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2022

ERNSTHAFT?!
Albernheit und Enthusiasmus in der Kunst

11. November 2022 bis 10. April 2023

„Melde gehorsamst, dass ich blöd bin“, so untertitelte George Grosz, der große Maler und Karikaturist der Weimarer Republik, seine Karikatur eines Soldaten, in der er mit beißendem Humor den Uniformdünkel seiner Zeit kritisierte.
Auf der einen Seite sehr ernst, auf der anderen Seite ausgesprochen komisch beleuchtet die gesamte Ausstellung die enthusiastische Peinlichkeit in der modernen und zeitgenössischen Kunst, die auch vor dem Albernen, dem Unvernünftig-Dummen nicht zurückschreckt. Der vergnügliche Rundgang umfasst Werke von rund 100 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt und spannt einen Bogen vom 16.Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.
In der Moderne seit dem 19. Jahrhundert, und insbesondere in der klassischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, ist eine ganz bestimmte Richtung zu erkennen: auf der einen Seite kühne Innovationen, radikale Verneinung und verblüffende ästhetische Prinzipien – auf der anderen Seite aber auch eine besondere Art des Lachens, die die Grundlage für dieses Ausstellungsprojekt bildet. Es ist ein Lachen, das Spaß macht und zugleich alle Konservativismen, Moralvorstellungen und avantgardistischen Glaubenssätze unterläuft. Dieses Lachen zeigt, wie Autorität ins Wanken gerät, wie der pompösen Geste und dem Bild des Helden die Luft ausgeht.

Ernsthaft?! kokettiert mit dem Humor der Katastrophe, dem schlechten Geschmack, dem Camp-Ansatz, der B-Movie-Kultur, Science-Fiction und Horror, aber auch mit der Unreife, der Idiotie, der Intuition und natürlich der Leidenschaft – und nicht zu vergessen mit dem Enthusiasmus.
Ein inspirierender Vergnügungspark der Albernheit und enthusiastischen Peinlichkeit mit Werken zahlreicher bedeutender Künstlerinnen und Künstler: von Pieter Bruegel dem Älteren über Alfred Jarry und James Ensor, Marcel Duchamp und Francis Picabia, George Grosz und René Magritte, Giorgio de Chirico und Sturtevant, Sigmar Polke und Martin Kippenberger bis hin zu zahlreichen zeitgenössischen Positionen der Gegenwartskunst wie zum Beispiel Paul McCarthy, Nicole Eisenman, Fischli & Weiss, Isa Genzken, Pauline Curnier-Jardin, Kiluanji Kia Henda oder Ming Wong.

Eine Ausstellung der Bundeskunsthalle in Bonn in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg und der HALLE FÜR KUNST Steiermark und der Neuen Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum.
Die Ausstellung wurde initiiert und kuratiert von Jörg Heiser und Cristina Ricupero.

Die Letzten ihrer Art
Handwerk und Berufe im Wandel

3. Dezember 2022 bis 2. April 2023

Im Laufe der Geschichte entstanden und verschwanden unzählige Berufe oder mussten sich insbesondere durch die Industrialisierung dem gesellschaftlichen und technischen Wandel anpassen. Dieser Prozess hat durch die Globalisierung und Digitalisierung noch einmal zusätzlich an Fahrt aufgenommen.
Globale Veränderungen geschehen zunächst auf lokaler Ebene. Die Ausstellung nimmt den beruflichen Wandel in Nordrhein-Westfalen in den Blick und widmet sich fünf gefährdeten Professionen. Anhand dieser Beispiele können vergangene, gegenwärtige und zukünftig zu erwartende Auswirkungen der Transformation im Arbeitsleben allgemeingültiger deutlich gemacht werden. Die fünf Berufe sind die durch die Industrialisierung und Globalisierung bedrohten Handwerke des Backens und Schneiderns, das Ende des Steinkohlenbergbaus zugunsten des ökologischen Wandels, der infolge der Digitalisierung allmählich verschwindende Dienstleistungsberuf der Kassiererinnen und das nahezu verschwundene Handwerk der Schriftsetzerei.

Die Ausstellung zeigt, dass weltweite Transformationsprozesse sich auch im Berufsalltag einzelner widerspiegeln. So werden Aspekte des sozialen, wirtschaftlichen und auch ökologischen Wandels in einzelnen Berufsgruppen und Lebensgeschichten sichtbar, wie etwa körperliche, psychische und soziale Entfremdung, persönlicher, familiärer und regionaler Identitätsverlust oder auch Zukunftsangst. Gesellschaftlicher Wandel birgt aber auch Chancen auf eine Verbesserung des beruflichen Alltags, besonders mit Blick auf die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte. Handwerkliche Kreativität und der Wissenstransfer von Kulturtechniken spielen eine wichtige Rolle für unser aller Bildung und Wohlbefinden. Einige Handwerksberufe gilt es darum als immaterielles Kulturerbe zu bewahren.

Ausstellung, Begleitbuch und Veranstaltungsprogramm entstehen in Kooperation mit dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Schirmherrin der Ausstellung ist Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

Die Oper ist tot – Es lebe die Oper!

30. September 2022 bis 5. Februar 2023

Wie kein anderes Genre spricht die Oper unsere Sinne an: In ihr verbinden sich Musik, Gesang, Poesie, bildende Künste,  Theater  und  Tanz  zu  einem  spektakulären  Gesamtkunstwerk. Sie lebt von dramatischen Extremen, vom Magischen und Irrationalen. Als Kunstereignis ist sie einmalig und vergänglich.

Ausgehend von ihren Anfängen in Italien, wirft unsere Ausstellung kaleidoskopartig Blicke  auf  Geschichten,  die die Oper geschrieben hat. Sie präsentiert die Vielfalt der barocken Spektakel. Und sie erzählt am Beispiel berühmter Opernhäuser wie der Mailänder Scala, der Wiener Hofoper oder der New Yorker Met vom Wachstum und Wandel der Institution im 19. und 20. Jahrhundert. Im Fokus stehen dabei die Menschen, die sich in der Oper zusammenfinden, um ihren inneren Bildern die sinnliche Gestalt zu verleihen, die das Publikum zu sehen und zu hören bekommt.

Begleitet von Einspielungen zahlreicher Opernwerke, erzählen  Gemälde  und  Kostüme,  Plakate  und  Bühnenbildmodelle,  Karikaturen  und  Programmhefte bekannte und unbekannte Geschichten über eine sich immer wieder neu erfindenden Gattung und Institution.

Mit der Unterstützung des zu Bertelsmann gehörenden Archivio Storico Ricordi, Mailand

Bettina Pousttchi
The Curve

4. Juni 2022 bis 24. Oktober 2023

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Bundeskunsthalle realisiert Bettina Pousttchi die 35 Meter lange und 4 Meter hohe skulpturale Arbeit The Curve auf dem Flachdach der Institution. Damit reagiert sie auf die Architektur des Gebäudes von Gustav Peichl und dessen Verständnis des Daches als „Fünfte Fassade“ und als „weiteren Ausstellungsraum“. In der Nordwestecke platziert, schmiegt sich die Skulptur in Form einer begehbaren Steilkurve dynamisch in den Umraum ein. Markierungen, ähnlich denen einer Fahrbahn, führen Besuchende auf das Objekt zu und verbinden es assoziativ mit dem urbanen Kontext der Straße und dem Stadtraum. Die Künstlerin nimmt mit The Curve auch Bezug auf die legendäre Teststrecke für Autos, die der Fiat-Konzern auf dem Dach seines 1923 eröffneten Werks im Turiner Stadtteil Lingotto gebaut hatte. Sie stand in ihrer Zeit für Beschleunigung, Bewegung und Fortschritt und damit auch maßgeblich für die Utopie der Moderne. Pousttchis bautypologische Transformation einer Autokurve in eine Fahrradkurve lässt eine Skulptur entstehen, die Besucher*innen eine offene Bühne für Bewegung und Begegnung bietet, und lässt The Curve zu einem künstlerischen Statement für eine fluide Gesellschaft werden. So ist die ausschließlich begehbare Großskulptur auch eine Reflexion über fließende Veränderungen, Partizipation und Nachhaltigkeit und lässt die Grenzen von Realität und künstlerischer Fiktion verschwimmen.
Der künstlerische Fokus der Arbeit von Bettina Pousttchi liegt immer wieder in der Auseinandersetzung mit Strukturen des öffentlichen Raumes und umfasst neben Skulptur und Fotografie auch ortsspezifische Interventionen mit Mitteln der Fotografie im Maßstab von Architektur. So war zum Beispiel Echo, 2009, eine monumentale Fotoinstallation auf der gesamten Fassade der Temporären Kunsthalle Berlin zu sehen, die sich auf den Palast der Republik bezog. Mit The Curve realisiert die Künstlerin zum ersten Mal auch eine Skulptur im Maßstab von Architektur, die die Besucher*innen zur Interaktion und Partizipation einlädt.

Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko.
The Curve ist ausschließlich für Fußgänger zu nutzen!
Bitte nicht klettern oder Skates, Skateboards, Rollschuhe, Fahrräder oder Ähnliches nutzen.

Simone de Beauvoir
und „Das andere Geschlecht“

4. März bis 16. Oktober 2022

Simone de Beauvoir (1908–1986) gehört zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und gilt als Ikone der Frauenbewegung. Im Jahr 1949 veröffentlichte die Schriftstellerin und Philosophin die Studie Le deuxième sexe („Das andere Geschlecht“), in der sie sich mit der Situation der Frauen in der westlichen Welt auseinandersetzte. Ihre brillante Analyse, die Behandlung von tabuisierten Themen wie sexuelle Initiation, lesbische Liebe oder Abtreibung lösten damals eine Welle von Kritik und Anfeindungen aus. Erst später wurde die Studie als Grundlage der Frauen- und Geschlechterforschung und als feministisches Standardwerk anerkannt.
Mit Le deuxième sexe widmet sich unsere Ausstellung dem wohl berühmtesten Werk von Simone de Beauvoir, das nichts an Relevanz verloren hat, da die Emanzipation der Frauen global noch nicht abgeschlossen ist. Die Ausstellung geht der Entstehung des Werkes im Paris der Nachkriegszeit nach, als die Philosophie des Existenzialismus neue Maßstäbe setzte, und erzählt von der Bedeutung und Rezeption dieser „Bibel des Feminismus“ innerhalb der Frauenbewegung.
Literarische und journalistische Beiträge, Interviews und Filme stellen Simone de Beauvoirs Denken und ihr Verständnis vom freien und unabhängigen Leben vor und lassen ihre wichtigsten Weggefährt*innen wie Jean-Paul Sartre oder Alice Schwarzer zu Wort kommen.

„Identität nicht nachgewiesen“
Neuerwerbungen der Sammlung des Bundes

7. Mai bis 3. Oktober 2022

Die Bundeskunsthalle zeigt regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung des Bundes. Diese präsentiert eine Auswahl von etwa 170 Arbeiten, die innerhalb der fünfjährigen Tätigkeit (2017–2021) von der Fachkommission angekauft worden sind sowie Werke, die mit Mitteln von NEUSTART KULTUR (2020–2021) von einer erweiterten Kommission erworben wurden. Die Durchmischung der beiden Ankaufskonvolute verspricht eine größtmögliche Aktualität und einen repräsentativen Querschnitt der zeitgenössischen, mitunter auch sehr jungen Produktion.

Das kuratorische Konzept wurde mit einem Team aus Mitgliedern der Ankaufskommissionen entwickelt, und schon der gewählte Titel der Ausstellung, ein Werkzitat, verweist auf den Anspruch, der an die Werkauswahl gestellt wurde: Diversität, Toleranz und gesellschaftliche und persönliche Hinterfragungen sind Kriterien, nach denen die Werke ausgesucht worden sind. Für die dialogische Konzeption waren außerdem Themen wie zeitgenössische politische und gesellschaftliche Relevanz, postkolonialer Diskurs, Posthumanität, Geschichtskonstruktionen, Urbanität oder auch eine werkimmanente Bildästhetik maßgeblich. Die Ausstellung trägt der im zeitgenössischen Kontext relevanten Sammlung des Bundes Rechnung und veranschaulicht, wie historische und aktuelle Entwicklungen, kollektive Sehgewohnheiten oder Hinterfragungen von Bildkonstruktionen künstlerisch und modellhaft umgesetzt werden.  Die Auswahl der Werke belegt zudem, dass die gegenwärtigen künstlerischen Ausdrucksformen eine breite Palette an Techniken und Medien umfassen – von raumgreifenden Installationen, Zeichnung, Malerei und Skulptur bis hin zu Fotografie und Videoarbeiten.

Sammlung zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik Deutschland
Ankäufe von 2017 bis 2021 und Ankäufe NEUSTART KULTUR von 2020 bis 2021

Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Farbe ist Programm

8. April bis 7. August 2022

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema der Farbe als programmatisches Mittel. Sie versammelt kunst- und kulturgeschichtliche Exponate aus über 100 Jahren, kulminierend in Beiträgen zeitgenössischer Kunst. Präsenz und Funktion von Farbe haben sich in dieser Zeitspanne grundlegend geändert. Farbe in ihrer Funktion als Bedeutungsträgerin ist ein wichtiges Thema in der Ausstellung, auch wenn sich jegliche Farbgebung aus ihren jeweiligen kunsthistorischen Zuschreibungen emanzipieren konnte. Die Farbe selbst hat sich seit der Moderne als gestalterisches und künstlerisches Mittel verselbständigt. Infolgedessen hat sich auch der Einsatz von Farbe als Material radikal gewandelt. Mit der rasanten Entwicklung digitaler Technologien in jüngerer Zeit beeinflussten immer intensivere Farberlebnisse die allgemeine Wahrnehmung, einschließlich unseres Verständnisses der Rolle von Kunst. Die Wirkkraft von Farbe durchdringt alle Disziplinen, nicht nur ästhetisch und wahrnehmungspsychologisch, sondern auch politisch und ökonomisch. Auch ihr kommerzieller Einsatz hat sich im Kapitalismus exponentiell gesteigert.
Zentrales Thema von Farbe ist Programm ist die künstlerische Beschäftigung mit der affektiven und repräsentativen Kraft von Farbe. Dabei ist die Bedeutung von Farbe mehr denn je ein komplexes Konstrukt gesellschaftlicher Übereinkünfte geworden. Bildende Kunst ist das primäre Spielfeld dieser Ausstellung – insbesondere ihr Vermögen abstrakte Denkräume zu eröffnen.
Der Parcours durch die Ausstellung wie auch die assoziative Herangehensweise sind bewusster Teil der Inszenierung. Diese kann über eine raumgreifende, spezifisch für die große Halle produzierte Architektur erlebt werden, die der Künstler und Ko-Kurator Liam Gillick entwickelt hat.

Farbe ist Programm ist die erste Ausstellung, die vom gesamten Team der Kuratorinnen entwickelt wurde und dadurch viele unterschiedliche spezifische Forschungsschwerpunkte aufweist. Neue, in Auftrag gegebene Installationen und immersive Räume werden das Projekt bereichern.

Das Gehirn
In Kunst & Wissenschaft

28. Januar bis 26. Juni 2022

Das Gehirn ist eines der letzten großen Rätsel des menschlichen Körpers. Was haben wir eigentlich im Kopf, und wie stellen wir uns die Vorgänge im Gehirn vor? Ist unser Ich etwas anderes als unser Körper, und wie machen wir uns einen Reim auf die Welt um uns herum? Wie sieht das Gehirn der Zukunft aus: Werden wir zu computergestützten Cyborgs? Es bedarf der Zusammenarbeit vieler Disziplinen, um sich diesen Fragen zu nähern. Die Hirnforschung liefert uns fortwährend aktuelle Erkenntnisse, steht aber auch noch vor vielen ungelösten Fragen. Die Kunst kann dabei helfen, frei über Denken und Fühlen, Bewusstsein und Wahrnehmung, Erinnerung und Traum nachzudenken. Assoziativ verbundene Werke aus Kunst und Kulturgeschichte treffen in dieser Ausstellung auf wissenschaftliche Forschung, um das menschliche Gehirn – wie ein unbekanntes Territorium – zu erkunden und besser verstehen zu lernen.