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2022

Bettina Pousttchi
The Curve

4. Juni 2022 bis 24. Oktober 2023

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Bundeskunsthalle realisiert Bettina Pousttchi die 35 Meter lange und 4 Meter hohe skulpturale Arbeit The Curve auf dem Flachdach der Institution. Damit reagiert sie auf die Architektur des Gebäudes von Gustav Peichl und dessen Verständnis des Daches als „Fünfte Fassade“ und als „weiteren Ausstellungsraum“. In der Nordwestecke platziert, schmiegt sich die Skulptur in Form einer begehbaren Steilkurve dynamisch in den Umraum ein. Markierungen, ähnlich denen einer Fahrbahn, führen Besuchende auf das Objekt zu und verbinden es assoziativ mit dem urbanen Kontext der Straße und dem Stadtraum. Die Künstlerin nimmt mit The Curve auch Bezug auf die legendäre Teststrecke für Autos, die der Fiat-Konzern auf dem Dach seines 1923 eröffneten Werks im Turiner Stadtteil Lingotto gebaut hatte. Sie stand in ihrer Zeit für Beschleunigung, Bewegung und Fortschritt und damit auch maßgeblich für die Utopie der Moderne. Pousttchis bautypologische Transformation einer Autokurve in eine Fahrradkurve lässt eine Skulptur entstehen, die Besucher*innen eine offene Bühne für Bewegung und Begegnung bietet, und lässt The Curve zu einem künstlerischen Statement für eine fluide Gesellschaft werden. So ist die ausschließlich begehbare Großskulptur auch eine Reflexion über fließende Veränderungen, Partizipation und Nachhaltigkeit und lässt die Grenzen von Realität und künstlerischer Fiktion verschwimmen.
Der künstlerische Fokus der Arbeit von Bettina Pousttchi liegt immer wieder in der Auseinandersetzung mit Strukturen des öffentlichen Raumes und umfasst neben Skulptur und Fotografie auch ortsspezifische Interventionen mit Mitteln der Fotografie im Maßstab von Architektur. So war zum Beispiel Echo, 2009, eine monumentale Fotoinstallation auf der gesamten Fassade der Temporären Kunsthalle Berlin zu sehen, die sich auf den Palast der Republik bezog. Mit The Curve realisiert die Künstlerin zum ersten Mal auch eine Skulptur im Maßstab von Architektur, die die Besucher*innen zur Interaktion und Partizipation einlädt.

Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr und eigenes Risiko.
The Curve ist ausschließlich für Fußgänger zu nutzen!
Bitte nicht klettern oder Skates, Skateboards, Rollschuhe, Fahrräder oder Ähnliches nutzen.

Simone de Beauvoir
und „Das andere Geschlecht“

4. März bis 16. Oktober 2022

Simone de Beauvoir (1908–1986) gehört zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und gilt als Ikone der Frauenbewegung. Im Jahr 1949 veröffentlichte die Schriftstellerin und Philosophin die Studie Le deuxième sexe („Das andere Geschlecht“), in der sie sich mit der Situation der Frauen in der westlichen Welt auseinandersetzte. Ihre brillante Analyse, die Behandlung von tabuisierten Themen wie sexuelle Initiation, lesbische Liebe oder Abtreibung lösten damals eine Welle von Kritik und Anfeindungen aus. Erst später wurde die Studie als Grundlage der Frauen- und Geschlechterforschung und als feministisches Standardwerk anerkannt.
Mit Le deuxième sexe widmet sich unsere Ausstellung dem wohl berühmtesten Werk von Simone de Beauvoir, das nichts an Relevanz verloren hat, da die Emanzipation der Frauen global noch nicht abgeschlossen ist. Die Ausstellung geht der Entstehung des Werkes im Paris der Nachkriegszeit nach, als die Philosophie des Existenzialismus neue Maßstäbe setzte, und erzählt von der Bedeutung und Rezeption dieser „Bibel des Feminismus“ innerhalb der Frauenbewegung.
Literarische und journalistische Beiträge, Interviews und Filme stellen Simone de Beauvoirs Denken und ihr Verständnis vom freien und unabhängigen Leben vor und lassen ihre wichtigsten Weggefährt*innen wie Jean-Paul Sartre oder Alice Schwarzer zu Wort kommen.

„Identität nicht nachgewiesen“
Neuerwerbungen der Sammlung des Bundes

7. Mai bis 3. Oktober 2022

Die Bundeskunsthalle zeigt regelmäßig Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung des Bundes. Diese präsentiert eine Auswahl von etwa 170 Arbeiten, die innerhalb der fünfjährigen Tätigkeit (2017–2021) von der Fachkommission angekauft worden sind sowie Werke, die mit Mitteln von NEUSTART KULTUR (2020–2021) von einer erweiterten Kommission erworben wurden. Die Durchmischung der beiden Ankaufskonvolute verspricht eine größtmögliche Aktualität und einen repräsentativen Querschnitt der zeitgenössischen, mitunter auch sehr jungen Produktion.

Das kuratorische Konzept wurde mit einem Team aus Mitgliedern der Ankaufskommissionen entwickelt, und schon der gewählte Titel der Ausstellung, ein Werkzitat, verweist auf den Anspruch, der an die Werkauswahl gestellt wurde: Diversität, Toleranz und gesellschaftliche und persönliche Hinterfragungen sind Kriterien, nach denen die Werke ausgesucht worden sind. Für die dialogische Konzeption waren außerdem Themen wie zeitgenössische politische und gesellschaftliche Relevanz, postkolonialer Diskurs, Posthumanität, Geschichtskonstruktionen, Urbanität oder auch eine werkimmanente Bildästhetik maßgeblich. Die Ausstellung trägt der im zeitgenössischen Kontext relevanten Sammlung des Bundes Rechnung und veranschaulicht, wie historische und aktuelle Entwicklungen, kollektive Sehgewohnheiten oder Hinterfragungen von Bildkonstruktionen künstlerisch und modellhaft umgesetzt werden.  Die Auswahl der Werke belegt zudem, dass die gegenwärtigen künstlerischen Ausdrucksformen eine breite Palette an Techniken und Medien umfassen – von raumgreifenden Installationen, Zeichnung, Malerei und Skulptur bis hin zu Fotografie und Videoarbeiten.

Sammlung zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik Deutschland
Ankäufe von 2017 bis 2021 und Ankäufe NEUSTART KULTUR von 2020 bis 2021

Eine Ausstellung der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Farbe ist Programm

8. April bis 7. August 2022

Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema der Farbe als programmatisches Mittel. Sie versammelt kunst- und kulturgeschichtliche Exponate aus über 100 Jahren, kulminierend in Beiträgen zeitgenössischer Kunst. Präsenz und Funktion von Farbe haben sich in dieser Zeitspanne grundlegend geändert. Farbe in ihrer Funktion als Bedeutungsträgerin ist ein wichtiges Thema in der Ausstellung, auch wenn sich jegliche Farbgebung aus ihren jeweiligen kunsthistorischen Zuschreibungen emanzipieren konnte. Die Farbe selbst hat sich seit der Moderne als gestalterisches und künstlerisches Mittel verselbständigt. Infolgedessen hat sich auch der Einsatz von Farbe als Material radikal gewandelt. Mit der rasanten Entwicklung digitaler Technologien in jüngerer Zeit beeinflussten immer intensivere Farberlebnisse die allgemeine Wahrnehmung, einschließlich unseres Verständnisses der Rolle von Kunst. Die Wirkkraft von Farbe durchdringt alle Disziplinen, nicht nur ästhetisch und wahrnehmungspsychologisch, sondern auch politisch und ökonomisch. Auch ihr kommerzieller Einsatz hat sich im Kapitalismus exponentiell gesteigert.
Zentrales Thema von Farbe ist Programm ist die künstlerische Beschäftigung mit der affektiven und repräsentativen Kraft von Farbe. Dabei ist die Bedeutung von Farbe mehr denn je ein komplexes Konstrukt gesellschaftlicher Übereinkünfte geworden. Bildende Kunst ist das primäre Spielfeld dieser Ausstellung – insbesondere ihr Vermögen abstrakte Denkräume zu eröffnen.
Der Parcours durch die Ausstellung wie auch die assoziative Herangehensweise sind bewusster Teil der Inszenierung. Diese kann über eine raumgreifende, spezifisch für die große Halle produzierte Architektur erlebt werden, die der Künstler und Ko-Kurator Liam Gillick entwickelt hat.

Farbe ist Programm ist die erste Ausstellung, die vom gesamten Team der Kuratorinnen entwickelt wurde und dadurch viele unterschiedliche spezifische Forschungsschwerpunkte aufweist. Neue, in Auftrag gegebene Installationen und immersive Räume werden das Projekt bereichern.

Das Gehirn
In Kunst & Wissenschaft

28. Januar bis 26. Juni 2022

Das Gehirn ist eines der letzten großen Rätsel des menschlichen Körpers. Was haben wir eigentlich im Kopf, und wie stellen wir uns die Vorgänge im Gehirn vor? Ist unser Ich etwas anderes als unser Körper, und wie machen wir uns einen Reim auf die Welt um uns herum? Wie sieht das Gehirn der Zukunft aus: Werden wir zu computergestützten Cyborgs? Es bedarf der Zusammenarbeit vieler Disziplinen, um sich diesen Fragen zu nähern. Die Hirnforschung liefert uns fortwährend aktuelle Erkenntnisse, steht aber auch noch vor vielen ungelösten Fragen. Die Kunst kann dabei helfen, frei über Denken und Fühlen, Bewusstsein und Wahrnehmung, Erinnerung und Traum nachzudenken. Assoziativ verbundene Werke aus Kunst und Kulturgeschichte treffen in dieser Ausstellung auf wissenschaftliche Forschung, um das menschliche Gehirn – wie ein unbekanntes Territorium – zu erkunden und besser verstehen zu lernen.