnügungspark zur idealen Stadt, Designer*innen befreiten sich vom guten Geschmack, und an die Stelle der Systemkämpfe trat der Kampf um Selbstverwirklichung. Neue Medien synchronisierten den Globus, und Bilder wurden zur Bühne, auf der um Stil und Anerkennung gerungen wurde. Mit spektakulären Beispielen aus Design, Architektur, Kino, Pop, Philosophie, Kunst und Literatur erzählt die Ausstellung vom Beginn der Informationsgesellschaft, von der Entfesselung der Finanzmärkte, von der großen Zeit der Subkulturen, von Disco, Punk und Techno-Pop, Schulterpolstern und Memphis-Möbeln. Und vom Boom der Kulturtempel, dem wir das größte Exponat verdanken, die Bundeskunsthalle selbst. Als die Bundeskunsthalle 1992 eröffnet wurde, war der Kalte Krieg zu Ende, und Francis Fukuyama erklärte in seinem berühmten Buch „das Ende der Geschichte“. Dreißig Jahre später ist klar, dass die Geschichte weiterging, auch um die Postmoderne wird wieder gestritten. Die Ausstellung hält der Gegenwart einen Zerrspiegel vor, in dem sich all ihre Konflikte, vom Rechtspopulismus bis zur Identitätspolitik, schon abzeichnen. Und der es erlaubt, aus dem Abstand einer Generation zu fragen, in welcher Zeit wir eigentlich leben. Ist die Postmoderne vorbei – oder sind wir mittendrin?

Bundespreis für Kunststudierende

26. Bundeswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
27. Oktober 2023 bis 7. Januar 2024

Der Bundespreis für Kunststudierende wird alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben und richtet sich an Studierende der 24 deutschen Kunsthochschulen, die in der Rektorenkonferenz der Kunsthochschulen versammelt sind. Jede Hochschule nominiert zwei Studierende, die sich um die Preise bewerben. Der Bundespreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Künstler*innen in Deutschland.

Die Kunsthochschulen haben bereits ihre Kandidat*innen für den Wettbewerb nominiert. Aus den eingereichten Portfolios wählt die Jury, bestehend aus drei unabhängigen Expert*innen, im Januar 2023 bis zu acht Preisträger*innen aus, deren Arbeiten ausgestellt werden. Für die Jury des 26. Bundespreises für Kunststudierende konnten Fatima Hellberg, Direktorin Bonner Kunstverein, Anna Nowak, Künstlerische Leitung Kunsthaus Hamburg, und Christiane Mennicke-Schwarz, Künstlerische Leitung Kunsthaus Dresden, gewonnen werden.
Die Bundeskunsthalle präsentiert den Wettbewerb bereits seit 1994. Die Ausstellung bietet einen guten Einblick in die sehr junge Produktion zeitgenössischer bildender Kunst in Deutschland.

Kooperationspartner: Bundesministerium für Bildung und Forschung und Deutsches Studierendenwerk

Immanuel Kant
und die offenen Fragen

24. November 2023 bis 17. März 2024

Am 22. April 2024 jährt sich der Geburtstag des Philosophen Immanuel Kant (1724–1804) zum 300. Mal. Kants bahnbrechende Beiträge zur Aufklärung, seine Überlegungen zur Ethik, Emanzipation, Erkenntnistheorie und zum Völkerrecht gelten bis heute als Referenzpunkte. Die Ausstellung will sein Werk einem philosophisch nicht vorgebildeten, explizit auch einem jungen Publikum nahebringen. Dabei werden die vier berühmten Kantischen Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ die Ausstellung strukturieren. Hochkarätige Gemälde, Grafiken, wissenschaftliche Instrumente, Karten und Handschriften werden die Kernthemen der Aufklärung visualisieren. Gleichzeitig rücken die historische Person Immanuel Kant, sein Umfeld und seine Netzwerke in den Fokus. Kants Biografie war auf das Engste mit der städtischen Umgebung von Königsberg verbunden, wo er 73 Jahre lang lebte. Die preußische Residenzstadt strahlte als geistiges Zentrum ihrer Epoche in den gesamtdeutschen und europäischen Raum hinein. Deshalb lassen wir in der Ausstellung das barocke, 1944/45 völlig zerstörte Königsberg virtuell wieder auferstehen. VR-Stationen ermöglichen eine imaginäre Reise in die Welt Immanuel Kants.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Ostpreußischen Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung, Lüneburg

Kooperationspartner „Kritische Interventionen in der Kant-Ausstellung“: DFG Reinhart-Koselleck-Projekt „Wie umgehen mit Rassismus, Sexismus und Antisemitismus in Werken der klassischen Deutschen Philosophie?", Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Vortragsreihe "Kant und die Gegenwart" in Zusammenarbeit mit dem Digitalen Kant-Zentrum NRW und der Universität Bonn bildet eine inhaltliche Brücke zu dem 14. Internationalen Kant-Kongress, der vom 8. bis zum 13. September 2024 vom Institut für Philosophie der Universität Bonn und der Kant-Gesellschaft e. V. (Deutschland) ausgerichtet wird.

Anna Oppermann
Eine Retroperspektive

13. Dezember 2023 bis 1. April 2024

Anna Oppermann (1940–1993) war eine deutsche Konzeptkünstlerin. Als sie mit erst 53 Jahren verstarb, hat sie ein großes Werk hinterlassen, das neu entdeckt werden will. Die Bundeskunsthalle zeigt eine umfassende Ausstellung ihres reichhaltigen Schaffens – von frühen Zeichnungen bis hin zu einem ihrer letzten großen Werke. Oppermann nahm ab Ende der 1960er-Jahre eine wichtige und singuläre Position in der deutschen Kunstszene ein. Durch ihre Teilnahme an der documenta 6 und 8 in Kassel war sie schon früh im internationalen Kontext bekannt.

Charakteristisch für ihr Werk sind die Offenlegung des künstlerischen Prozesses und ihre Reflexionen, die in Arrangements aus Notizen, Zeichnungen, Fotografien, Gedrucktem und Objekten einfließen; Sprache ist neben den bildnerischen Werkteilen ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeiten. Hierfür prägte sie seinerzeit den Begriff des „Ensembles“ – prozesshafte angelegte Raumcollagen, die sowohl das installierte Werk umfassen als auch die zugrundeliegende Methode offenlegen:

„Das, was ich Ensemble nenne, entsteht in Anwendung einer bestimmten Methode, ist Dokumentation dieser Methode und immer auch Reflexionshilfe bei weiterführenden Untersuchungen im Sinne der Methode.“

Diese komplexen Formulierungen belegen Oppermanns radikales Verständnis eines Werkes: Es ist offen und dialogisch angelegt, der Prozess ist immanent. Überbordende, komplexe, aber auch kleinere Assemblagen, rhizomartige Konstellationen erlauben ein Eintauchen in ihre Spurensuchen und -sicherungen. Und sie bewegt sich mit ihren Werken zwischen Alltag und Kunstwelt, zwischen Massenmedien und diversen wissenschaftlichen Disziplinen, um die Wechselbedingungen und -wirkungen zwischen Privatem und Allgemeinem, von Einfachheit und Komplexität nachzuzeichnen. Anna Oppermanns Werke sind sowohl Ausdruck eines Prozesses der Selbstbefragung als auch ein „Angebot zur Kommunikation“ über grundlegende gesellschaftliche und allgemein menschliche Themen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Nachlass Anna Oppermann. Die Nachlassverwaltung obliegt Barbara Thumm.

KENGO KUMA. ONOMATOPOEIA ARCHITECTURE

8. März bis 1. September 2024

„Onomatopoeia behandelt die Architektur nicht als Gegenstand von Operationen übergeordneter Akteure (Architekten), sondern behandelt Architektur und Menschen auf derselben Ebene. Die Architekten stehen nicht an der Spitze der Architektur, sondern gehen mit den Nutzern in der Architektur umher. Die Onomatopoesie ist eine Art tierähnliche Stimme, die auf einer physischen und erfahrbaren Ebene ausgestrahlt wird". KENGO KUMA

Die Ausstellung Kengo Kuma. Onomatopoeia Architecture präsentiert rund zwei Dutzend Modelle einiger der bedeutendsten Gebäude des japanischen Architekten. Im Mittelpunkt steht dabei der Dialog zwischen Mensch und Material und dem damit verbundenen Rückgriff des Architekten auf die Onomatopoesie, zu Deutsch „Lautmalerei“.

Im Japanischen bestehen Worte oft aus doppelten Silben, deren Verdoppelung wiederum die Sprache zum klingen bringt. Diese Strategie nutzt der international renommierte Architekt für die Auswahl seiner Materialien und deren Strukturen, aus denen er ganze Gebäude errichtet. Dabei lässt er sich weniger von rationellen Entscheidungen leiten, sondern arbeitet aus der Substanz des Materials heraus. Ausgehend von der Onomatopoesie, dem Erfinden oder Verwenden von Wörtern, die Geräusche enthalten, die mit dem Benannten assoziiert werden, verleiht Kengo Kuma einer physischen Empfindung eine Form, die seine Vorstellung von nachhaltiger Architektur zum Ausdruck bringt, in der Materialien wiederverwendet und Menschen und physische Dinge wieder miteinander verbunden werden.

Für seine Projekte greift er auf japanische Traditionen und die von ihm bevorzugten Materialien – Holz, Papier und Metall – zurück und wendet sie auf seine eigene, einzigartige und zeitgenössische Weise an. In seiner Vision sprechen die Oberflächen nicht nur den Sehsinn an, sondern auch den Geruchs- und Tastsinn. Die Ausstellung besteht aus den Modellen einiger seiner bedeutendsten Gebäude, die den Besucher dazu anregen, den Klang der verschiedenen Materialien zu entdecken, darunter ein temporärer fünf Meter hoher Pavillon aus Aluminium und experimentelle Installation – eine filigrane Holzskulptur, die die Lautmalereien „tsun tsun“ und „zure zure“ zum Ausdruck bringen soll.

Seine Herangehensweise an Projekte ist oft taktil, sensorisch und sogar sinnlich. Seine Sensibilität bezieht auch Fluss und Rhythmus mit ein, typische Elemente der Musik. Kumas Gebäude haben oft eine unerwartete Leichtigkeit oder eine Art von Bewegung, die er auf sein eigenes musikalisches Konzept zurückführt. Da er Beton so weit wie möglich vermeidet, scheinen seine Gebäude leicht auf dem Boden zu ruhen. Kuma bezeichnet sich selbst als "Materialist", im physikalischen Sinne des Wortes.

Kengo Kuma (*1954) ist in Yokohama geboren. Er hat weltweit gebaut, seine Gebäude stehen in Japan, aber auch in ganz Europa, Vereinigten Staaten, China und Australien. Die Ausstellung ist eine Übernahme aus dem Palazzo Cavalli-Franchetti, die anlässlich der Architekturbiennale 2023 entwickelt worden ist.

„Bilder im Kopf, Körper im Raum“
FRANZ ERHARD WALTHER

22. März bis 28. Juli 2024

Aufgrund einer andauernden Aktualität und Relevanz für die gegenwärtige Kunst und auch zu Ehren seines 85. Geburtstages plant die Bundeskunsthalle für das Jahr 2024 eine große Übersichtsausstellung zum Werk von Franz Erhard Walther (*1939). Gerade im Rheinland – einer wichtigen Studien- und Wirkungsstätte – ist eine Retrospektive ein Desiderat.

Franz Erhard Walther formuliert Anfang der 1960er – im Umfeld des Minimalismus und jenseits des klassischen Verständnisses von Skulptur und Malerei – einen neuen Werkbegriff, der die Betrachter*in als Akteur*in mit einbezieht: Sein Erster Werksatz (1963–1969) aus 58 aktivierbaren Elementen ist legendär. Damit belegt der Künstler den Begriff von Skulptur und dem des Rezipienten als eine grundlegende Hinterfragung und versteht die ausgeführte „Handlung als Werkform“: Gesten und Handlungen werden zum essentiellen Bestandteil der Arbeit. Franz Erhard Walther wurde – nicht zuletzt auch durch sein überragendes Engagement als Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg – zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler und Lehrer Deutschlands. Die kunsthistorische Bedeutung seines Werkes ist unumstritten.

Schon im Frühwerk beschäftigt sich der Künstler mit dem Prozessualen als Gestaltungsprinzip, während seiner Zeit in Düsseldorf spielen Experiment und Innovation eine große Rolle. Seit Anfang 1963 wird Stoff – ein bis dahin ungebräuchliches künstlerisches Material – für die Herstellung fast aller Aktivierungsobjekte verwendet. In den Wandformationen der 1980er-Jahre erzielt er eine unvergleichbare Verschränkung von Malerei, Skulptur und Architektur, die sich bis heute fortsetzt.

Die Ausstellung soll eine konzentrierte, repräsentative Auswahl von handlungsbasierten Arbeiten präsentieren sowie Zeichnungen „als Innenblick“ aus verschiedenen Perioden. Frühe Arbeiten, wie die Handstücke, Schreitsockel oder die Raumelemente führen zum Ersten Werksatz, dem verschiedene Wandformationen, Configurations, das Neue Alphabet oder die Handlungsbahnen folgen.

Filmische Dokumente, auch neue Aufnahmen vor Ort, belegen zudem die Zeitlichkeit der verschiedenen Handlungen / Aktivierungen durch den Künstler und die Partizipierenden. Manche Exponate in der Ausstellung, ebenso eigens angefertigte ‚Exhibition Copies‘, können aktiviert werden. Durch die Interaktion zwischen Körper und Objekt wird jede*r selbst zum Teil des Kunstwerks. Die Ausführenden schaffen ihre eigenen Erzählungen und das Werk ist in einer ständigen Veränderung begriffen: Werk, Körper Ort und Raum verschmelzen in ungewohnter Weise zu einer Einheit, die neue Erfahrungen im Umgang mit Kunst und sich selbst generieren.

Ein umfangreicher Katalog wird Neuaufnahmen der Werkaktivierungen enthalten; auch eine umfangreiche Social Media-Kampagne wird die Ausstellung flankieren.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Bundeskunsthalle mit der Franz Erhard Walther Foundation und wird für weitere internationale Stationen konzipiert.

INTERACTIONS 2024

1. Mai bis 27. Oktober 2024

2023 hat die Bundeskunsthalle ein Sommerprogramm der Interaktionen, des Spiels sowie visueller und akustischer Impulse rund um das Haus veranstaltet und die vor-handenen Kunstwerke im Außenraum ergänzt: Den sich allsommerlich auf dem Platz präsentierenden Wasserpavillon Circular Appearing Rooms von Jeppe Hein, die Bonner Rutschbahn von Carsten Höller, die sich um seine eigene Achse die Fassade hinauf schlängelt, und The Curve von Bettina Pousttchi, die sich ebenfalls der Bewegung widmet.

Mit den Interactions 2024 werden erneut verschiedene Orte des öffentlichen Raumes der Bundeskunsthalle besetzt: Vom Dach über das Foyer in den Innenhof und auf den Vorplatz werden ausgewählte Kunstwerke, Performances oder Workshops angeboten, die zum interaktiven Spiel einladen, sich aber auch mit Bildsprachen, Musik oder Klang als grenzüberschreitende und universelle Kommunikationsform beschäftigen.

Alle teilnehmenden Künstler*innen sind an Ausdrucksformen und Techniken interessiert, die die mögliche Distanz zur Kunst abbauen und Menschen in unserer komplexen diversifizierten Gesellschaft vielleicht leichter in Austausch treten lassen. In diesem Jahr kommt eine weitläufige Installation von Gabriel Lester hinzu, die ein kollektives, aber auch ein individuelles Klang- und Raumerlebnis ermöglicht. Temitayo Ogunbiyi be-reichert den Parcours mit einem formal organischen Klettergerüst, bestehend aus mehreren mit Pflanzenfasern umwickelten Stahlstangen. Und Esra Gülmen bietet mit ihren Wippen an, spielerisch eine Balance zwischen zwei konträren Aussagen zu finden.

Finnegan Shannons blaue Außenbänke werden wieder zum Verweilen einladen ebenso wie Olaf Nicolais Fußballtorwände das Spiel fördern. Und Ryan Ganders kleine Maus wird im Treppenhaus versuchen, etwas zu erzählen. Weitere Positionen sind in der Entwicklung.

Interaktionen, Interventionen, auch mögliche Irritationen geben den Besucher*innen die Möglichkeit, an der Kunst aktiv teilzuhaben. Das macht deutlich, dass Kunst ein offenes Angebot sein kann, das sowohl dem individuellen als auch dem gemeinsamen Erleben dient – einem Miteinander, bei dem starre Rollen und Verhaltensweisen hinterfragt, Offenheit, Toleranz und Sensibilität gefördert werden.

Wie auch 2023 soll das Programm mit einem Wochenende mit Performances und Workshops sowie einem Tanz in den Mai eröffnet werden.

MACHT MIT!
DEMOKRATIE GESTALTEN

30. Mai bis 13. Oktober 2024

Braucht die Demokratie ein Update? Haben wir uns zu lange darauf verlassen, dass unsere Demokratie durch nichts zu erschüttern ist? Mit Demokratie verhält es sich so: Es gibt sie nur, wenn wir fortwährend an ihr arbeiten. In einer Welt, die sich täglich verändert, muss sie ständig „fit“ gehalten werden. Es ist also Zeit, unsere demokratischen Muskeln zu stärken!

Alle Aspekte der Demokratie sind gestaltet, also können wir sie auch anders gestalten. Dies gilt nicht nur für Wahlzettel oder Plakate. Es gilt vor allem für das System selbst: Wer übernimmt die Vertretung des Volkes? Welche Rolle spielen Parteien? Und wer darf wählen und mitbestimmen? Auf dem Prüfstand steht alles, was die Demokratie nach westlichem Vorbild ausmacht. Hält sie eigentlich, was sie verspricht? Ist „für alle“ wirklich für alle? Und was würde geschehen, wenn Wahlen nicht das alleinige Herzstück der Demokratie wären?

Die Ausstellung Macht mit! Demokratie gestalten ist ein Aufruf zur aktiven Beteiligung – und zwar an der Ausstellung ebenso wie an der Demokratie an sich. Es geht um das Mit-machen an der Macht – um die Gestaltung von Strukturen der Mitbestimmung. Tatsächlich wird eine direktere Form demokratischer Mitbestimmung bereits an verschiedenen Orten erprobt. Der Bundestag hat einen Rat für Ernährung eingesetzt, in Belgien gibt es ein zusätzliches Bürger-Parlament, und zahlreiche Städte lassen ihre Bürger*innen bei verschiedenen Themen direkt mitbestimmen. Im Rahmen der Ausstellung wird es auch in der Bundeskunsthalle einen solchen Rat geben: Das Gesellschafts-Forum der Bundeskunsthalle wird einberufen, um an der Demokratisierung und Öffnung des Hauses mitzuwirken.

In der Ausstellung entsteht zudem ein „Fitness-Studio“, in dem alle ihren demokratischen Muskel trainieren können: Besucher*innen spüren am eigenen Leib, was es bedeutet, empathisch zu sein, langen Atem zu beweisen oder Kompromisse auszuhandeln. Darüber hinaus beleuchtet Macht mit! Demokratie gestalten den aktuellen gesellschaftlichen Wunsch nach mehr Teilhabe ebenso wie die traditionellen Formen der Demokratie. Wie wurde bislang für Demokratie gekämpft, für gleiche Rechte und Freiheit? Neben Kunst und Design werden Zeugnisse aus der politischen Kulturgeschichte, der Architektur sowie aus Film und Fotografie zu sehen sein. Die Ausstellung wird ein Ausflug an die Wendepunkte der Geschichte, an die Anfänge und Marksteine der Demokratie, ebenso wie ein mutiges Spekulieren in Richtung Zukunft: Wie sieht die Demokratie von morgen aus?

Ein Ausstellungsprojekt der Bundeskunsthalle in Bonn und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Kunstgewerbemuseum

MARK DION: DELIRIOUS TOYS

8. September 2024 bis 5. Januar 2025

Zum Kunstherbst 2023 hat der US-amerikanische Künstler Mark Dion aus Objekten der Spielzeugsammlung des Stadtmuseums Berlin ein Kunstwerk geschaffen, das zunächst im Museum Nikolaikirche in Berlin zu sehen ist. Seine Installationen überwinden mit hunderten von Exponaten nicht nur Raum und Zeit, sondern werfen auch einen kritischen Blick auf das Kinderspielzeug an sich.

Für die Ausstellung recherchierte Mark Dion monatelang in der rund 70.000 Objekte umfassenden Sammlung des Stadtmuseums Berlin, einer der größten Deutschlands. Davon ausgehend entstand ein Art Labyrinth aus Brettspielen, eine Pyramide der Tiere, ein Rundkurs mit einem imaginären Rennen zwischen Fahrzeugen aller Art und weitere Installationen. Auch eine Puppenhöhle, eine Kriegslandschaft und ein „Giftschrank“ mit grenzwertigen und grenzüberschreitenden Spielsachen sind in der Ausstellung zu sehen. Die Präsentation wird begleitet von einer 36-seitigen, farbig illustrierten Broschüre.

Mark Dion beschäftigt sich schon seit den späten 1980er Jahren intensiv mit der Frage, wie Wissen im Museum generiert und weitergegeben wird, immer mit wachem Blick für Systeme der Ausbeutung und Unterdrückung. Denn Spielzeuge, die ja meist von Erwachsenen für Kinder gestaltet werden, vermitteln immer auch Vorstellungen vom Menschen und von seiner Welt. Im Umgang mit Spielzeug üben Kinder bestimmte Rollenbilder ein, und durch Spielzeug werden ihnen gezielt Themen oder Ideologien nahegebracht.

Flankiert wird das Projekt von dem neu entwickelten ELLAH-Lab, das die künstlerische Beschäftigung und das kreative Lernen kontinuierlich in den Besuch der Bundeskunsthalle für Jung und Alt integrieren will.

Eine Ausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin in Kooperation mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

TANZWELTEN

27. September 2024 bis 16. Februar 2025

Eine These zur Entstehung des Tanzes lautet, dass er zunächst ein Mittel der Kommunikation war. Ob nun aus Bewegungen bei der Arbeit oder als Reaktion auf Naturphänomene entwickelt, beschreibt der Tanz seit jeher menschliche Interaktionen.

Schon in den frühesten Kulturen war der Tanz ein wichtiger Bestandteil von Ritualen, Zeremonien, Festen und Unterhaltung. Möglicherweise spielte er auch eine zentrale Rolle bei der Überlieferung von Geschichten, bevor sie schriftlich festgehalten wurden. Erstmals in prähistorischen Felsenmalereien nachweisbar, kam dem Tanz vor allem in den antiken Kulturen Indiens, Chinas, Ägyptens und Griechenlands eine besondere Bedeutung zu. In Afrika ist der Tanz tief in der Gesellschaft verankert und begleitet wichtige Ereignisse wie Geburten oder Bestattungen. Auch in Lateinamerika ist er Teil der kollektiven Identität der verschiedenen ethnischen Gruppen.

Die Ausstellung präsentiert den Tanz als globale Darstellungs- und Ausdrucksform. Sie erzählt nicht die Geschichte des Tanzes, sondern zeigt multiperspektivische Ver-flechtungsgeschichten. Sie folgt keiner chronologischen Linie, sondern beleuchtet unter thematischen Aspekten den Tanz als wesentlichen Bestandteil unseres Daseins. Dies bedeutet ein Zeit und Raum übergreifendes Konzept und die Einbeziehung vieler Tanzformen.

Viele Tanzformen können auf historische, volkstümliche, zeremonielle oder ethnische Tänze zurückgeführt werden. In den zeitgenössischen Tanz fließen immer wieder Elemente von tradierten Tanzformen ein, es finden Auseinandersetzungen mit verschiedenen Tanzkulturen und deren Überlieferung, aber auch Aneignungen statt.

Ausgehend von einem zentral platzierten Kapitel über den Tanz und die Gemeinschaft, wird der Tanz in seinen verschiedenen Funktionen weltweit vorgestellt. Sechs thematisch aufgebaute Kapitel beleuchten die rituellen, spirituellen, politischen, identitätsstiftenden und unterhaltenden Funktionen des Tanzes und lassen dabei die Grenzen zwischen Alltags- und Hochkultur verschwinden. So erzählt das Kapitel Tanz als Geschichtenerzähler sowohl vom europäischen Handlungsballett als auch von den griotischen Tänzen in Afrika und den Tanzdramen Asiens. Tanzrituale werden mit Trancetänzen der indigenen Bevölkerung Nordamerikas und Asiens beleuchtet, aber auch mit den verschiedenen Interpretationen des berühmten Balletts Le Sacre du printemps. Tango und Flamenco sind nur zwei Beispiele für Tänze, die eine identitätsstiftenden Rolle besitzen.

Da Tanz selten für sich allein steht, werden in der Ausstellung auch seine vielfältigen Verbindungen zu anderen Kunstformen betrachtet. Dabei reichen die Exponate von Tanzdarstellungen in frühen Kulturen bis zur neuzeitlichen bildenden Kunst und Beispielen des zeitgenössischen Tanzes. Darüber hinaus wird die Ausstellung zur Tanz-plattform: Videos und Projektionen, vor allem aber die live stattfindenden Interventionen und Performances vermitteln den Tanz. Im eigens dafür eingerichteten Tanzsaal in der Ostgalerie  proben und tanzen professionelle Tänzer*innen. Dem Publikum werden Einblicke in choreografische Prozesse sowie Tanzworkshops und Tutorials, aber auch Tango- oder Lindy Hop-Abende zum Mitmachen angeboten. LET’S DANCE!

SAVE LAND
United for Land

6. Dezember 2024 bis 9. Juni 2025

Die Bundeskunsthalle konzipiert im Rahmen ihrer interdisziplinären Ausstellungsreihe zu wissenschaftlichen und gesellschaftsrelevanten Themen eine Ausstellung zur Frage der ökologischen Wiederherstellung von Land. Dies geschieht in enger Kooperation mit der UNCCD (United Nations Convention to Combat Desertification). Die G20 Global Land Initiative plant, bis 2030 weltweit eine Milliarde Hektar Land zu renaturieren. Die Ausstellung nutzt die Perspektiven von Kunst und Wissenschaft, um das öffentliche Bewusstsein für dieses dringende Thema zu schärfen. Die Ausstellung findet Ende 2024 anlässlich des 30-jährigen Bestehens der UNCCD statt.

Land ist eine entscheidende Grundlage für das Leben auf diesem Planeten. Der Boden ist das lebenserhaltende Bindeglied zwischen Erdklima und biologischer Diversitität und bietet eine Vielzahl von verschiedenen Ökosystemen, die es wiederherzustellen und zu bewahren gilt. Als landwirtschaftliche und industrielle Grundlage ist Land jedoch von einer verheerenden Übernutzung bedroht, denn die Hälfte der Menschheit ist bereits von den negativen Auswirkungen der Landdegradation betroffen. Land, in all seinen Bedeutungen für unser Leben, muss wieder ins Zentrum unseres Handels gelangen, um den wirtschaftlichen und sozialen Raubbau an den Landressourcen einzudämmen.

Um die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren, nützt die Ausstellung neueste Medientechnologie und vereint Exponate aus Kunst, Kulturgeschichte und Naturwissenschaft, um die ökologischen Probleme und Potentiale der von Menschen beeinflussten Umwelten zu verstehen: (1) der Stadt, in der 57% aller Menschen leben, (2) den von Industrie und Landwirtschaft genutzten Landflächen sowie (3) den welt-weiten Gebieten von noch nahezu unberührter Natur, die besonders für das Weltklima von zentraler Bedeutung sind. Die Ausstellung ermöglicht nicht nur ein rationales Verstehen der Bedeutung von Land für unser aller Leben, sondern auch ein immersives Eintauchen in die verschiedenen Lebensräume. Begleitend von einem Augmented-Reality-Guide, können die Besucher*innen unter anderem in einem Panoramakino und verschiedenen interaktiv gestalteten Umwelten das Thema „Land“ greifbar erleben und erkunden.

Weit entfernt von einer dunklen Zukunftsvision möchte die Ausstellung auf ein positives Narrativ setzen, das zum Handeln für die gemeinsame Sache inspiriert: Vereinen wir uns lokal wie auch global, um Land und damit Leben aller Art zu retten!

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle und der UNCCD-G20 Global Land Initiative